Was ist Bewusstsein?


Graphic courtesy of Vimeo, Human Brain Project
Und was wissen wir, wenn wir diese Frage beantworten? Ansätze aus Kognitionswissenschaften und Philosophie

Von Stephan Schleim | TELEPOLIS

Es ist eine Frage, mit der man so manchen Prüfling in den Kognitionswissenschaften oder der Philosophie in Angst und Bange versetzen könnte: Was ist Bewusstsein? Und es ist die Frage, mit der die Moderation in die Diskussion einsteigen wird. Als ob jemand das so genau wüsste …

Klar, man kann es philosophisch aufziehen und erst einmal fragen, worauf sich der Begriff bezieht: Auf ein Wesen als Ganzes, auf die Eigenschaften eines psychischen Vorgangs („bewusst“) oder gar auf eine eigene Entität Bewusstsein, auf ein eigenständiges Ding?

In einem Artikel über den „Geist“ erklärte ich vor Kurzem, warum ein verdinglichendes Denken mehr Probleme aufwirft, als es löst (Körper ist Geist). Ebenso, wie ich dort vorschlug, „Geist“ bloß als Sammelbegriff für die psychischen Vorgänge zu verwenden, möchte ich es auch für „Bewusstsein“ tun: Es ist keine eigenständige Entität, sondern ein Sammelbegriff für die bewussten psychischen Prozesse. Lebewesen mit Bewusstsein sind dann solche, die bewusste Prozesse haben; erstes Problem gelöst.

Was aber sind bewusste Prozesse? Auch hier hilft uns die Philosophie wieder weiter, jedenfalls als erste Orientierung. Kennzeichnende Merkmale sind demnach vor allem der subjektive Charakter und die qualitativen Eigenschaften: Der bewusste Prozess ist erst einmal nur demjenigen zugänglich, der ihn hat, und er hat eine bestimmte Erlebnisqualität. Ersteres wird manchmal als Erste-Person-Perspektive ausgedrückt, Letzteres als „wie es sich anfühlt“. Damit sind nicht nur Gefühle gemeint, sondern ein Erlebniseindruck überhaupt, etwa der Druck der Tasten gegen meine Finger oder die Wärme der Teetasse neben mir, wenn ich gleich einen Schluck trinke.

„Wie fühlt sich ein Sonnenuntergang an? Oder der Klang einer Trompete?“ Bei diesen Fragen geht es um die Erlebnisqualität beim Ansehen eines Sonnenuntergangs (das kann auch auf einem Gemälde sein oder Ähnlichem) oder beim Hören einer Trompete. Sie lassen sich beantworten, wenn auch nicht einheitlich. Vielleicht verbinde ich mit Ersterem einen romantischen Kuss mit einer Jugendliebe, doch wäre jemand anders fast in der in rot getauchten See ertrunken. Es ist daher gut möglich, dass sich diese Erlebnisse für uns anders anfühlen.

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