Religiöser Wahn


Atheismus reicht nicht, um das Wüten der Gewalt im Namen eines Glaubens, sei es der Islam oder der Buddhismus, zu beenden. Die Heilung muss aus den Religionen selbst kommen

Von Hannes Stein | DIE WELT

Buddhisten sind – nicht wahr? – sanfte Menschen, die keiner Fliege etwas zuleide tun würden. Schließlich steht in ihren heiligen Schriften, dass auch Tiere Anteil an der „Buddha-Natur“ haben; außerdem kann es sich bei jeder Mücke und jedem Elefanten um die Wiedergeburt eines verstorbenen Verwandten handeln. „Rechtes Handeln“ bedeutet im Buddhismus also unter anderem, dass man nicht tötet. Wie kann es dann sein, dass zwei der großen Massenverbrechen des noch jungen 21. Jahrhunderts ausgerechnet von Buddhisten begangen wurden?

In Sri Lanka massakrierte das Militär im Jahre 2009 Tausende Tamilen, um eine Guerillabewegung zu besiegen; manche Quellen sprechen von 40.000 toten Zivilisten. Unter den Toten befanden sich viele Kinder. Frauen und Mädchen wurden von den Soldaten vergewaltigt und erschossen. (Die Welt nahm seinerzeit kaum Notiz von diesem Verbrechen. Sie war wieder einmal damit beschäftigt, sich über eine israelische Militäroperation aufzuregen.)

weiterlesen