Saïda Keller-Messahli: „Allmählich etabliert sich eine Parallelgesellschaft“


foto: christian beutler / keystone Viele Moscheeverbände würden eine Islamlehre vertreten, die nichts mit dem Leben und dem Alltag der Mehrheit der Muslime in den westlichen Ländern zu tun habe, sagt Saïda Keller-Messahli.
Saïda Keller-Messahli, Präsidentin des Forums für einen fortschrittlichen Islam, über vernetzte radikale Prediger, die Rolle der Moscheevereine und die vernachlässigte liberale Mehrheit der Muslime in Europa

Interview Lisa Nimmervoll | derStandard.at

STANDARD: Für Ihr Buch haben Sie „einen Blick hinter die Kulissen der Moscheen“ in der Schweiz geworfen. Was haben Sie dort gefunden?

Keller-Messahli: Es ist ein beunruhigender Befund, weil sich allmählich eine Parallelgesellschaft etabliert. Das Leben in den 300 Moscheen der Schweiz ist sehr abgeschottet vom Rest der Gesellschaft. Niemand weiß, was dort gepredigt wird, was dort überhaupt stattfindet. In einigen Moscheen werden wirklich radikale Prediger aus den Balkanstaaten, der Türkei oder Saudi-Arabien eingeladen, um dort ihre Ideologie zu verbreiten. Sie werden auch an andere Moscheen weitergereicht und wandern oft durch ganz Europa. So wurde die Schweiz zu einer islamistischen Drehscheibe.

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