Die Moral hinter der Gen-Schere


foto: alfred pasieka / science photo library / picturedesk.com Die Gen-Schere macht es möglich, fehlerhafte Gene einfach zu reparieren. Doch wie weit darf man dabei gehen? Forscher haben unterschiedliche Zugänge zum Umgang mit der neuen Technologie.

Wissenschafter fordern eine demokratische Entscheidung darüber, wann die CRISPR/Cas9-Technologie angewandt werden darf

Von Peter Illetschko | derStandard.at

„Man sollte eigentlich nicht an unserem Gen-Pool herumwurschteln.“ So lautete eine erste Antwort von Teilnehmern einer Studie, die ein Team um die Wissenschaftsforscherin Ulrike Felt von der Uni Wien durchgeführt hat. Es ging um die Anwendungsmöglichkeiten der Gen-Schere CRISPR/Cas9, mit der spezielle Gene aus der Erbinformation der DNA herausgeschnitten, ausgeschaltet, modifiziert oder repariert werden können – was in weiterer Folge Einfluss auf den Organismus und ganze Populationen von Arten vornehmen würde: im besten Fall, um Krankheiten zu heilen. Die Probanden der besagten Studie äußerten sich mitunter skeptisch. Die Natur würde schon alles regeln, heißt es da. „Wenn wir alle Menschen krankheitsresistent machen, dann gäbe es zu viele Menschen auf der Erde.“

Wer mehr weiß über die CRISPR/Cas9-Technologie, den lässt sie nicht kalt. Dabei kann sie nicht wirklich mehr als andere, in früheren Jahren angewandte Methoden des Genome Editing. Sie ist nur leichter, flexibler und wesentlich billiger in der Handhabung – und regt daher zu ethischen Diskussionen an. Was darf man mit CRISPR? Was darf man nicht? Ist es zulässig, mit CRISPR in die Keimbahn einzugreifen? Viele Wissenschafter haben sich schon dagegen ausgesprochen und verlangen eine weltweite Regelung. Dass es technisch möglich ist, wurde zuletzt schon erwiesen.

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