Das Kopftuch, regressive Beißreflexe oder die Rückkehr der Wahnsinnigen


 Uneingeschränkte Toleranz führt mit Notwendigkeit zum Verschwinden der Toleranz. Denn wenn wir die uneingeschränkte Toleranz sogar auf die Intoleranten ausdehnen, wenn wir nicht bereit sind, eine tolerante Gesellschaftsordnung gegen die Angriffe der Intoleranz zu verteidigen, dann werden die Toleranten vernichtet werden und die Toleranz mit ihnen.“Karl Popper, Die offene Gesellschaft und ihre Feinde

Schreckliches ist passiert. Eine Professorin der Julius-Maximilians-Universität Würzburg diskutiert über die Respektlosigkeit von Kopfbedeckungen in Hörsälen. Konkret wird eine Studentin angesprochen, die auf Grund ihrer religiösen Weltsicht ein Kopftuch trägt. Auch diese Art von Kopfbedeckung sei respektlos.
Schon gehen regressive Linke auf die Barrikade, sprich eintrainierte Beißreflexe, die sozialen Medien des Internets dazu und die Sau wird virtuell durchs Dorf getrieben. Liest man die Kommentare und Artikel in den verschiedensten Medien bleibt nur noch zu sagen, wenn sich die Professorin nicht selbst tötet wird sie von der aufgebrachten Meute der Bescheidwisser gesteinigt.
Islamophobie, Herabwürdigung der Menschenwürde, Grundrechte mit den Füßen getreten, Diskriminierung.
Seid ihr noch normal? Seit wann ist Religionsfreiheit grenzenlos? Wo steht geschrieben, dass man in einer Vorlesung, an einer Universität und damit im säkularen Raum, der weltanschaulich neutral seien soll, dauerhaft ein Religionsbekenntnis demonstriert werden darf?
Wer erlaubt euch die Integrität einer säkularen Person anzugreifen und all das was ihr der Studentin zubilligt abzusprechen. Hat die Professorin keine Rechte, muss sie die kontinuierliche religöse Darstellung in ihrer Vorlesung dulden? Nein.

An der al-Azhar-Universität in Kairo, der höchsten theologischen Autorität des sunnitischen Islam sind Kopfbedeckungen für Studentinnen verboten. Der Dekan, welcher gleichzeitig Großmufti von Ägypten ist, hat mal einer Studentin auf dem Campus das Kopftuch heruntergerissen. Kurze Zeit später wurde das Tragen jedweder Kopfbedeckungen per Fatwa verboten. Und hier erklären „progressive“ Linke was Religionsfreiheit ist. Mit anderen Worten für das Tragen eines Kopftuches gibt es keine religiöse Begründung. In diesem Zusammenhang ist auch unverständlich, warum sich Gerichte, Juristen und Politiker in Deutschland nicht an der Rechtsprechung einer theologischen Autorität, wie sie nun mal die al-Azhar ist, orientieren. Ist das Kopftuch religiös nicht begründbar, kann man sich nicht hinter dem Recht auf Religionsfreiheit verstecken.

Der weitaus schlimmere Aspekt dieser Diskussion liegt noch in anderer Hinsicht begründet. Stichtwort. Reformation des Islam. Wir kommen wieder zu Seyran Ateş, Abdel-Hakim Ourghi und Ahmad Mansour. Diese Muslime wollen eine Reform des islamischen Glaubens, auf der Grundlage von Humanismus und Liberalismus, nennen wir es vereinfacht säkularer Islam. Genau diesen Muslimen fallen die regressiven Linken in den Rücken. Seyran Ateş, Gründerin der liberalen Ibn-Rushd-Goethe-Moschee in Berlin hat weit über 100 Morddrohungen erhalten. Als Rechtsanwältin vertritt sie die Stadt Berlin in der Thematik Kopftuch zur Durchsetzung des Neutralitätsgesetzes. In der Auseinandersetzung mit den Religionen haben die regressiven Linken ihr Kriegsbeil im Rücken fortschrittlicher Muslime begraben.

Hüten wir uns vor den uneingeschränkt Toleranten, sie machen die Intoleranz gesellschaftsfähig.

4 Comments

  1. Bescheidene Frage: Wie stark muss eigentlich ein Gehirn degenerieren, damit sein Träger zu einem regressiven Linken mutiert ? 😉

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  2. Absolut volle Zustimmung zu diesem leider notwendigen Kommentar!

    Es ist eigentlich traurig und kennzeichnet einerseits die Orientierungslosigkeit, aber auch Gleichgültigkeit vieler Institutionen und Bürger, aber noch mehr die psychische Gewalt, die von einer stark meinungsbestimmenden Seite ausgeht, dass solche in einer liberalen Gesellschaft an sich selbstverständlichen Ansichten mit einer solchen Deutlichkeit gesagt werden müssen.

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    1. Wenn man die Kommentare dazu liest bekommt man Würfelhusten. Nicht wenige sind in ihrer Diktion unerträglich. Bei dem ein oder anderen hat man den Eindruck, na bist du so einer der auch Morddrohungen verschickt?
      Wer freiwillig ein Kopftuch aus religiöser Überzeugung aufsetzt, kann es freiwillig wieder absetzen.

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