Syrien: Bündnis der Paradoxien


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In Nordsyrien haben zwei gegensätzliche politische Pole eine erstaunliche militärische Allianz geschmiedet: Spezialeinheiten der US-Streitkräfte und die „Syrian Democratic Forces“, hinter denen in Wirklichkeit die PKK Abdullah Öcalans steckt.

Von Stefan Buchen, Karaman Yavuz | Qantara.de

Plaudern gehört eigentlich nicht zu seinem Job. Aber am 21. Juli wollte der Befehlshaber des Kommandos „Spezialoperationen“ der US Army offenbar einmal mitteilen, wie er die Fäden zieht.

General Raymond Thomas hatte bei einer Sicherheitskonferenz des Aspen-Instituts im Bundesstaat Colorado auf dem Podium Platz genommen. Im lockeren Plauderton hangelt sich die Unterhaltung mit der Moderatorin von Brennpunkt zu Brennpunkt um den Globus. Nach einer halben Stunde kommt man in Syrien an, genauer gesagt im Norden des nahöstlichen Landes, in dem seit sechs Jahren Krieg herrscht.

Auch dort hat der hochdekorierte General „Spezialtruppen“ unter seinem Kommando. Dass sie dort sind, um den „Islamischen Staat“ zu bekämpfen, ist kein Geheimnis. Ebenso ist bekannt, dass sich die US-Streitkräfte dort von einer erst 2015 ins Leben gerufenen „kurdisch-arabischen Miliz“ namens „Syrian Democratic Forces“, kurz SDF, helfen lassen. Aber um wen es sich bei dieser mysteriösen Miliz genau handelt, daraus hatten US-Militärs bis dato keinen Gegenstand öffentlicher Erörterung gemacht. Auch für eingefleischte Syrienexperten waren die „SDF“ bisher ein Rätsel.

In Colorado legt General Thomas überraschend die Karten auf den Tisch. Damals, 2015, habe er kurdische Politfunktionäre und Milizenchefs der PKK getroffen. „Sie müssen Ihren Firmennamen ändern“, habe er ihnen gesagt. Der General erläutert, dass der alte Firmenname nicht vermittelbar gewesen wäre. „Wenn sie zu sehr die Verbindung zu ihrer Vergangenheit, zur PKK, in den Vordergrund stellen würden, dann schüfe das Probleme“, erklärt Thomas dem Publikum.

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