„Todesangst bestimmt unsere Kultur“


Muss der Tod beängstigend sein? Renate Georgy und Thomas Hohensee sagen: nein. (Foto: Samuel Zeller/Unsplash)
Der Tod ist besser als sein Ruf, sagen Renate Georgy und Thomas Hohensee. In ihrem Buch plädieren die Autoren für einen gelassenen Umgang mit dem Lebensende. Auch mit dem eigenen.

Interview von Ruth Schneeberger | Süddeutsche Zeitung

Von Helikoptereltern, die ihr Kind nicht aus den Augen lassen, bis zu hollywoodschen Greisen, die sich zu Jugendlichen umoperieren lassen: Hinter vielen modernen Lebensentwürfen steckt die Angst vor dem Tod, sagen Renate Georgy und ihr Mann Thomas Hohensee. In dem Buch „Der Tod ist besser als sein Ruf“ stellt das Berliner Autorenpaar provokante Thesen auf, kritisiert die katholische Kirche als Angstmacher und fordert einen gelasseneren Umgang mit der Endlichkeit. Und wie steht es mit der Gelassenheit um ihr eigenes Ende?

SZ: Hatten Sie selbst Angst vor dem Tod, bevor Sie sich mit dem Thema auseinandersetzten?

Renate Georgy: Nicht so sehr wie andere. Ich komme aus einer Familie, in der man konstruktiv mit dem Thema umgeht. Das war auch der Einstieg für mich zu diesem Buch. Aber ich kann die Angst schon nachvollziehen.

Wie äußern sich diese Ängste in unserer Gesellschaft?

Thomas Hohensee: Todesangst bestimmt unsere Kultur. Das spiegelt sich in Körperkult und Jugendwahn. Gier, Zeitnot, Hektik, das Gefühl, etwas zu verpassen, die Panik, dass einem die Zeit davon läuft, der Druck, dass man unbedingt Kinder bekommen will oder dass man ein Werk schaffen muss – dahinter steckt immer die Angst: Mein Gott, ich werde verschwinden, es muss dringend irgendetwas von mir weiterleben! So wird man aber seines Lebens nicht froh. Dass der Körper stirbt, kann niemand leugnen. Wer dagegen an ein vom Körper unabhängiges Bewusstsein glaubt, fragt nicht, was von ihm bleibt, sondern: Wo geht das Bewusstsein hin?

weiterlesen