Religiöse Marmelade

Der Reformationstag 2017 ist vorbei – und mit ihm der Höhepunkt der Luther-Dekade. Endlich haben die unhistorischen medialen Luther-Verniedlichungen und das Preisen der Reformation als scheinbar wichtigstes Event der Menschheitsgeschichte ein Ende. Eigentlich wollte ich das alles einfach nur möglichst schnell verdrängen, keinesfalls – Luther bewahre! – wollte ich dazu auch noch etwas schreiben. Doch die Bundeskanzlerin machte mir einen Strich durch die Rechnung. Ihre gestrige Rede zum Reformationsjubiläum offenbarte so Hanebüchenes, dass dazu etwas gesagt werden muss. Und so sitze ich nun hier und kommentiere – ich kann nicht anders …

Von Daniela Wakonigg | hpd.de

An sich ist Merkels Rede ein Meisterstück – in jeder Hinsicht der Tochter eines evangelischen Theologen würdig. Da werden in guter alter theologischer Tradition Begriffsfelder grob umkreist und Äpfel und Birnen zusammengeworfen, um im Ergebnis zu gewollt falschen Schlüssen zu kommen und eine wohlschmeckende religiöse Marmelade zu erhalten.

Zum Beispiel was den Begriff des modernen freien und mündigen Individuums betrifft, welches wir ja letztlich nur Luther und der Reformation zu verdanken haben – findet Frau Merkel. Dabei hat Luther den Menschen keineswegs befreit, indem er die Herrschaft der katholischen Kirchenoberen und die Praxis des Ablasshandels anzweifelte. Ein Knecht bleibt der Mensch in seiner Vorstellung nach wie vor, nur ist sein Herr jetzt eine Etage höher angesiedelt: Es ist Gott höchstpersönlich. Ein Gott, der nicht berechenbar ist, dessen Willkür und Gnade man ausgeliefert ist. Das Einzige, was einem diese Gnade eventuell verschaffen kann, ist die permanente Selbstgeißelung, der unentwegte Druck, stets das Beste im Sinne des Glaubens getan zu haben. Und jeder Zweifel an diesem Glauben bringt – man muss es kaum erwähnen – einige Minuspunkte auf Big Sugar Daddys Gnaden-Thermometer. Von unserem heutigen Begriff eines freien Menschen, der selbstverantwortlich Entscheidungen trifft, ist Luthers Vorstellung meilenweit entfernt. Was Frau Merkel nicht davon abhält, ihn immer wieder zum großen Ermöglicher moderner Freiheiten zu erklären.

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Mit der Waffe des Antisemitismus für einen jüdischen Staat

Palästinensische Studentinnen protestieren gestern in Nablus gegen die Balfour Deklaration. (Bild: Alaa Badarneh / EPA)
Weil sie an die globale Macht der Juden glaubten, versprachen die Briten den Zionisten vor 100 Jahren ein «Zuhause» in Palästina. Sie erhofften sich davon den Sieg im Ersten Weltkrieg.

Von Christian Weisflog | Neue Zürcher Zeitung

Es sind nur wenige, in einer sehr vagen Sprache verfasste Zeilen. Der britische Aussenminister Arthur James Balfour sandte sie am 2. November 1917 in Form eines Briefes an Lionel Walter Rothschild, den inoffiziellen Anführer der jüdischen Gemeinschaft in Grossbritannien. Doch so kurzgehalten die «Sympathiebekundung» der britischen Regierung für die zionistischen Ziele sein mochte, die sogenannte Balfour-Deklaration sorgt auch 100 Jahre später für blutigen Zwist im Nahen Osten und Kontroversen in der britischen Politik.

Das Werk von Gläubigen

Während der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanyahu im Beisein der britischen Premierministerin Theresa May am Donnerstag in London das runde Jubiläum mit einem Dinner feiert, hat die palästinensische Autonomiebehörde von Mahmud Abbas zu Protesten in der britischen Hauptstadt und im Westjordanland aufgerufen. Der linke Oppositionsführer Jeremy Corbyn, der mit der palästinensischen Sache sympathisiert, hat eine Teilnahme an diesem Abendessen mit Netanyahu abgelehnt.

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Kirchliches Begräbnis versus „Eventbestattung“

Höchste Technologie kommt auch im Bestattungswesen zum Einsatz: Eine Papierurne aus dem 3-D-Drucker
Das Gedenken an die Verstorbenen gehört zum ältesten religiösen Verhalten der Menschen. Viele Kulturen brachten die unterschiedlichsten Bestattungsrituale hervor. Momentan wird der Trend zu nicht kirchlichen „Eventbestattungen“ immer stärker.

Von Nina Goldmann | religion.ORF.at

Immer mehr Menschen sorgen für den Fall ihres Ablebens vor, um ihren Nachkommen weniger Arbeit zu hinterlassen und auch, um beim eigenen Begräbnis mitzubestimmen. An diese Gruppe und an jene, die sich von den beiden bis vor wenigen Jahren vorherrschenden Bestattungsformen Beerdigung und Kremation nicht mehr angesprochen fühlen, richten sich diverse Angebote, darunter auch „Eventbestattungen“.

Die Religionszugehörigkeit spielt dabei keine Rolle, für manche aber sicher der finanzielle Aufwand. Denn eine Naturbestattung ist insgesamt betrachtet meist kostengünstiger als Gräber, weil die Grabpflege entfällt.

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Frankreich-Polen: Posse um Papst-Denkmal – polnische Religiotie

Die Statue von Johannes Paul II. im französischen Ploermel. Das Kreuz muss weg, hat das höchste französische Verwaltungsgericht entschieden. (MAXPPP/Stephane Mahe)
In einer französischen Kleinstadt soll das Kreuz von einem Denkmal für den 2005 verstorbenen Papst Johannes Paul II. verschwinden. Das hat ein Gericht entschieden und begründet es mit der langen Tradition von Laizismus in Frankreich. Im katholischen Polen sorgt das für Unverständnis. Von „Christophobie“ ist die Rede.

Von Florian Kellermann | Deutschlandfunk

Die Papst-Statue stieß schon bei ihrer Einweihung auf Protest. Denn über der Figur von Johannes Paul II., auf einem Bogen, prangt in siebeneinhalb Metern Höhe ein sehr groß geratenes Kreuz aus Granit. So etwas gehöre sich nicht im öffentlichen Raum, meinten einige Gegendemonstranten damals vor elf Jahren, sie hatten sich als Clowns verkleidet. Sogar aus Paris sollen einige von ihnen in die Kleinstadt Ploermel in der Bretagne gereist sein.

Inzwischen ist das Denkmal sogar zu einem internationalen Politikum geworden. Denn das Kreuz muss weg, hat das höchste französische Verwaltungsgericht entschieden – und darüber sind nun vor allem in Polen viele Katholiken empört. Darunter Vize-Kulturminister Jaroslaw Sellin:

„Wir sehen hier eine Krankheit, die große Teile von Westeuropa befallen hat und die immer schlimmer wird. Das ist die Krankheit der Christophobie.  Unsere Zivilisation fußt doch auf christlichen Werten! Und dann geht es hier noch um Johannes Paul II., den weltweit bekanntesten Polen! Daher unser Angebot: Dieses Denkmal könnte, so wie es ist, ohne ideologische Zensur, nach Polen gebracht werden.“

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War der biblische „Sonnenstillstand“ eine Eklipse?

Eine ringförmige Sonnenfinsternis könnte eine bisher rätselhafte Schilderung im biblischen Buch Josua erklären. © Kevin Baird/ CC-by-sa 3.0
Feuerring am Himmel: Eine ringförmige Sonnenfinsternis könnte das jahrhundertealte Rätsel um eine „stillstehende Sonne“ in einem Text der Bibel lösen. Denn wie Forscher anhand ägyptischer Aufzeichnungen herausgefunden haben, ereignete sich vor gut 2.800 Jahren, am 30. Oktober 1207, über dem Nahen Osten eine annuläre Eklipse. Dieses Ereignis und seine Begleiterscheinungen könnten die biblische Schilderung erklären. Gleichzeitig könnte es sich damit um die älteste dokumentierte Sonnenfinsternis überhaupt handeln.

scinexx

Schon seit Jahrhunderten gibt ein biblischer Text aus dem Buch Josua Rätsel auf. In ihm wird geschildert, wie Josua das Volk Israel nach Kanaan führt und betet: “ Sonne, bleib stehen über Gibeon und du, Mond, über dem Tal von Ajalon!“ Und weiter heißt es: „Und die Sonne blieb stehen und der Mond stand still, bis das Volk an seinen Feinden Rache genommen hatte.“ Angesichts dieser Schilderung und vieler ähnlicher historischer  Überlieferungen liegt der Verdacht nahe, dass ein reales Himmelsereignis den Anstoß zu dieser Beschreibung gegeben haben könnte.

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Der Antizionismus grassiert nicht nur „rechts“, sondern auch „links“

Alan Posener Quelle: Martin U. K. Lengemann
Der Chefideologe der AfD, Albrecht Glaser, hat nicht nur ein Problem mit dem Islam. Er vertritt die These, „Globalisten“ zerstörten die Nationalstaaten. Auch in der westeuropäischen Linken grassiert der Antizionismus.

Von Alan Posener | DIE WELT

Der Zentralrat der Muslime in Deutschland ist dafür, dass Albrecht Glaser zum Vizepräsidenten des Bundestags gewählt wird. Wenn also der AfD-Chefideologe nach dieser Intervention des Zentralratschefs Aiman Mazyek doch noch gewählt wird: Würde das Glasers These widerlegen, dass der Islam die Grundrechte nicht respektiert?

Oder würde das Glasers These belegen, dass die „Systemparteien“ im Zuge ihrer Strategie „der Auflösung Deutschlands und aller demokratischen Nationalstaaten des Kontinents“ – so Glaser im Gespräch mit der „FAZ“ – mit dem Islam zusammenarbeiten?

Aber wer sind die mysteriösen „Globalisten“, in deren Auftrag und zu deren Nutz und Frommen das alles geschieht?

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Türkisches Berufungsgericht schafft Gülen-Präzedenzfall

Grafik:TP
Sympathie für Gülen sei kein Verbrechen, zehntausende Inhaftierte könnten nun klagen; derweil sinken die Zustimmungswerte der AKP weiter

Von Gerrit Wustmann | TELEPOLIS

Am Mittwoch erließ die Istanbuler Staatsanwaltschaft Haftbefehle gegen 112 ehemalige Mitglieder des Journalisten- und Schriftstellerverbandes GYV. 35 von ihnen wurden bereits festgenommen. Der Verband, der im vergangenen Jahr verboten wurde, stand der Gülen-Bewegung nahe. Bislang ist kein konkreter Vorwurf bekannt, aber es dürfte sich, wie in solchen Fällen üblich, um Terrorunterstützung und Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung handeln.

Die türkische Regierung macht die Bewegung des im US-Exil lebenden Geistlichen Fethullah Gülen für den Putschversuch vom Sommer 2016 verantwortlich und verfolgt seither jeden, der im Verdacht steht, mit der Bewegung Kontakt zu haben.

Insofern war es gestern ein normaler Tag in der Türkei im andauernden Ausnahmezustand. Allein im Oktober wurden mehr als 3000 Menschen festgenommen, mehr als 1100 wurden verhaftet. Darunter auch erneut zahlreiche Journalisten.

Zur Zeit befinden sich außerdem fast 700 Kleinkinder mit ihren Müttern in Haft. Schon mehrfach wurden Frauen und Kinder als Druckmittel inhaftiert, wenn die Behörden angeklagte Ehemänner nicht ausfindig machen konnten. Der vor zwei Wochen festgenommene Kulturmäzen Osman Kavala, eine der bedeutendsten Persönlichkeiten der türkischen Kulturlandschaft, wurde inzwischen ebenfalls in Untersuchungshaft genommen.

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Brüsseler Pfarrer verkauft Kirchen-Bier: Saufen ist gottgefällig

Themenbild.
Jeremie Schaub hat 50.000 Flaschen Bier brauen lassen. Vom Verkaufserlös will er seine neu-gotische Kirche renovieren lassen, von deren Wänden schon der Putz bröckelt.

Die Presse.com

Der belgische Pfarrer Jeremie Schaub hat 50.000 Flaschen Bier brauen lassen. Der Geistliche der Gemeinde Sankt Katharinen im Zentrum der Hauptstadt Brüssel hat ehrgeizige Pläne: Vom Verkaufserlös will Schaub seine neu-gotische Kirche renovieren lassen, von deren Wänden stellenweise der Putz bröckelt. Das Bier heißt dann auch wie die Kurzform der Kirchengemeinde: „Ste Kat“.

Noch einen weiteren Effekt erhofft sich der 34-jährige Neuling im Braugeschäft: „Ich will etwas für unser Viertel machen. Ich will mehr Dynamik in der Kirche und eine Beziehung zu den Menschen hier“, sagte Schaub. Dafür, ins Gespräch zu kommen, sei das Nationalgetränk bestens geeignet.

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Neues Mineral im Rieskrater entdeckt

Ein Körnchen des neuentdeckten Minerals Riesit in eier Mikroskop-Aufnahme © Museum für Naturkunde Berlin
Katastrophaler Ursprung: Im Gestein des Nördlinger Ries haben Forscher ein zuvor unbekanntes Mineral aufgespürt. Das „Riesit“ getaufte Mineral verdankt seine Entstehung dem Einschlag eines Asteroiden in diesem Gebiet vor 15 Millionen Jahren. Durch den hohen Druck und die folgende Entlastung des Gesteins bildete sich aus Titandioxid die jetzt erstmals nachgewiesene Riesit-Struktur.

scinexx

Vor rund 15 Millionen Jahren ereignete sich im Süden des heutigen Deutschlands eine wahrhaft kosmische Katastrophe: Ein rund einen Kilometer großer Asteroid raste auf die Erdoberfläche zu und schlug ein. Welche Folgen dieser Impakt hatte, lässt sich bis heute am Gestein und der Landschaft im Nördlinger Ries ablesen. Die Explosion beim Einschlag erzeugte einen enormen Feuerball und schleuderte verdampftes Gestein hoch in die Atmosphäre.

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Wissenschaftsverlag Springer Nature zensiert Angebot in China

Bild: heise.de
Auf Druck der chinesischen Regierung wird Springer Nature künftig Teile seines Online-Angebots zensieren. Ansonsten bestünde das Risiko, „dass sämtliche unserer Inhalte geblockt würden“, so der Verlag.

heise.de

Der deutsche Wissenschaftsverlag Springer Nature hat auf Druck der Regierung in Peking Teile seines Internetangebots in China zensiert. Wie der Verlag am Mittwoch mitteilte, seien „weniger als ein Prozent der Inhalte“ gesperrt worden, um nicht in Konflikt mit lokalen Gesetzen zu geraten. Welche Themen die nun gesperrten Inhalte behandelten, wollte eine Sprecherin des Verlags zunächst nicht kommentieren.

Andere Medien hatten berichtet, dass die Sperre vor allem Artikel über in China als heikel geltende Themen wie Taiwan, dem Massaker am Tian’anmen-Platz oder Tibet betreffe. Die Texte konnten nur noch mit Hilfe von VPN-Verbindungen gefunden werden, mit der sich die Internetsperren des Landes umgehen lassen. „Diese Maßnahme ist zutiefst bedauerlich, wurde aber getroffen, um weitaus größere Auswirkungen auf unsere Kunden und Autoren zu verhindern“, hieß es in der Erklärung weiter. „Würden wir nicht handeln, bestünde das sehr reale Risiko, dass sämtliche unserer Inhalte geblockt würden.“

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12.526 Euro im Monat für Kardinal Marx – vom Staat

Bild: tilly
BILD zeigt auf, was deutsche Bischöfe verdienen: Jeder bayerische Bischof bekommt mehr als 9000 Euro von der bayerischen Staatsregierung. Besonders gut verdienen der Erzbischof von Bamberg und der Erzbischof von München.

kath.net

Was verdienen katholische Priester und Bischöfe in Deutschland? Diese Frage hat die „BILD“-Zeitung jetzt anlässlich von Allerheiligen thematisiert. Laut der Zeitung richtet sich die Besoldung von Priestern der katholischen Kirche in der Regel an der Beamtenbesoldung aus. Orientierungspunkt ist laut BILD in der Regel die Besoldungsgruppe A 13 im höheren Dienst. Doch manche Pfarrer können nach längerer Dienstzeit in etwa nach der Besoldungsgruppe A 14 bezahlt werden. A 13 und A 14 entsprechen der Besoldung von Studienräten bzw. Oberstudienräten, also Lehrern an Gymnasien. A 13 entspricht z.B. in Bayern je nach Erfahrungsstufe und Dienstalter einem Beamtengehalt zwischen 4024 und 4969 Euro, in Hamburg dagegen 3959 bis 4944 Euro. A 14 entspricht in Bayern einem monatlichen Grundgehalt zwischen rund 4270 und 5502 Euro.

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Katholische Grabenkämpfe

Verehrungswürdige Puppe. Themenbild
Warum viele Gläubige Papst Franziskus als Bedrohung für die Kirche und ihre Lehre wahrnehmen.

Von Julius Müller-Meiningen | Wiener Zeitung

 „Gutes Mittagessen und auf Wiedersehen!“ So unpäpstlich wie immer verabschiedete Papst Franziskus auch zu Allerheiligen die Schaulustigen und Gläubigen auf dem Petersplatz. Der Elan des 80-Jährigen scheint ungebrochen, der Mann des Volkes winkt den Massen zu, empfängt pausenlos Gäste und reist beinahe ununterbrochen durch die Welt. Seine nächsten Ziele sind Myanmar (Burma) und Bangladesch, im Jänner stehen Chile und Peru auf dem Programm.

Doch der Eindruck vom rastlosen Pontifex täuscht. Vertraute sagen über Papst Franziskus, er stoße immer häufiger an seine physischen Grenzen. „Manchmal pfeift er aus dem letzten Loch“, urteilt ein Kirchenmann, der Jorge Bergoglio oft aus nächster Nähe sieht.

Dabei bräuchte Franziskus derzeit besonders viel Energie. Die katholische Kirche im Jahr 2017 gibt ein desolates Bild ab. Die Veränderungen kommen nur mit größter Mühe voran.

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CIA veröffentlicht umfangreiches Bin-Laden-Archiv

470 000 Dateien aus dem Archiv von Osama bin Laden sollen einen neuen Einblick in das Innenleben von al-Qaida geben. (Foto: AFP)
  • Die USA haben knapp eine halbe Million Dateien aus dem digitalen Nachlass von al-Qaida Chef Osama bin Laden veröffentlicht.
  • Erste Teile des Archivs wurden bereits 2015 veröffentlicht.
  • Das Material soll Einblicke in das Innenleben der Terrororganisation geben.

Süddeutsche Zeitung

Der US-Auslandsgeheimdienst CIA hat ein gigantisches Archiv aus dem Besitz des getöteten Al-Kaida-Chefs Osama bin Laden veröffentlicht. Die Menschen erhielten so die Möglichkeit, „weitere Einblicke in die Planungen und Arbeitsweise dieser Terrororganisation zu gewinnen“, sagte CIA-Chef Mike Pompeo.

Das nun im Internet frei zugängliche Archiv enthält 470 000 Dateien mit schriftlichen Dokumenten und Videos. Beschlagnahmt worden waren die Materialien von dem US-Elitekommando, das Bin Laden im Mai 2011 in seinem Versteck in Pakistan überrascht und erschossen hatte.

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Purity-Bewegung in Amerika: Keusch bis zur Ehe – und wenn das Verlangen kommt, hilft der Vater

Beachump Powers wacht über seine Tochter Hannah © Annie Flanagan

Jedes achte Mädchen in den USA will als Jungfrau in die Ehe gehen, selbst Küssen ist vorher tabu. Auf pompösen Purity-Bällen schwören die jungen Frauen vor Gott ihre Enthaltsamkeit – und bauen dabei auf die Hilfe ihrer Väter.

stern.de

Beauchamp Powers steht vor dem Standspiegel im Wohnzimmer seines Hauses in Bossier City, Louisiana. Die Strahlen der Morgensonne fallen auf den Spiegel, Beauchamp nestelt mit gerecktem Kinn an seinem Krawattenknoten. Das Licht blendet, mit zusammengekniffenen Augen blickt er abwechselnd auf den roten Seidenstoff und dann wieder auf das Abbild seiner Tochter Hannah, die hinter ihm an ihrem weißen Ballkleid zupft. Mutter und Geschwister schwirren um sie herum wie Kolibris. Sie lachen, umarmen sich, machen einander Komplimente. Reinste Familienidylle. In diesem Augenblick, sagt Beauchamp später, habe er beschlossen, auf dem Ball am Abend gegen seine Tränen anzukämpfen. Hannah zuliebe.

Beauchamp ist 44 Jahre alt, Highschool-Lehrer, tiefgläubiger Christ. Ein Mann des Südens, der normalerweise Jeans und Boots trägt und die Worte lang zieht, „Yes, Sir“, „No, Ma’am“. Sein Rauschebart lässt ihn alttestamentarisch wirken. Beauchamp ist ein Vater, der bald loslassen muss. Und er weiß es. Seine Hannah ist jetzt 17, und sie wird gehen Richtung College, in eine andere Stadt, weit weg von der Familie. Und vor allem weit weg von ihm.

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Sorgen in Ankara vor US-Prozess gegen Goldhändler Zarrab

Iranisch-türkischer Geschäftsmann könnte Deal mit US-Justiz geschlossen haben

derStandard.at

Der in New York inhaftierte iranisch-türkische Geschäftsmann Reza Zarrab hat möglicherweise einen Handel mit der Justiz geschlossen und versucht mit einem Geständnis, eine Strafminderung zu erreichen. Das könnte erhebliche politische wie rechtliche Auswirkungen auf das Umfeld des türkischen Staatschefs Tayyip Erdogan haben.

Zarrab soll in den Jahren 2010 bis 2013 an Minister und an regierungsnahe Geschäftsleute Millionen von Dollar an Schmiergeld gezahlt haben. In den USA erwartet den 33-Jährigen ein Verfahren, weil er für die Umgehung der Sanktionen gegen den Iran US-Banken getäuscht und benutzt haben soll.

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Ben Becker: „Früher hatte ich mit der Bibel nichts am Hut“

Ein Mann, ein Stück. „Ich, Judas“ von Ben Becker ist eigentlich ein Theaterstück, das er im Berliner Dom aufführte.FOTO: DORIS SPIEKERMANN-KLAAS
In „Ich, Judas“ setzt sich Ben Becker mit dem größten Verräter in der christlichen Religionsgeschichte auseinander. Ein Interview zum Kinostart.

Von Sophie Krause | DER TAGESSPIEGEL

Herr Becker, am 31. Oktober, am 500. Jahrestag der Reformation, kommt „Ich, Judas“, nach Ihrem gleichnamigen Theaterstück im Berliner Dom, in die Kinos. Darin spielen Sie Judas, den bekanntesten Verräter unserer Religionsgeschichte. Worin bestand für Sie der Reiz, diesen großen Verräter zu spielen?

Das ist die Frage nach der Schuld. Warum trägt Judas Schuld, und wer gibt ihm die Schuld? Da flieht heute beispielsweise eine Frau mit ihrem Kind auf dem Arm durch den Balkan und hofft, dass es ihr in Rostock besser geht. Und plötzlich fliegt ein Molotowcocktail durch ihr Schlafzimmerfenster. Und dann sagt ein amerikanischer Präsident: Wir bauen jetzt eine Mauer. Da frage ich: Wer trägt Schuld in dieser Situation? Die Frau, die flieht, um ihr Kind in Sicherheit zu bringen? Wie viel Schuld trägt dieser blöde Glatzkopf, der den Molotowcocktail wirft? Wer hat Schuld daran, dass Millionen Kinder verhungern? Das sind ebenso Fragen, die wir beide nicht beantworten können. Aber ich darf sie doch wohl stellen.

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„Mufti-Ehe“ in der Türkei – Mosaikstein für gesellschaftliche Islamisierung

Unlängst hat das türkische Parlament einen umstrittenen Gesetzesentwurf gebilligt, der es islamischen Rechtsgelehrten in Zukunft erlaubt, Ehen rechtskräftig zu schließen. Kritiker befürchten, dass dadurch die Vielehe begünstigt wird und die Rechte der Frauen weiter beschnitten werden.

Von Ylenia Gostoli | Qantara.de

Die jüngsten kontroversen Debatten zur sogenannten „Mufti-Ehe“ werden vor dem Hintergrund des gegenwärtigen gesamtgesellschaftlichen Umbaus der Türkei geführt. Der Gesetzesentwurf mit dem Artikel zur Neuregelung des Personenstandswesens wurde dem Parlament ursprünglich bereits am 25. Juli vorgelegt. Der besagte Artikel würde es den Muftis, also den beamteten islamischen Rechtsgelehrten in Provinzen und Gemeinden, erlauben, Paare rechtskräftig zu trauen. Dies war bislang allein den Standesbeamten der Gemeinden vorbehalten.

Der Artikel wurde schließlich am 18. Oktober bei der Abstimmung über den Entwurf gebilligt, und zwar gegen den entschiedenen Widerstand der Oppositionsparteien CHP und HDP. Die Opposition sieht in dem neuen Gesetz einen Verstoß gegen die türkische Verfassung und will nun rechtlich dagegen vorgehen.

In den vergangenen Wochen gingen Frauenrechtsgruppen landesweit gegen das Gesetz auf die Straße. Rund einhundert Organisationen von Frauengruppen sowie Lesben-, Schwulen-, Bisexuellen-, Trans- und Intersexorganisationen (LGBTI) initiierten eine Kampagne mit dem Titel „Für ein freies und gleichberechtigtes Leben: Diese Gesetze dürfen nicht rechtskräftig werden“.

Verstoß gegen den Säkularismusgrundsatz

„Die Beauftragung eines religiösen Beamten mit der Behandlung zivilrechtlicher Angelegenheiten verstößt gegen das Prinzip des Säkularismus“, erklärte Gulsum Kav, Ärztin und Vorsitzende der Frauenrechtsgruppe We Will Stop Femicide. Ihre Ansichten spiegeln die weit verbreitete Besorgnis säkularistisch eingestellter Menschen über die wachsende Rolle der Religion im öffentlichen Leben der Türkei wider.

Gegner des Gesetzes befürchten zudem, dass hierdurch die Zahl der Kinderehen steigen wird, da nunmehr religiöse Beamte die Befugnis erhalten, Ehen zu schließen, ohne zivilrechtlich kontrolliert zu werden.

Der AKP-treue Frauenverband Kadem gab flugs eine von mehr als 90 NGOs unterstützte Erklärung heraus, in der die Kritik als „grundlos“ verurteilt wird. Das Gesetz werde – im Gegenteil – dazu beitragen, die Praxis von „geheimen“ religiösen Ehen zu unterbinden, in denen Frauen keine Rechte besitzen.

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Rechtspopulismus und die Kirche: Die Reformatorin aus der Lausitz

Der wuchtige Lutherschädel ist altbekannt, das wirre Lutherwort hingegen neu Foto: Rolf Zöllner
Im Dorf der sorbischen Pfarrerin Jadwiga Mahling haben die Rechten triumphiert. Was soll da aus ihrer Kirche werden?

Von Thomas Gerlach | taz.de

„Ich würde NPD wählen“, sagt Martin Luther mit strenger Miene. So steht es an einem Laternenpfahl. Ein Trecker donnert vorbei. Laub wirbelt auf. Der wuchtige Lutherschädel ist altbekannt, das wirre Lutherwort hingegen neu. Auch in Schleife hat die NPD den Jubilar für ihre Propaganda eingespannt. Einer der Aufkleber pappt wie Blendwerk vor der Kirche. Irgendjemand hat versucht, ihn abzureißen. Vergeblich. „Merkel wählen, Leichen zählen!“, rief es schon im Nachbardorf an den Bushaltestellen. Und damit es auch der letzte Tor begreift, wächst aus dem U von der CDU ein Minarett wie ein Horn. Gerade so, als würde die Kirche mit ihrem gedrungenen Turm demnächst in eine Moschee verhext.

Dabei predigt Sonntag für Sonntag Jadwiga Mahling dort. Ihr Talar hängt unter einer Schutzhülle im Pfarrhaus. Die Pastorin kennt die Plakate. „Immer diese Negativ-Aussagen: Der Islam gehört nicht zu Deutschland! Merkel muss weg!“, sagt sie und stöhnt. „So was ist sehr anstrengend.“ Wenn man diese Energie doch woanders hinlenken könnte.

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Beschwerdewelle in den USA nach Problemen mit Monsanto-Herbizid

APA/AFP/MEHDI FEDOUACH
Wegen des Monsanto-Herbizid Dicamba kämpfen die US-Landwirtschaftsbehörden mit einer Flut an Beschwerden von geschädigten Bauern.

Die Presse.com

Nach den Problemen mit einem Pflanzenschutzmittel des Agrarriesen Monsanto werden die USA von einer Beschwerdewelle überschwemmt. In US-Bundesstaaten wie Arkansas, Missouri und Illinois, die zu den Hauptanbaugebieten für Soja gehören, gingen heuer bisher so viele Beschwerden wegen Schäden nach dem Einsatz des Herbizids Dicamba ein wie sonst in etwa vier Jahren zusammen.

Die Landwirtschaftsbehörden sehen sich nun mit einer langen Liste von Beschwerden konfrontiert, die nicht nur die Kosten für Labortests, sondern auch die Überstunden ihrer Beschäftigten in die Höhe treiben. Mehrere Staaten mussten Mitarbeiter neu zuteilen, um die Last zu bewältigen. „Wir haben nicht das Personal, um in einem Jahr 400 Untersuchungen durchführen und alle anderen erforderlichen Arbeiten erledigen zu können“, sagt Paul Bailey vom Landwirtschaftsministerium in Missouri.

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Why Twitter Is the Best Social Media Platform for Disinformation

Image: Getty
It is time for Twitter to confront bots, extremists, and hostile spies by owning up to its own values.

By Thomas Rid | MOTHERBOARD

Thomas Rid ( @RIDT ) is Professor of Strategic Studies at Johns Hopkins University/SAIS. Rid was a witness in one of the first open hearings on Russian disinformation of the Senate Select Committee on Intelligence in March, where he called out Twitter as an „ unwitting agent “ of adversarial intelligence services.

Twitter is the most open social media platform, which is partly why it’s used by so many politicians, celebrities, journalists, tech types, conference goers, and experts working on fast-moving topics. As we learned over the past year, Twitter’s openness was exploited by adversarial governments trying to influence elections. Twitter is marketing itself as a news platform, the go-to place to find out, in the words of its slogan, „What’s happening?“

So what’s happening with disinformation on Twitter? That is very hard to tell, because Twitter is actively making it easier to hide evidence of wrongdoing and making it harder to investigate abuse by limiting and monitoring third party research, and by forcing data companies to delete evidence as requested by users. The San Francisco-based firm has long been the platform of choice for adversarial intelligence agencies, malicious automated accounts (so-called bots), and extremists at the fringes. Driven by ideology and the market, the most open and liberal social media platform has become a threat to open and liberal democracy.

In the course of late 2016 and 2017, Facebook tried to confront abuse: by hiring a top-notch security team; by improving account authentication; and by tackling disinformation. Twitter has done the opposite—its security team is rudimentary and reclusive; the company seems to be in denial on the scope of disinformation; and it even optimised its platform for hiding bots and helping adversarial operators to delete incriminating evidence—to delete incriminating evidence not just from Twitter, but even from the archives of third party data providers. I spoke with half a dozen analysts from such intelligence companies with privileged access to Twitter data, all of whom asked for anonymity for fear of upsetting their existing relationship with Twitter. One analyst joked that he would to cut off my feet if I mentioned him or his firm. Twitter declined to comment on the record for this story two times.

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