Purity-Bewegung in Amerika: Keusch bis zur Ehe – und wenn das Verlangen kommt, hilft der Vater


Beachump Powers wacht über seine Tochter Hannah © Annie Flanagan

Jedes achte Mädchen in den USA will als Jungfrau in die Ehe gehen, selbst Küssen ist vorher tabu. Auf pompösen Purity-Bällen schwören die jungen Frauen vor Gott ihre Enthaltsamkeit – und bauen dabei auf die Hilfe ihrer Väter.

stern.de

Beauchamp Powers steht vor dem Standspiegel im Wohnzimmer seines Hauses in Bossier City, Louisiana. Die Strahlen der Morgensonne fallen auf den Spiegel, Beauchamp nestelt mit gerecktem Kinn an seinem Krawattenknoten. Das Licht blendet, mit zusammengekniffenen Augen blickt er abwechselnd auf den roten Seidenstoff und dann wieder auf das Abbild seiner Tochter Hannah, die hinter ihm an ihrem weißen Ballkleid zupft. Mutter und Geschwister schwirren um sie herum wie Kolibris. Sie lachen, umarmen sich, machen einander Komplimente. Reinste Familienidylle. In diesem Augenblick, sagt Beauchamp später, habe er beschlossen, auf dem Ball am Abend gegen seine Tränen anzukämpfen. Hannah zuliebe.

Beauchamp ist 44 Jahre alt, Highschool-Lehrer, tiefgläubiger Christ. Ein Mann des Südens, der normalerweise Jeans und Boots trägt und die Worte lang zieht, „Yes, Sir“, „No, Ma’am“. Sein Rauschebart lässt ihn alttestamentarisch wirken. Beauchamp ist ein Vater, der bald loslassen muss. Und er weiß es. Seine Hannah ist jetzt 17, und sie wird gehen Richtung College, in eine andere Stadt, weit weg von der Familie. Und vor allem weit weg von ihm.

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