Rechtspopulismus und die Kirche: Die Reformatorin aus der Lausitz


Der wuchtige Lutherschädel ist altbekannt, das wirre Lutherwort hingegen neu Foto: Rolf Zöllner
Im Dorf der sorbischen Pfarrerin Jadwiga Mahling haben die Rechten triumphiert. Was soll da aus ihrer Kirche werden?

Von Thomas Gerlach | taz.de

„Ich würde NPD wählen“, sagt Martin Luther mit strenger Miene. So steht es an einem Laternenpfahl. Ein Trecker donnert vorbei. Laub wirbelt auf. Der wuchtige Lutherschädel ist altbekannt, das wirre Lutherwort hingegen neu. Auch in Schleife hat die NPD den Jubilar für ihre Propaganda eingespannt. Einer der Aufkleber pappt wie Blendwerk vor der Kirche. Irgendjemand hat versucht, ihn abzureißen. Vergeblich. „Merkel wählen, Leichen zählen!“, rief es schon im Nachbardorf an den Bushaltestellen. Und damit es auch der letzte Tor begreift, wächst aus dem U von der CDU ein Minarett wie ein Horn. Gerade so, als würde die Kirche mit ihrem gedrungenen Turm demnächst in eine Moschee verhext.

Dabei predigt Sonntag für Sonntag Jadwiga Mahling dort. Ihr Talar hängt unter einer Schutzhülle im Pfarrhaus. Die Pastorin kennt die Plakate. „Immer diese Negativ-Aussagen: Der Islam gehört nicht zu Deutschland! Merkel muss weg!“, sagt sie und stöhnt. „So was ist sehr anstrengend.“ Wenn man diese Energie doch woanders hinlenken könnte.

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