Die Verbrennungen des Bob Dylan


Die Musik war seine wahre Religion: Bob Dylan als Bekehrer unterwegs. Foto: Sony Music

Mit seiner christlichen Konversion verstörte er sein Publikum, fand als Musiker aber zur Leidenschaft zurück. Sie entflammt auch die 13. Folge seiner «Bootleg Series».

Von Jean-Martin Büttner | Der Bund

Es war 1979 in einer New Yorker Bar, als Nick Cave, der australische Songschreiber, in der Ecke eine Jukebox stehen sah, das Sortiment prüfte und die neue Single eines alten Bekannten auswählte. «Ich habe noch nie ein Lied gehört», sagte er später, «das eine solche Leidenschaft mit einer solchen Humorlosigkeit vortrug.» Der Sänger war Bob Dylan, sein Stück hiess «Gotta Serve Somebody», und es verlangte im Befehlston eines Erweckungspredigers, was Dylan als Songschreiber in den letzten 15 Jahren seiner Karriere gemieden hatte: Eindeutigkeit. Du musst jemandem dienen, sang er, dem Herrn oder dem Teufel.

Gleich in sechs Versionen ist das Stück auf der heute erscheinenden «Bootleg Series Volume 13» zu hören, als Probe, als Variante mit einem Bläsersatz und in flammenden Liveversionen. Die Kollektion enthält in ihrer exzessiven, acht CDs und eine DVD starken Ausgabe fast hundert Songs, keine dieser Versionen ist offiziell herausgekommen. Mehrere unveröffentlichte Lieder befinden sich darunter, diverse Outtakes aus dem Studio oder beim Soundcheck sowie vier CDs mit Liveversionen aus den drei Jahren zwischen 1979 und 1981, in denen Dylan als Megafon des Herrn unterwegs war.

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