HITLERS SEXUALITÄT: Ein sehr seltsamer Serienmörder


Normales Liebes- und Geschlechtsleben? Wenn man dem Autor von „Hitler 1 und Hitler 2“ glaubt, hatten Eva Braun und Adolf Hitler das wohl kaum. ©AP
Was geschah wirklich in Pasewalk? Volker Elis Pilgrim untersucht die Sexualität Hitlers und entdeckt eine Leerstelle. Dem Leser wird bei der Lektüre übel.

Von Stephan Wackwitz | Frankfurter Allgemeine

Dieses immerhin fast tausend Seiten lange Buch widmet sich einer Frage, die auch einigermaßen belesene Kenner der Person, Karriere und Zeit Adolf Hitlers nie für zentral für das Verständnis seiner politischen Verbrechen gehalten haben. Volker Elis Pilgrim, Spross eines preußischen Adelsgeschlechts, Achtundsechziger aus der sexologisch-politisch orientierten „Wilhelm-Reich-Fraktion“ und seit vielen Jahren in einer Art freiwilligem Exil in Australien und Neuseeland, legt den ersten Band einer auf drei Bücher angelegten Hitler-Studie vor, die den deutschen Diktator und seine Untaten als Folge einer pathologischen Sexualverirrung zu deuten unternimmt.

Diskussionen und Publikationen über Hitlers Sexualität hat es schon einige gegeben. Bereits 1978 hatte Sebastian Haffner in seiner Hitler-Studie auf die seltsam sexualisierte Freude verwiesen, die das Bewusstsein der von ihm befohlenen Massenmorde dem „Führer“ offenbar bereitete. 2015 tauchte ein Untersuchungsbericht aus dem Festungsgefängnis Landsberg auf, das dem späteren Diktator einen „rechtsseitigen Kryptorchismus“ bescheinigt und damit den britischen Soldaten recht gibt, die auf ihrem Vormarsch bekanntlich ein Spottlied sangen, in dem die Zeile „Hitler has only got one ball“ zu den Schmähungen gehörte. Auch diese Entwicklungsstörung, das Verbleiben eines embryonalen Hodens im Hodenkanal, spielt in Pilgrims Untersuchung eine Hauptrolle.

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