Kampfatheisten unter der Lupe


Der Walliser Valentin Abgottspon ist einer der bekanntesten Freidenker des Landes. (Bild: Karin Hofer/NZZ)
«Da ist wahrscheinlich kein Gott. Also sorg dich nicht – geniess das Leben.» Mit solchen Zitaten ziehen die Freidenker in den Kampf gegen die Religion. Was sind das für Menschen, die für ihre Überzeugung bereit sind, den Job zu opfern?

Von Simon Hehli | Neue Zürcher Zeitung

Sie wollen die Kreuze von den Schweizer Berggipfeln verbannen und bekleben Busse und Plakatwände mit Botschaften wie «Da ist wahrscheinlich kein Gott. Also sorg dich nicht – geniess das Leben». Doch wer sind die Menschen, die solcherlei tun? Die Gruppe der sogenannten Säkularisten ist seit einigen Jahren Gegenstand der Forschungen von Religionssoziologen der Universitäten Lausanne, Bern und Strassburg. Nun liegen erste Erkenntnisse vor, die zeigen, wie die Religionskritiker ticken.

Es gibt nicht wahnsinnig viele von ihnen, nur rund 2000 Personen, von denen die meisten den Freidenkern angehören. Sie haben aber eine grosse mediale Präsenz. Einer der Autoren der Studie, der Religionssoziologe Jörg Stolz, erklärt dies mit dem Umstand, dass die Gruppe der Konfessionslosen permanent wächst: Sie machen bereits rund 22 Prozent der Bevölkerung aus, damit haben sie die Reformierten bald überholt. «Die Öffentlichkeit merkt, dass da etwas Umwälzendes im Gang ist – und es sind die Freidenker, die diesen Wandel verkörpern und stellvertretend für die Religions- und Konfessionslosen sprechen», sagt Stolz. Prominente Köpfe der Bewegung sind Andreas Kyriacou, der Präsident der Freidenker-Vereinigung (FVS), und sein Stellvertreter Valentin Abgottspon. Der Walliser wurde schweizweit bekannt, weil er sich als Oberstufenlehrer weigerte, ein Kruzifix im Schulzimmer aufzuhängen – und deshalb im Herbst 2010 fristlos entlassen wurde.

weiterlesen