Stimmen aus dem Jenseits


Stimmen spielen in Religionen seit jeher eine wichtige Rolle. Ein interdisziplinäres Projekt am Exzellenzcluster „Religion und Politik“ der Uni Münster ist diesem Phänomen nachgegangen (imago stock&people/Ikon Images)
Wer Stimmen hört, muss nicht krank sein. So wird es zumindest in vielen religiösen Traditionen gesehen, in denen sich Gott oder höhere Wahrheiten durch Stimmen offenbaren. Dieses Phänomen ist bislang kaum erforscht, deshalb haben Wissenschaftler aus Münster jetzt Stimmen unterschiedlicher Religionen gelauscht.

Von Sandra Stalinski | Deutschlandfunk

Wer die Stimme eines Menschen beschreiben will, dem gehen schnell die Worte aus. Jede Stimme ist individuell und schwer zu fassen. Man hört sie und im gleichen Moment ist sie verflogen. Die Stimme hat keinen fixierbaren Ort. Sie kommt von außen, gleichzeitig hören wir sie innen mit unserem Hörapparat. Die Stimme hat eine Art Zwischenstellung – in vielerlei Hinsicht, sagt die Literaturwissenschaftlerin Martina Wagner-Egelhaaf von der Universität Münster.

„Sie wird durch unseren Körper präsentiert, andererseits hat sie gar keinen Körper. Also man hat auch die Stimme als ein Phänomen beschrieben, das wir ohne Körper wahrnehmen können. Zum Beispiel Radiostimmen: Da hören wir Stimmen, aber sehen die Person gar nicht, die dazugehört. Sie ist etwas zwischen Körper und Geist, zwischen Materialität und Immaterialität. Man könnte auch von einer Jenseitigkeit der Stimme sprechen.“

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