100 JAHRE OKTOBERREVOLUTION : Arbeit am Mythos


Lenin-Kult: Seine Statuen zieren Straßen und Plätze; im russischen Fernsehen läuft eine neue Serie über den Revolutionshelden an. © REUTERS
Das Erbe der Oktoberrevolution prägt Russland noch heute. Derzeit findet eine Neubewertung der Ereignisse statt – aber anders, als man im Westen vermuten würde.

Von Friedrich Schmidt | Frankfurter Allgemeine

Jüngst überraschte der russische Präsident mit Äußerungen zum russischen Revolutionsjahr 1917. Vor Gästen seines Valdai-Clubs, eines jährlichen Gesprächsforums, sprach Wladimir Putin vorige Woche von „mehrdeutigen Ergebnissen“ der Umstürze: Auf der negativen Seite stehe die „Zerstörung von Staatlichkeit“ und von „Millionen menschlicher Schicksale“, positiv sei ein „gewaltiger Impuls“ gewesen, von dem vor allem der Westen profitiert habe. Dort seien als Antwort auf Herausforderungen durch die Sowjetunion der Lebensstandard erhöht, starke Mittelklassen gebildet und Menschenrechte geschützt worden. Man könnte meinen, dass derlei Äußerungen im Gedenkjahr 2017, genau hundert Jahre nach den Umwälzungen, in Russland ständig fielen. Aber nein, sie sind eine Seltenheit. Ein offizielles Gedenken an 1917 findet kaum statt, und um ein von Putin erst spät, nämlich um die jüngste Jahreswende eingesetztes Organisationskomitee für das Gedenkprogramm ist es ruhig geblieben.

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