Libysche Exilanten sammeln Belege für Vergewaltigungen


Strassenszene in Benghasi nach Zusammenstössen zwischen bewaffneten Gruppen im Jahr 2015. (Bild: Esam Omran al-Fetori / Reuters)
Eine Gruppe von Anwälten und Richtern trägt Beweise dafür zusammen, wie Vergewaltigung im libyschen Bürgerkrieg als Kriegswaffe eingesetzt wird. Die Zeugnisse sind drastisch.

Von Samuel Misteli | Neue Zürcher Zeitung

Berichte, dass Vergewaltigung im libyschen Bürgerkrieg als systematische Waffe eingesetzt wird, kursieren immer wieder. Eine Gruppe libyscher Exilanten – unter ihnen Richter und Anwälte – hat nun in jahrelanger Arbeit Belege zusammengetragen. Unter den Zeugnissen finden sich Videomaterial und Berichte mutmasslicher Opfer. Eine Journalistin von «Le Monde» hat die Gruppe während Monaten für einen Dokumentarfilm begleitet und war auch bei Recherchen in Libyen dabei. Sie hat einige der drastischen Schilderungen vorab veröffentlicht.

Videos, die unter anderem in Geheimgefängnissen aufgenommen wurden, zeigen etwa, wie Gefangene mit verschiedenen Gegenständen vergewaltigt werden. Zeugen berichten auch, dass Gefangene unter Todesandrohungen gezwungen wurden, Mitgefangene zu vergewaltigen. Die Grausamkeiten dienten dazu, die Opfer zu erniedrigen und zu stigmatisieren. Offenbar wurden häufig gezielt Männer als Opfer ausgewählt.

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