Wer sind die Ermüdeten in der Türkei?


Erdogan beim Besuch des Mausoleums für Kemal Atatürk in Ankara. ©AFP
Nicht ohne Grund sorgt sich Erdogan vor den Wahlen 2019: Aufgrund der Spannungen mit dem Ausland steckt die Wirtschaft ernsthaft in der Krise. Und seine Basis schrumpft.

Von Bülent Mumay | Frankfurter Allgemeine

Wir in der Türkei leben seit einiger Zeit mit „Materialermüdung“. Dieser Müdigkeitstyp kam mit der Erklärung auf, die Staatspräsident Erdogan kurz nach der nur knapp ermöglichten Verfassungsänderung abgab. Nur mit Unterstützung der ultranationalistischen MHP hatte er beim Volksentscheid 51 Prozent der Stimmen erhalten, deshalb will er für die heiklen Wahlen 2019 nichts dem Zufall überlassen und sucht nach Wegen, die im selben Jahr anstehenden Regional-, Parlaments- und Präsidentenwahlen zu gewinnen.

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Am wichtigsten ist für Erdogan die Präsidentenwahl Ende 2019. Sollte er sie nicht gewinnen, bleibt ihm weder seine Macht noch seine Immunität. Deshalb krempelt er schon jetzt die Ärmel hoch, um mindestens eine Stimme mehr als fünfzig Prozent zu erreichen. „In der Partei herrscht Materialermüdung“, sagte er und drängte eine Reihe führender Parteimitglieder aus ihren Ämtern. Er weiß, dass der Sieg bei den Regionalwahlen Anfang 2019 ihm moralisch Auftrieb geben und mit populistischen Maßnahmen Stimmen bringen würde. Deshalb zwang er die zum Teil seit zwanzig Jahren regierenden Bürgermeister zahlreicher Städte, allen voran Istanbul und Ankara, zum Rücktritt.

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