Haben schon Babys ein Gefühl für Stochastik?

Schon wenige Monate alte Babys durchschauen ihre Umwelt erstaunlich gut. © Thinkstock
Kleine Mathegenies: Schon Säuglinge verstehen offenbar simple Grundprinzipien der Wahrscheinlichkeitsrechnung. Sechs Monate nach der Geburt stutzen sie bereits, wenn eine mit farbigen Bällen gefüllte Lottomaschine gehäuft die seltenere und damit unwahrscheinlichere Farbe zieht. Dieses erstaunliche Gefühl für Wahrscheinlichkeiten hat bei den Babys jedoch noch Grenzen: Wird der Unterschied zwischen der wahrscheinlicheren und der unwahrscheinlicheren Variante zu klein, scheitern die Kleinkinder.

scinexx

Säuglinge sind wie kleine Lernmaschinen. Ihr ganzes Wesen ist darauf ausgerichtet, neue Eindrücke einzuordnen und so die Welt und ihre Regeln verstehen zu lernen. Schon lange bevor sie selbst sprechen können, durchschauen sie ihre Umwelt überraschend gut. So erkennen die Babys beispielsweise, wenn jemand völlig falsche  Silbenkombinationen äußert. Zudem besitzen sie bereits einen Sinn für Mengen und begreifen sogar grundlegende physikalische Zusammenhänge wie etwa den Unterschied zwischen Flüssigkeiten und Feststoffen.

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UN: Zahl der Internetsperren durch Regierungen gestiegen

grafik: nsa / snowden/Themenbild
Eine interne Folie der NSA zeigt die Architektur von ICReach.
Immer mehr Regierungen weltweit blockieren nach einem UN-Bericht zeitweise das Internet. Die Zahl der Internetsperren durch Regierungen stieg von 18 im Jahr 2015 auf bislang 61 in diesem Jahr, wie aus einem am Montag in Paris und Bonn vorgestellten Unesco-Bericht zu Meinungsfreiheit und Medienentwicklung hervorgeht. Insgesamt lag die Zahl der sogenannten Shutdowns seit Anfang 2016 bei 116. Die meisten davon traten mit 54 in Indien auf, gefolgt von Pakistan mit elf.

evangelisch.de

Positiv bewertet der Bericht der UN-Bildungsorganisation, dass die Zahl der Länder mit Gesetzen zur Informationsfreiheit von 90 im Jahr 2011 auf 112 im Jahr 2016 gestiegen ist. Vor allem in Asien und der Asien-Pazifik-Region seien viele Gesetze in Kraft getreten, hieß es. Zugleich bemängeln die Autoren, dass es vielerorts an einer konsequenten Umsetzung der Gesetze fehle.

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Seyran Ates wirbt bei Freidenkern um Unterstützung für liberale Muslime

Seyran Ates, Mitbegründerin der Ibn-Rushd-Goethe-Moschee | © http://www.imagerey.ch 
Die Initiantin der liberalen Moschee in Berlin, Seyran Ates (54), hat am Samstagnachmittag am «Denkfest» der Freidenker in Zürich ihr Projekt vorgestellt. Für ihre dezidierten Voten erhielt die muslimische Frauenrechtlerin immer wieder den Beifall des Publikums. Das Podium und ein Disput mit einem jungen muslimischen Besucher zeigten aber exemplarisch, dass die Frau in der islamischen Welt aneckt.

Von Barbara Ludwig | kath.ch

Die Männer in Anzug stehen breitbeinig da, die Hände in Hüfthöhe übereinandergelegt, zwei links und rechts von der Bühne, einer auf der Seite des Saals. Ein vierter sitzt in der vordersten Stuhlreihe. Als Seyran Ates vor ihrem Auftritt im Zürcher Volkshauses mit Gästen spricht, stehen die Bodyguards zu dritt in unmittelbarer Nähe der Frau. Seyran Ates erhält Morddrohungen, seit sie im Juni in Berlin zusammen mit Gleichgesinnten die liberale Ibn-Rushd-Goethe-Moschee eröffnet hat.

«Es wundert mich nicht, dass die Menschen am meisten Angst vor der islamischen Religion haben», kommentiert sie ein Ergebnis einer religionssoziologischen Studie, die ihr Vorredner, der Lausanner Religionssoziologie Jörg Stolz, soeben präsentiert hat. «Auch ich habe Angst vor dem radikalen Islam, vor denjenigen, die die Religion politisiert haben», sagt die Frau mit der grauen Kurzhaarfrisur.

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Zum Todestag von Werner Walter: Deutschlands bekanntester UFO-Skeptiker

Der Mannheimer Amateurastronom Werner Walter 2003 in der „UFO-Meldestelle“. Am 7.11.2016 starb Walter im Alter von 59 Jahren. (dpa / Ronald Wittek)
Werner Walter hat im Alter von 16 Jahren ein dunkelrotes geometrisches Gebilde gesehen, das sich über den Himmel bewegte. Auch ein Freund sah die Erscheinung, die dann schlagartig verschwand.

Von Dirk Lorenzen | Deutschlandfunk

Dieses Ereignis weckte das Interesse des Astronomie-begeisterten Jugendlichen für UFOs, für unidentifizierte Flugobjekte. Drei Jahre später, im Jahr 1976, gründete er das Centrale Erforschungsnetz Außergewöhnlicher Himmelsphänomene, CENAP. Nachdem Werner Walter bei einer Lasershow in einer Halle der Berliner Funkausstellung genau so eine Leuchterscheinung gesehen hatte, die er einst für ein UFO gehalten hatte, gab es für ihn nur noch „nicht erkannte identifizierbare Objekte“.

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Mohammed in der Hölle

Seit Jahrhunderten nehmen Millionen muslimische Pilger ein Mal im Jahr einen weiten Weg auf sich, um an der Al-Haram-Moschee in Mekka, Saudi-Arabien zu beten. © FAYEZ NURELDINE/AFP/Getty Images
Im Mittelalter gilt der Islam als größte Bedrohung des Abendlandes. Ein Feindbild, das nicht vergehen will.

Von Gerhard Schweizer | ZEIT ONLINE

Ein Teufel spaltet den Körper des Propheten mit dem Schwert vom Kopf bis zum Bauch, sodass die Eingeweide herausquellen. Aber Mohammed stirbt nicht. Die grässliche Wunde scheint zu verheilen, wird jedoch von der Waffe des Teufels immer wieder aufgerissen. Die Spaltung seines Körpers, so gibt Mohammed klagend zu erkennen, sei die Höllenstrafe für diejenigen, die wie er versucht hätten, durch eine falsche, ketzerische Lehre die Menschen vom rechten Glauben abzubringen und sie zu Kriegen im Namen der Religion anzustiften. Nun büße er durch ewige Zerfleischung.

Solch drastische Bilder waren den Christen des abendländischen Mittelalters selbstverständlich, wenn es um die Auseinandersetzung mit dem Islam ging. Und die Szene entstammt nicht etwa einem der vulgären Traktate der damaligen Zeit: Sie findet sich in Dantes Göttlicher Komödie, einer der größten Dichtungen des Mittelalters. Selbst der universale Denker Dante Alighieri hatte sich Anfang des 14. Jahrhunderts nicht von den Vorurteilen seiner Zeit gegen den Islam lösen können. Er stimmte mit den dogmatischen Vorgaben der Kirche überein, nach denen Mohammed mit jenem „falschen Propheten“ gleichzusetzen sei, der in der Offenbarung des Johannes als der große Gegenspieler Gottes angekündigt wird.

Mohammed, der Antagonist Gottes – ein solches theologisch fundiertes Feindbild ist typisch für die Spätantike, das Mittelalter und die Frühe Neuzeit. Es handelt sich um eine Denkkategorie, die uns seit der Aufklärung in einem weitgehend säkularisierten Europa kaum mehr nachvollziehbar ist. Wo hat sie ihren Ursprung?

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Auch unter Bienen gibt es Linkshänder

Rechts oder links herum? Auf ihrem Weg von Blüte zu Blüte bevorzugen manche Bienen eine ganz bestimmte Seite. © Pexels/ pixabay
Links- oder Rechtshänder? Viele Bienen haben eine ausgeprägte Vorliebe für die linke oder die rechte Seite. In Experimenten fliegen manche Exemplare fast ausschließlich rechts, andere hingegen links herum. Diese Händigkeit ist bei ihnen jedoch weitaus weniger einseitig verteilt als bei uns. Während Menschen überwiegend rechtshändig sind, scheint die Präferenz für eine Seite bei den Insekten gleichmäßiger verteilt und eher individuell zu sein. Dies könnte ihren Flug im Schwarm effizienter machen.

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Der Mensch ist bei weitem nicht das einzige Lebewesen, das für bestimmte Aktionen bevorzugt eine Hand, ein Auge oder einen Fuß benutzt. Ganz im Gegenteil: Das Phänomen der Händigkeit zieht sich quer durch das Tierreich – allerdings in ganz unterschiedlicher Weise. Während bei uns Menschen die Rechtshänder klar in der Überzahl sind, präferieren zum Beispiel Kängurus mehrheitlich die linke Seite.

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Kirche und Jäger verteidigen Hubertusmesse

Themenbild: HP evangelisch.de. Screenshot: BB
Brauchtum: Tierschützer kritisierten in Ratingen/Erzbistum Köln die traditionelle Hubertusmesse

kath.net

Eine Hubertusmesse sei ein „kirchlicher Segen für ein blutiges Hobby“, behauptete ein Mitglied der Tierschutzorganisation Peta nach Angaben der „Westdeutschen Allgemeinen Zeitung“ wenige Tage, bevor die Gemeinde St. Suitbertus in Ratingen (Erzbistum Köln) eine Hubertusmesse abhielt. Pfarrer Alfons Demand, wies vorab gegenüber der WAZ aber darauf hin, dass Jäger bei dem Gottesdienst nicht zum Töten angestiftet werden sollen, es gehe nicht um Verherrlichung des Tötens. Vielmehr stehe „die Pflege der Natur steht im Vordergrund.“ Außerdem feiere er die Messe nicht nur für Jäger – diese nähmen einfach daran teil –, sondern für alle Besucher, und es werde ein Gottesdienst über die Schöpfung werden. Der zuständige Hegeringleiter erinnerte: „Unsere Jagd begründet sich auf die Pflicht der Hege“. Nachdem Tierschützer in den sozialen Netzwerken zu Protesten aufgerufen hatten, kündigte die Polizei an, dass die Präsenz zeigen werde. Nach der Hubertusmesse mit einem Bläsercorps gab es aber keine Presseberichte über Störungen.

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Polen – erneute Reparationsforderungen

Lehrer aus Bydgoszcz auf dem Weg zur Exekution im Fordoner „Tal des Todes“ (1. November 1939). Bild: gemeinfrei
In Polen wird von Deutschland eine Entschädigung für die Zerstörungen während des Zweiten Weltkriegs gefordert, ein aktuelles Urteil in Italien stärkt die Befürwörter

Von Jens Mattern | TELEPOLIS

Dem Verfassungsgericht in Warschau liegt ein Schreiben der Abgeordneten der Regierungspartei „Recht und Gerechtigkeit“ (PiS) vor, in dem beantragt wird, die Immunität des deutschen Staates für „Verbrechen im Zweiten Weltkrieg“ abzuerkennen.

Nach einer internationalen Regelung kann kein Land dem Gericht eines anderen Landes unterliegen. Die PiS will nun das Verfassungsgericht dazu bewegen, diese Regelung in Bezug auf deutsche Verbrechen im Zweiten Weltkrieg als „verfassungswidrig“ zu erklären. „Ein Staat, der sich Verbrechen gegen die Menschlichkeit schuldig gemacht hat, verliert seine Immunität“, heißt es in dem Schreiben der 100 Abgeordneten der Regierungspartei.

Dieser Antrag gilt als eine Fortsetzung der Forderungen nach Entschädigung gegenüber Deutschland, die im Juli begannen.

Parteichef Jaroslaw Kaczynski, der als Graue Eminenz wirkt, griff damals das Thema auf, Minister und die Medien des Regierungslagers folgten. Vor allem mit dem Gedenken an den Warschauer Aufstand, die Erhebung der polnischen Heimatarmee gegen die deutschen Besatzer am 1. August 1944, zeigte das Staatsfernsehen TVP in den Abendnachrichten fast täglich Berichte über deutsche Kriegsverbrechen. In einer Expertise des polnischen Sejms vom September wurden Ansprüche von 840 Milliarden Euro erhoben.

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Listen über unangemessenes Verhalten: Wenn das Geflüster öffentlich wird

foto: afp / daniel leal-olivas Theresa Mays Kabinettschef Damian Green steht angeblich auf einer Liste britischer Männer, gegen die es Vorwürfe gibt.
Hinter vorgehaltener Hand gibt es Vorwürfe oft seit langem. Nun spült die Debatte um #MeToo Geheimes vielerorts nach oben

Von Manuela Honsig-Erlenburg, Manuel Escher | dieStandard.at

Es ist eine jener Geschichten, über die auch US-Medien nur schreiben können, wenn sie nicht wirklich darüber schreiben. Zu groß ist die Gefahr von Klagen, zu heikel auch presseethisch der Inhalt – und zu nah ist all das an der eigenen Arbeitswelt. Dennoch, die Liste mit zahlreichen Namen amerikanischer Medienmänner beschäftigt nicht nur US-Publikationen, sondern ist mittlerweile auch zum Politikum geworden – und zum Beispiel für die vielen Unwägbarkeiten in der #MeToo-Debatte. Konservative erhoffen sich nun gar Munition gegen die liberale Medienwelt.

Gedacht war sie für all das nicht. Im Gegenteil: Sie sollte geheim bleiben, unter keinen Umständen mit Männern geteilt werden und Frauen in der amerikanischen Medienwelt die Gelegenheit bieten, einander vor männlichen Kollegen und Vorgesetzten zu warnen, mit denen andere in der Vergangenheit schlechte Erfahrungen gemacht hatten.

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Saudi-Arabien: Der Kronprinz räumt die Konkurrenten weg

Kronprinz Mohammad Bin Salman und US-Präsident Trump. Foto: Weißes Haus /gemeinfrei
„Kabinettsumbildung“ und Säuberung in Riad: Prinzen, Minister und Ex-Minister werden wegen Korruption festgenommen

Von Thomas Pany | TELEPOLIS

Gewiss ist: Menschenrechtsorganisationen dürften kaum Kritik an den Haftbedingungen üben. Der Multi-Milliardär, Prinz Alwalid bin Talal (auch: Alwaleed) und andere saudische Prinzen, Militärs, Geschäftsleute und Ex-Minister verbringen ihren Hausarrest bzw. ihre U-Haft „in 5-Sterne-Hotels in der Hauptstadt Riad“, darunter das Ritz Carlton, wie AP berichtet. Genaue Bestätigungen der Unterbringung und Details der Haftbedingungen stehen allerdings noch aus. Die Führung der Hotels behandelt die Sache diskret.

Der saudische Kronprinz Mohammed bin Salman wurde am Samstag von seinem Vater Salman, König von Saudi-Arabien, zum Chef eines „Super-Komitees zur Bekämpfung der Korruption“ berufen, und der tatendurstige Tausendsassa, Wirtschaftsreformer und Kriegsherr, fackelte nicht lange: „In seiner ersten Amtshandlung ordnete das Komitee die Verhaftung einer Anzahl von Prinzen und Big Businessmen an – wegen ihrer Verstrickung in mehrere Korruptionsfälle“, berichtet die Arab News, einer Publikation, von der keinerlei kritische Bewertung solcher königlichen Akte zu erwarten ist.

Mindestens elf Prinzen, vier bis dato amtierende Minister und „zig“ frühere Minister seien verhaftet worden,meldete al-Arabiya, das zum Medienimperium der saudischen Königsfamilie gehört. Der Bericht bemüht sich mit einer Aufzählung von Kommissions- und Behördentiteln der beteiligten Ankläger das Gepräge des Anti-Korruptionskampfes zu bestätigen – und den Hallraum anderer Motive möglichst einzudämmen.

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Ozonloch so klein wie zuletzt 1988

Ausdehnung des Ozonlochs über der Antarktis Mitte September 2017 © NASA/NASA Ozone Watch/ Katy Mersmann
Kurze Atempause: Das Ozonloch über der Antarktis ist in diesem Jahr außergewöhnlich klein und schwach ausgeprägt. Messungen zeigen, dass es mit knapp 20 Millionen Quadratkilometern Fläche so klein ausfällt wie seit dem Jahr 1988 nicht mehr. Doch Grund zur Entwarnung ist dies nicht, wie die Forscher betonen. Ursache ist ein ungewöhnlich warmer Winter in der Antarktis, nicht eine dauerhafte Heilung des Ozonschwunds.

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Die irdische Ozonschicht ist unser wichtigster Schutz vor schädlicher UV-Strahlung. Doch bis zum Montreal Protokoll im Jahr 1987 hat die Menschheit bereits so viele chlor- und bromhaltige ozonzerstörende Substanzen freigesetzt, dass diese Schutzschicht stark geschädigt ist. Selbst heute, 40 Jahre nach dem Verbot dieser Substanzen, reißt alljährlich über der Antarktis ein Ozonloch auf. Und auch über der Arktis ist die Ozonschicht noch immer ausgedünnt.

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Tote und Verletzte nach Schießerei in einem Gottesdienst in Texas – deus lo vult

Mit mindestens 20 Schüssen hat ein unbekannter Täter in einem Gottesdienst in Texas Besucher verletzt und getötet. Die genaue Zahl der Opfer war am Abend noch nicht bekannt.

Von Hanno Terbuyken | evangelisch.de

Schüsse unterbrachen den Sonntagsgottesdienst in der First Baptist Church in Sutherland Springs, Texas, wie US-Medien am Sonntagabend berichteten. Nach Angaben des Fernsehsenders NBC, der sich auf Aussagen der lokalen Polizei stützte, verletzte der Täter mindestens 15 Menschen und tötete mehrere. Die Zahl der Toten war am Sonntagabend deutscher Zeit noch nicht bekannt. Gegenüber CNN sagte ein Sprecher des Guadalupe County Sheriff Department, der Täter sei nach einer kurzen Verfolgung durch die Polizei ebenfalls tot. Unklar blieb, ob er sich selbst erschoss oder von Polizisten getötet wurde.

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Paradise Papers kompakt – die Übersicht für Eilige

Die kompakte Übersicht über die Paradise Papers. (Foto: Illustration: Bene Rohlmann)
Das neue Datenleck enthält die Namen großer Firmen und berühmter Personen. Es zeigt, wie über Steueroasen massenhaft Geld versteckt wird.

Süddeutsche Zeitung

Ein Datenleck bringt Politiker, Superreiche und Konzerne in Erklärungsnot. Die Paradise Papers zeigen, wie Menschen und Unternehmen weltweit Steueroasen nutzen.

Trump-Minister verdient Geld mit russischem Gas. Der amerikanische Handelsminister Wilbur Ross profitiert als Privatmann von Geschäften mit einer Firma, die dem Schwiegersohn des russischen Präsidenten Wladimir Putin und Kreml-nahen Geschäftsleuten gehört. Die Enthüllung könnte die Regierung von US-Präsident Donald Trump weiter in Bedrängnis bringen; ein Sonderermittler untersucht seit Monaten die Kontakte zwischen Trumps Team und Moskau. Die Details.

Facebook und Twitter bekamen russisches Geld. Der russische Star-Investor Juri Milner wurde bei seinem Einstieg in die Social-Media-Unternehmen Twitter und Facebook vor einigen Jahren offenbar mit Hunderten Millionen Dollar aus dem Kreml ausgestattet. Der Ankauf der Aktien des Kurznachrichtendienstes Twitter wurde demnach von der russischen Staatsbank VTB mitfinanziert, das Investment bei Facebook von der Gazprom Investholding. Das Kreml-gestützte Investment ist besonders brisant, da Facebook und Twitter derzeit in der Kritik stehen, nicht genug gegen eine Beeinflussung des US-Präsidentschaftswahlkampfs durch Russland unternommen zu haben. VTB und Gazprom erklärten, die Investitionen in Twitter und Facebook seien nicht politisch motiviert gewesen. Milner hat die Anteile mittlerweile verkauft. Mehr dazu.

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Ganz Berlin ist „mit Kampfmitteln belastet“

Gefährliche Blindgänger. Die Explosion 1983 in Buckow ging glimpflich ab.FOTO: GÜNTER PETERS
Geschätzt 3000 Weltkriegsbomben liegen im Berliner Boden. Experten warnen vor der Gefahr, doch der Senat sieht den Bund in der Pflicht.

Von Matthias Jauch | DER TAGESSPIEGEL

Der zylinderförmige Brocken, der für 13 Stunden einen ganzen Bezirk lahmlegt, ist einen knappen Meter lang und 250 Kilogramm schwer. Eine Hülle aus rostigem Stahl, dahinter zwei Zentner Sprengstoff. Was die russische Luftwaffe vor mehr als 72 Jahren über Berlin abwarf, zieht eine siebenstündige Evakuierung nach sich: 10 000 Menschen rund um den dicht bebauten Innsbrucker Platz müssen in Sicherheit gebracht werden.

Die Ringbahn wird unterbrochen, kurz vor der Entschärfung auch die A100 gesperrt. Die Bombe wird ebenso entschärft wie der Blindgänger, der Ende August im Spandauer Ortsteil Haselhorst gefunden wurde – mitten in der Einflugschneise des Flughafens Tegel. Dutzende Flüge werden an dem Abend umgeleitet, eine Chaosnacht an den Berliner Flughäfen folgt.

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«Hunderttausende mehr»: Inhaftierung stärkt Kataloniens Separatisten

Eine Separatistin klebt während einer Demonstration in Barcelona Poster mit der katalanischen Aufschrift „Freiheit für die politischen Gefangenen“ an eine Wand. Foto: Matthias Oesterle © dpa-infocom GmbH
Carmen Lamela ist keine Sympathisantin der Unabhängigkeitsbewegung. Mit ihrer Entscheidung, katalonische Politiker hinter Gitter zu bringen, hat die Richterin am Staatsgericht in Madrid aber nach Meinung vieler unabhängiger Kommentatoren den Sezessionisten neue Flügel verliehen.

stern.de

Carmen Lamela ist keine Sympathisantin der Unabhängigkeitsbewegung. Mit ihrer Entscheidung, katalonische Politiker hinter Gitter zu bringen, hat die Richterin am Staatsgericht in Madrid aber nach Meinung vieler unabhängiger Kommentatoren den Sezessionisten neue Flügel verliehen.

«Lamela hat Zehntausende, nein, Hunderttausende neue Separatisten produziert», meinte etwa im spanischen TV der Schriftsteller und angesehene Analyst Carlos Quílez – ein energischer Antiseparatist.

In die gleiche Kerbe schlagen dieser Tage in Spanien viele. Wie Antonio García, politischer Starmoderator des TV-Senders «La Sexta». Dass acht Regionalpolitiker – darunter der abgesetzte Vizeregierungschef Oriol Junqueras – seit Donnerstag in U-Haft sitzen, habe in Katalonien auch unter Nicht-Separatisten «große Empörung ausgelöst». García spricht von einem «sozialen Erdbeben».

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Was Bayern und Katalanen gemeinsam haben

Wahlplakat der Bayernpartei in München, 2014. (Foto: Stephan Rumpf)
Nicht nur in Katalonien, auch in Bayern gibt es Forderungen nach Unabhängigkeit. Sie sind die zweitgrößte politische Dummheit seit 200 Jahren.

Von Sebastian Beck | Süddeutsche Zeitung

Außer dem Klimawandel und dem Atomkonflikt um Nordkorea gibt es derzeit wahrscheinlich keine drängendere Frage als die, wann Bayern endlich ein eigener Staat wird. Immerhin haben die Katalanen nicht nur eine Unabhängigkeitserklärung hingelegt, neuerdings können sie sogar eine Exilregierung in Brüssel vorweisen und daheim ein paar Minister in U-Haft. Das ist doch was. Übertragen auf Bayern ließen sich jetzt böswillige Witze reißen, aber Schluss mit der Ironie.

Schließlich gibt es gerade in Bayern ernsthafte Verfechter einer Unabhängigkeit, allen voran die Bayernpartei. Sie hat ihren Gesinnungsgenossen in Barcelona schon mal gratuliert und wünscht ihnen „von Herzen viel Kraft bei den großen Herausforderungen der Zukunft“. In der Sezessionsfrage kann sich die weißblaue Mikropartei immerhin auf etwa ein Drittel der bayerischen Bevölkerung berufen. Zuletzt haben im Juni in einer Bild-Umfrage 32 Prozent dem Satz zugestimmt: „Mein Bundesland sollte unabhängig von Deutschland sein.“

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Segensroboter hat zum Nachdenken über Glauben angeregt

Photograph: Solent News/Rex

Mit ihrem sogenannten Segensroboter „Bless U-2“ hat die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau auch Menschen im Gespräch erreicht, die mit Kirche wenig zu tun haben. Viele tausend Menschen hätten in meist positiven Rückmeldungen betont, dass sie sich dadurch angesprochen gefühlt hätten, über Inhalte des Glaubens nachzudenken, sagte Kirchenpräsident Volker Jung am Samstag bei einer Fachtagung zum Thema „Künstliche Intelligenz“ in der Evangelischen Akademie Frankfurt.

evangelisch.de

Die Landeskirche hatte den Segensroboter bei ihrem Parcours „Moments of Blessing“ bei der Weltausstellung zum Reformationsjubiläum in Wittenberg präsentiert. Die Installation sei ein Experiment der medialen Vermittlung und „keine Karikatur des Segens“ gewesen, sagte Jung, der auch sogenannter Medienbischof der Evangelischen Kirche in Deutschland ist. Der Segensroboter habe auch zum „Nachdenken und zur Debatte über die Grenzen der Digitalisierung“ bei der medialen Vermittlung angeregt. Der Segen sei eine „Sache zwischen Menschen“ und der Mensch sei unersetzbar, wo es um Inhalte des Glaubens gehe.

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Der saudisch-iranische Kompromiss im Libanon ist beendet

foto: afp / anwar amro „Wir sind mit dir“, verkündet das Plakat. Hariri jedoch ist in Riad.
Rücktritt des sunnitischen Premiers Saad Hariri soll Präsident Michel Aoun und Hisbollah isolieren

Von Gudrun Harrer | derStandard.at

Ein Jahr hat das seltsame Arrangement überdauert: der sunnitische libanesische Premier mit dem saudi-arabischen Zweitpass, Saad Hariri, der Riad dazu überredet, nach einem zweieinhalb Jahre währenden präsidentiellen Vakuum im Libanon den Hisbollah-Verbündeten Michel Aoun als Präsidenten zu akzeptieren, und dafür selbst Regierungschef wird. Hariri ist am Samstag zurückgetreten, und zwar in der saudi-arabischen Hauptstadt, wo er wohl auch bleiben wird. Die Dynamiken, die dazu geführt haben, sind klar – aber weniger, welche Folgen das für die prekäre Stabilität des Libanon und der Region haben wird.

Die Fragen sind folgende: Gelingt es, einen neuen sunnitischen (wie es die Verfassung vorsieht) Premier zu finden; was passiert, wenn nicht; und wird der Einfluss der schiitischen Iran-nahen Hisbollah in einer neuen Regierung stärker oder schwächer sein? Für die Region stellt sich die Frage, ob ein bewaffneter Konflikt Israels mit der Hisbollah wahrscheinlicher geworden ist, der Saudi-Arabien nur recht wäre.

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Ägyptisches Außenministerium bestellt deutschen Botschafter ein

Präsident al-Sisi, Bild: businessinsider.com/bearb.:BB

Deutschland und vier weitere Regierungen kritisierten die Verhaftung eines Menschenrechtlers in Ägypten: Kairo beurteilt das als unerlaubte Einmischung und reagiert mit diplomatischen Mitteln.

SpON

Der deutsche Botschafter in Ägypten, Julius Georg Luy, ist vom Außenministerium in Kairo einbestellt worden. Als Grund nannte Kairo die Protestnote Deutschlands und vier weiterer Länder gegen die Inhaftierung eines Menschenrechtsanwalts. Neben Luy seien auch die diplomatischen Vertreter von Großbritannien, Italien, Kanada und der Niederlande in das Ministerium zitiert worden, teilte das ägyptische Ministerium mit.

Der ägyptische Menschenrechtler Ibrahim Metwalli Hegasi war am 10. September vor der Abreise zu einer Konferenz der Vereinten Nationen festgesetzt worden. Man sei besorgt über die angeblichen Haftbedingungen des Anwalts, hieß es in dem gemeinsamen Protestschreiben.

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Wenn „besorgte Bürger“ über „schwule Weihnachtsmänner“ debattieren

Diese beiden alternativen Weihnachtsmänner vom Penny-Markt sorgen in sozialen Netzwerken für Empörung und Hetze, zahlreichen Aufrufen zum Boykott und gar einigen Aufrufen zur Sachbeschädigung (Bild: Montage mit Motiv von PENNY Markt GmbH)
Die neuesten Zipfelmänner vom Penny-Markt sorgen für wutentbrannte homofeindliche Kommentare in sozialen Netzwerken – geschürt von rechten Seiten.

Von Norbert Blech | QUEER.DE

Der PR-Coup des längst begonnenen Weihnachtsgeschäfts ist in diesem Jahr dem zur REWE-Gruppe gehörenden Penny-Markt gelungen. Wie in den Vorjahren bietet dieser alternative Schokoladen-Weihnachtsmänner, sogenannte „Zipfelmänner“ an – diesmal zusätzlich in zwei Motiven mit Regenbogenmotiven (queer.de berichtete).

„Ab Montag bei Penny: Regenbogenliebe“, kündigte der Discounter am Freitag bei Facebook an. Ab Montag sei die „kulturübergreifende Botschaft für Frieden, Liebe, Toleranz und Weltoffenheit“ in allen Fillialen erhältlich (für 1,19 Euro pro Stück und nur für kurze Zeit). „Willkommen im Team Zipfelmann: Unser neues Design steht für Vielfalt, Toleranz und Liebe!“

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