Der saudisch-iranische Kompromiss im Libanon ist beendet


foto: afp / anwar amro „Wir sind mit dir“, verkündet das Plakat. Hariri jedoch ist in Riad.
Rücktritt des sunnitischen Premiers Saad Hariri soll Präsident Michel Aoun und Hisbollah isolieren

Von Gudrun Harrer | derStandard.at

Ein Jahr hat das seltsame Arrangement überdauert: der sunnitische libanesische Premier mit dem saudi-arabischen Zweitpass, Saad Hariri, der Riad dazu überredet, nach einem zweieinhalb Jahre währenden präsidentiellen Vakuum im Libanon den Hisbollah-Verbündeten Michel Aoun als Präsidenten zu akzeptieren, und dafür selbst Regierungschef wird. Hariri ist am Samstag zurückgetreten, und zwar in der saudi-arabischen Hauptstadt, wo er wohl auch bleiben wird. Die Dynamiken, die dazu geführt haben, sind klar – aber weniger, welche Folgen das für die prekäre Stabilität des Libanon und der Region haben wird.

Die Fragen sind folgende: Gelingt es, einen neuen sunnitischen (wie es die Verfassung vorsieht) Premier zu finden; was passiert, wenn nicht; und wird der Einfluss der schiitischen Iran-nahen Hisbollah in einer neuen Regierung stärker oder schwächer sein? Für die Region stellt sich die Frage, ob ein bewaffneter Konflikt Israels mit der Hisbollah wahrscheinlicher geworden ist, der Saudi-Arabien nur recht wäre.

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