Mohammed in der Hölle


Seit Jahrhunderten nehmen Millionen muslimische Pilger ein Mal im Jahr einen weiten Weg auf sich, um an der Al-Haram-Moschee in Mekka, Saudi-Arabien zu beten. © FAYEZ NURELDINE/AFP/Getty Images
Im Mittelalter gilt der Islam als größte Bedrohung des Abendlandes. Ein Feindbild, das nicht vergehen will.

Von Gerhard Schweizer | ZEIT ONLINE

Ein Teufel spaltet den Körper des Propheten mit dem Schwert vom Kopf bis zum Bauch, sodass die Eingeweide herausquellen. Aber Mohammed stirbt nicht. Die grässliche Wunde scheint zu verheilen, wird jedoch von der Waffe des Teufels immer wieder aufgerissen. Die Spaltung seines Körpers, so gibt Mohammed klagend zu erkennen, sei die Höllenstrafe für diejenigen, die wie er versucht hätten, durch eine falsche, ketzerische Lehre die Menschen vom rechten Glauben abzubringen und sie zu Kriegen im Namen der Religion anzustiften. Nun büße er durch ewige Zerfleischung.

Solch drastische Bilder waren den Christen des abendländischen Mittelalters selbstverständlich, wenn es um die Auseinandersetzung mit dem Islam ging. Und die Szene entstammt nicht etwa einem der vulgären Traktate der damaligen Zeit: Sie findet sich in Dantes Göttlicher Komödie, einer der größten Dichtungen des Mittelalters. Selbst der universale Denker Dante Alighieri hatte sich Anfang des 14. Jahrhunderts nicht von den Vorurteilen seiner Zeit gegen den Islam lösen können. Er stimmte mit den dogmatischen Vorgaben der Kirche überein, nach denen Mohammed mit jenem „falschen Propheten“ gleichzusetzen sei, der in der Offenbarung des Johannes als der große Gegenspieler Gottes angekündigt wird.

Mohammed, der Antagonist Gottes – ein solches theologisch fundiertes Feindbild ist typisch für die Spätantike, das Mittelalter und die Frühe Neuzeit. Es handelt sich um eine Denkkategorie, die uns seit der Aufklärung in einem weitgehend säkularisierten Europa kaum mehr nachvollziehbar ist. Wo hat sie ihren Ursprung?

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