Gekaufte Forschung: Wie Monsanto Wissenschaftler beeinflusst hat


Glyphosat ist nicht der einzige Inhaltsstoff in Pflanzenschutzmitteln, der bedenklich ist. (Foto: Flickr/ Roundup, Monsanto by Mike Mozart CC BY 2.0)
  • Ein Toxikologe veröffentlicht einen Aufsatz über die Risiken von Glyphosat, doch dann hagelt es kritische Leserbriefe.
  • Im Nachhinein zeigt sich, dass die Leserbrief-Aktion vom Unternehmen offenbar geplant war.
  • Später wird der Aufsatz zurückgezogen.

Von Christina Berndt, Silvia Liebrich | Süddeutsche Zeitung

Erst kam ein Leserbrief, dann ein zweiter, am Ende waren es 25. Die Absender stammten aus 14 Ländern, und nach allem, was sich aus den Unterlagen eines Gerichtsverfahrens in Kalifornien herauslesen lässt, landeten die 25 Briefe nicht zufällig auf dem Tisch des Fachmagazins Food and Chemical Toxicology. Sondern sie wurden offenbar vom US-Konzern Monsanto mitinitiiert, um die Studie eines Wissenschaftlers in Zweifel zu ziehen, der über die Risiken von Roundup geschrieben hatte, einem Pflanzenschutzmittel von Monsanto, das vor allem Glyphosat enthält.

Verfasst hatte diese kritische Untersuchung der französische Toxikologe Gilles-Eric Séralini. Er hatte bei Fütterungsstudien an Ratten etwa Beunruhigendes herausgefunden: Tiere, die mit Roundup gespritzten Mais fraßen, erkrankten schneller und mit größerer Wahrscheinlichkeit an Krebs als Tiere ohne Roundup im Futter. Séralinis Arbeit wurde am 19. September 2012 publiziert, zuvor hatte die Arbeit den üblichen Begutachtungsprozess durch andere Wissenschaftler durchlaufen, das sogenannte „Peer-Review-Verfahren“. Doch kurz nach der Veröffentlichung brach ein Sturm der Entrüstung von Glyphosat-freundlichen Wissenschaftlern los.

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