Missbrauch: „Kirche hat die Täter geschützt“


Am 16. Oktober hat ein Gutachten, das das Bistum Hildesheim in Auftrag gegeben hat, festgestellt: Peter R. soll als Religionslehrer im Bistum in elf Fällen Schüler missbraucht haben. Diese Zahl zumindest konnte ihm nachgewiesen werden, Experten gehen aber von einer deutlich höheren Zahl aus.

Interview Anette Deutskens | NDR.de

Matthias Katsch, 54, ist Sprecher der Betroffeneninitiative Eckiger Tisch. Auch er wurde zwischen seinem 13. und 14. Lebensjahr von Priester Peter R., damals sein Religionslehrer am katholischen Canisiuskolleg in Berlin, sexuell missbraucht. 2010 machten er und andere ehemalige Mitschüler den Missbrauch öffentlich. Insgesamt nannten 41 ehemalige Schüler Peter R. als Täter. Peter R. arbeitete zwischen 1982 und 2003 in verschiedenen Gemeinden im Bistum Hildesheim. Er wurde für seine Taten nie strafrechtlich zur Verantwortung gezogen, die Kirche leitete trotz Aussagen von Opfern bis 2010 keine Ermittlungen ein. Als sich von 2010 an immer mehr Opfer meldeten, waren die Taten bereits verjährt. NDR.de hat mit Katsch über seine Sicht zum Gutachten und zum Umgang der Kirche damit gesprochen.

Wie ist Ihre Erinnerung an Priester Peter R.?

Matthias Katsch: Ein sehr großer Mann, übergewichtig, schon damals. Ich denke, das hat sich nicht geändert. Eher ungepflegt, Brillenträger mit Sehfehler. Kein attraktiver Mann, wenn man so will. Aber er hatte eine gewinnende Art im Umgang mit Jugendlichen. Wobei es auch Jungen gab, die ihn ganz heftig abgelehnt haben, damals schon. Aber ich glaube, er wäre nicht so „erfolgreich“ gewesen, wenn er es zum Beispiel in seiner Sprache nicht geschafft hätte, Zugänge zu uns jungen Menschen zu finden.

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