Die „ewige“ Kontroverse um Haeckels Embryos


Ernst Haeckel im Jahr 1906, als er den deutschen Monistenbund gründete. Bild: standard.de
Ernst Haeckel war der wichtigste Propagandist von Charles Darwin. Arbeitete er mit dabei Fälschungen? Nick Hopwood ging der Frage nach

Von Klaus Taschwer | derStandard.de

Sein Kampfname „General-Feldmarschall des Darwinismus“ war gut gewählt. Tatsächlich gab es nur wenige Streiter für die Evolutionstheorie, die sich so militant für sie einsetzten und damit so nachhaltigen Erfolg hatten wie der deutsche Mediziner und Biologe Ernst Haeckel (1834–1919). Wenn sein Name im Vergleich zu dem von Charles Darwin heute eher vergessen ist, so war Haeckel doch rund um den Ersten Weltkrieg im deutschsprachigen Raum ein womöglich noch bekannterer Wissenschafter als sein bewunderter englischer Kollege.

Das hatte auch außerwissenschaftliche Gründe: So ließ sich Haeckel 1904 vor dem Denkmal Giordano Brunos in Rom zum „Gegenpapst“ ausrufen. Der von ihm wenig später gegründete Monistenbund – eine Art atheistische Weltanschauungsbewegung – hatte im deutschsprachigen Raum bis zu 6.000 Mitglieder, darunter zahlreiche Universitätsprofessoren. Die Politik bezeichnete Haeckel als „angewandte Biologie“, und er selbst avancierte zum Vordenker einer sozialdarwinistischen Eugenik.

Autor zahlreicher Bestseller

Bekannt wurde Haeckel aber vor allem durch seine populärwissenschaftlichen Bücher: Sein Bestseller „Die Welträtsel“ (1899) war das bestverkaufte naturwissenschaftliche Sachbuch in Deutschland vor dem Ersten Weltkrieg. Und seine fantastisch illustrierten „Kunstformen der Natur“ (1904) sind kürzlich erst wieder in einer preiswerten Neuedition im Taschen Verlag veröffentlicht worden.

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