Sie dienten Gott und der Stasi


Logo des Ministeriums für Staatssicherheit, DDR(1990) Bild: PD

Um die Einwohner der DDR noch besser zu überwachen, hielt sich die Stasi zehntausende „Inoffizielle Mitarbeiter“. 86 von ihnen waren katholische Priester. Theologe Gregor Buß erklärt, warum sie dem Regime dienten.

Von Gabriele Höfling | katholisch.de

Es war am 26. Juni 1969 um Punkt 15 Uhr, als der Leipziger Studentenpfarrer Clemens Rosner angsteinflößenden Besuch bekam. Die beiden Männer an der Tür brauchten nicht lange, um zu erklären, dass sie etwas gegen ihn in der Hand hatten. Im Fall einer Verweigerung hatte Rosner viel zu verlieren: Jahrelang hatte er Westliteratur und andere verbotene Waren in die DDR geschmuggelt und noch dazu Geldwäsche betrieben, um jedes Jahr 80.0000 Mark aus dem Westen an die klammen Studentengemeinden im Osten zu verteilen. Also willigte in regelmäßige Treffen mit den den Stasi-Mitarbeitern ein – und war fortan „IM Rose“.

IM Kreuz, IM Pater, IM Dom

Clemens Rosner ist einer von 86 Priestern, die in der DDR als „Inoffizielle Mitarbeiter“ für die Stasi spitzelten, wie der promovierte Theologe Gregor Buß jetzt in seinem Buch „Katholische Priester und Staatssicherheit“ aufdeckt. Einige von ihnen hatten geradezu sprechende Decknamen: „IM Dom“ hieß der eine, „IM Kreuz“ der nächste, auch ein ein „IM Pater“ in den Akten. Mehrere Tausend Seiten davon hat Buß durchgeackert, dazu persönliche Gespräche mit den Betroffenen geführt, um die  Verstrickung von katholischen Priestern in die Machenschaften der Stasi zu erforschen. Gesprächsbereit waren vor allem die harmloseren Fälle, wie der 38-jährige Forscher aus Deutschland, heute an der Hebräischen Universität Jerusalem als Postdoc arbeitet, im Gespräch mit katholisch.de berichtet.

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