Was ist Intersexualität? Sechs Antworten zum dritten Geschlecht


Neben «männlich» und «weiblich» muss künftig ein dritter Eintrag im Geburtenregister möglich sein. (Bild: Peter Steffen / Keystone / DPA)
Das deutsche Bundesverfassungsgericht verlangt vom Gesetzgeber, ein drittes Geschlecht im Geburtenregister einzuführen. Was bedeutet eigentlich Intersexualität? Und in welchen Ländern ist ein drittes Geschlecht bereits anerkannt?

Von Lucien Baumgartner | Neue Zürcher Zeitung

1. Was ist Intersexualität?

Intersexuelle können nicht eindeutig dem weiblichen oder männlichen Geschlecht zugeordnet werden. Chromosomenanomalien und angeborene Geschlechtsdeformationen können dazu führen, dass das Geschlecht genetisch unklar bleibt, die Geschlechtsorgane sich nicht vollständig ausbilden oder die Hormonbildung gestört wird. Diese Anomalien werden üblicherweise unter dem Begriff der «disorders or differences of sex development syndrome» (DSD-Syndrom) zusammengefasst und sind eine medizinische Diagnose.

Der deutsche Ethikrat betonte in seiner Stellungnahme zur Intersexualität die Notwendigkeit der rechtlichen Anerkennung. Im Unterschied zu Transgendern, die sich mit dem üblichen Geschlechtsbild von Mann und Frau in ihrer sexuellen Identität ungenügend beschrieben fühlen und ein anderes soziales Geschlecht («gender») beanspruchen, haben Intersexuelle gemäss dem Ethikrat ein anderes biologisches Geschlecht («sex»). Deshalb fühlen sich Intersexuelle nicht als Mann oder Frau, sondern bilden eine eigene Genderidentität.

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