Das Pentagon lernt Go, um China zu verstehen


Gemeinsame Tafel mit u.a. den US-Ministern Tillerson und Mattis und Chinas Staatsberater Yang and General Fang, Juni 2017. Foto: US-Außenministerium / gemeinfrei
Je mächtiger das Riesenreich China wird, umso feiner und differenzierter analysiert das Establishment in Washington seinen Herausforderer

Von Hermann Ploppa | TELEPOLIS

Die höchste Überlegenheit besteht nicht darin, jede Schlacht zu gewinnen, sondern darin, den Feind zu besiegen, ohne jemals zu kämpfen.

Sunzi, chinesischer Militärstratege, 5. Jahrhundert v. u. Z

Mit zunehmendem Unbehagen wird in Washington beobachtet, in welch‘ rasantem Tempo die ehemals kommunistische Volksrepublik China dem einstmals unangefochtenen Welt-Hegemon USA ebenbürtig wird. Es besteht kein Zweifel, dass China die USA gerade als Weltmeister im Bruttosozialprodukt überholt, und auch der Wehretat Chinas macht jetzt schon ein Drittel des US-Etats aus.

Die einstmals herablassende Haltung gegenüber einem manchmal frechen Herausforderer, der sich aber bislang artig in die Pax Americana eingefügt hat, weicht einer zunehmenden Nervosität. Aber weder die pessimistische Diagnose John Mearsheimers, wonach ein Krieg gegen China unvermeidlich ist, noch pragmatische Kostenvoranschläge für einen Krieg gegen China durch die Denkfabrik RAND konnten bislang so richtig überzeugen (siehe: USA und China: Der unausweichliche kriegerische Konflikt).

In den letzten drei Jahren hat nun eine Revolution im militärstrategischen Denken in Washington stattgefunden. Der Weg zum Ziel ist eine verfeinerte Wahrnehmung kultureller chinesischer Eigenheiten, die auch in deren Militärstrategie Niederschlag gefunden haben könnte. In Washington versucht man, quasi direkt ins Gehirn der chinesischen Militärstrategie zu blicken. Könnte es vielleicht sein, dass die Chinesen die Amerikaner gar nicht im Schwergewichtsboxen herausfordern, sondern in der Schwertform des Tai Chi Chuan?

Kevin Rudd macht den Anfang. Rudd war zeitweise australischer Regierungschef. In der Innenpolitik versuchte er, die Beziehung zu den australischen Ureinwohnern deutlich zu verbessern. Der Labor-Politiker verschärfte jedoch gleichzeitig die Gangart gegen China durch militärische Aufrüstung. Die australischen Streitkräfte gelten im Gefüge der US-amerikanischen Dominanz im Pazifikraum als kleinformatig, aber dafür exzellent ausgebildet und motiviert.

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