Robert Leicht: Luther waren unsere politischen Freiheiten fremd


Der ehemalige Chefredakteur der „Zeit“, Robert Leicht, hat im zurückliegenden Festjahr zu 500 Jahren Reformation „neben manchem Vernünftigem auch viel oberflächliches PR-Material“ zur Kenntnis genommen. Dass Martin Luther (1483-1546) heute vielfach als „Vater unserer Freiheit“ gewürdigt wird, ist aus Sicht des Publizisten ahistorisch. Luther habe in seiner Zeit „bürgerliche Freiheit schlechterdings noch gar nicht denken“ können, sagte Leicht, der von 1997 bis 2003 dem Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) angehört

Von Karsten Frerichs | evangelisch.de

Ein Jahr lang haben Kirche und Staat 500 Jahre Reformation gefeiert. War das Festjahr aus Ihrer Sicht gelungen?

Robert Leicht: Man konnte ja nicht alles mitkriegen: Ob Deutschland darüber frommer und evangelischer geworden ist? Erstaunlich jedenfalls waren für mich die Berichte über die oft überfüllten, nicht selten ökumenischen Gottesdienste am Reformationstag in den Gemeinden selber. Wenn der Jahresrummel dazu beigetragen hat, umso besser. Ansonsten habe ich neben manchem Vernünftigem auch viel oberflächliches PR-Material und einige an den Haaren herbeigezogene „Aktualisierungen“ erlebt.

 

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