Kevin Spaceys Demontage ist bodenlose Heuchelei


Regisseur Alfred Hitchcock soll die Schauspielerin Tippi Hedren belästigt haben Quelle: picture alliance / Everett Colle
Nach den Vorwürfen des Missbrauchs will die Filmbranche von Kevin Spacey nichts mehr wissen. Aber wenn wir alle übergriffigen Künstler verbannen wollen, müssten wir auch unsere Bibliotheken säubern.

Von Claudia Becker | DIE WELT

Er soll sich 1986 an den 14-jährigen Anthony Rapp herangemacht haben und auch sonst ein schlimmer Finger gewesen sein. In dieser Woche behauptete schließlich die TV-Moderatorin Heather Unruh, Kevin Spacey, 58, habe ihrem 18-jährigen Sohn an einer Bar in Massachusetts entgegen der Alkoholfreigabe ab 21 Jahren Drinks spendiert – und ihm in die Hose gefasst.

Wenn nur ein Teil von dem stimmt, was Kevin Spacey vorgeworfen wird, dann hat er sich schwerster Verbrechen schuldig gemacht: Der rücksichtslosen Grenzüberschreitung, der sexuellen Gewalt. Kaum verwunderlich, dass es ein großes Bedürfnis gibt, den Megastar unsichtbar zu machen. Nachdem der Streamingdienst Netflix dem Hauptdarsteller der Erfolgsserie „House of Cards“ gekündigt und den Film „Gore“ gestoppt hat, zeigt sich Regisseur Ridley Scott jetzt von einer neuen ungeahnten Radikalität und schneidet aus dem Film „Alles Geld der Welt“ einfach heraus.

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