Schriftsteller Elsberg über CRISPR/Cas9: Was, wenn Gott sich geirrt hat?


Marc Elsberg, geboren 1967 in Wien, heißt eigentlich Marcus Rafelsberger. Sein literarisches Debüt erfolgte 2000 mit dem satirischen Roman Saubermann. Foto: Lukas Ilgner
In der postfaktischen Debatte über Gentechnik werden Dinge vermengt, die man auseinanderhalten sollte

Von Marc Elsberg | derStandard.at

Riesenbuchstaben an einer Wand im Wintergarten des Instituts für Molekularbiologie Austria (IMBA), eine Arbeit des Künstlers Lukas Troberg, stellen diese provokante Frage: „What if God was wrong?“ Damit trifft sie für viele ins Herz einer Diskussion, die seit Jahrzehnten so erbittert wie wenige andere geführt wird.

Die Debatte um Gentechnik und gentechnisch veränderte Organismen (GVOs) war vielleicht die erste „postfaktische“ überhaupt. Seit Jahrzehnten beflegeln sich Gegner und Befürworter höchst emotional mit übelsten Beschimpfungen und Unterstellungen, hantieren mit „alternativen Fakten“ und „Fake-News“ – lange vor Erfindung dieser Neusprechbegriffe für Lügen. „Frankenfood“ oder „Gen-Scheiß“, brüllen die einen, „hunderttausendfachen Mord“, gar einen „stillen Holocaust“ werfen dagegen etwa Befürworter von Golden Rice den Anbaugegnern vor – die gentechnisch veränderte Sorte soll Vitamin-A-Mangel in Entwicklungsgebieten beheben. Auf beiden Seiten werden Studien gefälscht oder falsch zitiert, Argumente verdreht oder ignoriert, Inhalte auf Slogans und Parolen reduziert.

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