Wie sich Erdogan des Fussballs bemächtigt


Bild: NZZ
Die Türkei bleibt der Fussball-WM 2018 trotz Grossinvestitionen fern – im Gegensatz zur Schweiz. Die politische Verhärtung schlägt auf den Fussball durch. Staatspräsident Erdogan ist omnipräsent.

Von Peter B. Birrer | Neue Zürcher Zeitung

Auf der Erde ist die Symbolik nicht zu erkennen, da blickt man besser mit Google-Earth vom Himmel auf das neue Zentrum des türkischen Fussballverbands. Hier der Stern, dort die Mondsichel – die Zeichen der Nationalflagge, in Beton gegossen. In Riva, weit ausserhalb von Istanbul am Schwarzen Meer, zeigt sich die Opulenz des Fussballs. Terrains, Hotel, Büros, Restaurant sowie ein Rehabilitationszentrum, das nur die A-Auswahl benutzt. An den Wänden in den langen Gängen hängen unzählige Bilder früherer Nationaltrainer und Nationalspieler. Alles ausgeleuchtet. Hier wird die Geschichte hervorgeholt.

Im Vergleich mit der türkischen Anordnung mit Mondsichel und Stern ist der Sitz des Schweizerischen Fussballverbands in Muri bei Bern ein Häuschen. Doch die Differenz spiegelt sich nicht auf dem Terrain. Während die Türken die WM deutlich verpasst haben und 2018 zum vierten Mal in Folge abwesend sein werden, hält die Schweiz ihre Flughöhe. Sie hat zwar nur ein Häuschen und keinen Palast, sie hat acht statt 80 Millionen Einwohner, reist aber seit 2006 an die WM. Sie investiert in Manpower, nicht in Beton und Legenden. «Unser Team hinkt den Investitionen hinterher», sagt Servet Yardimici, der Vizepräsident des türkischen Verbandes, «wir suchen eine neue Generation – wie die Niederländer.» Er zeigt auf eine Waldkuppe und sagt: «Dort bauen wir weiter – alles für den Nachwuchs.»

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