Wo Muslimbrüder für Frauenrechte kämpfen


Eine missbrauchte Frau in Jordanien, die in einem Heim Schutz vor ihrer Familie fand, verhüllt ihr Gesicht. (Bild: Ali Jarekji / Reuters)
Nach Tunesien hat auch Jordanien dafür gesorgt, dass Vergewaltiger künftig nicht mehr straffrei bleiben, wenn sie ihr Opfer heiraten. Moderate Islamisten tragen die Neuerung mit.

Von Ulrich Schmid | Neue Zürcher Zeitung

Für jemanden, den es nicht gibt, ist Dima Tahboub sehr präsent. Eloquent hat die jordanische Parlamentarierin dem Gast erklärt, warum sie im August für die Abschaffung des Gesetzes gestimmt hat, das Vergewaltigern Straffreiheit gewährt, wenn sie ihre Opfer heiraten. «Gewalttat ist Gewalttat», sagt Tahboub. «Wir machen keine Kompromisse. Verbrecher werden nicht belohnt.» Die 41-jährige, sehr israelkritische Palästinenserin hat in Manchester doktoriert, ist Autorin, sieht sich als Feministin – und ist Mitglied der Islamischen Aktionsfront, des politischen Arms der Muslimbrüder. «Das macht mich wohl zur moderaten Islamistin», sagt Tahboub. «Und damit zu einer, die es für viele Europäer gar nicht geben kann.»

Morden als Akt der Ehre

Es weht ein frischer Wind durchs Morgenland – just zu einer Zeit, in der viele im Abendland an einer neuen Borniertheit Gefallen finden, die alles verteufelt, was mit Islam zu tun hat. Muslimische Frauen kämpfen hart für ihre Rechte, und sie gewinnen – nicht nur in Saudiarabien, wo sie eben medienwirksam das Recht erhalten haben, Auto zu fahren. Anfang August hat Jordanien mit weit weniger Trara sehr viel mehr erreicht. Im Parlament ist ein ganzes Gesetzespaket angenommen worden. Es macht nicht nur Schluss mit der Straffreiheit für Vergewaltiger, dem Paragrafen 308.

weiterlesen