„Ich habe mit dem Begriff ‚Glauben‘ ein Problem“


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Alexander Waschkau ist Atheist, Eduard Habsburg-Lothringen Katholik – und beide sind gute Freunde. Für das letzte „Glaubensgespräch“ haben sie sich darüber unterhalten, was ihnen im Leben Kraft gibt.

Von Johanna Heckeley | katholisch.de

Für den letzten Teil der Serie „Glaubensgespräche“ diskutieren der Atheist Alexander Waschkau (41) und der Katholik Eduard von Habsburg-Lothringen (50) miteinander. Der Hamburger Psychologe und der Botschafter Ungarns beim Heiligen Stuhl haben sich über den Podcast „Hoaxilla“ von Alexander Waschkau und seiner Frau Alexa kennengelernt, über den sie Diskussionen führten. Seit fast vier Jahren machen sie selbst gemeinsam Podcasts zum Thema „Glaubenssache. Atheismus und Katholizismus im Diskurs“. Das sechste Glaubensgespräch findet, wegen der großen Entfernung, über Skype statt. Schon vor der ersten Frage entspinnt sich eine lebhafte Diskussion.

Eduard Habsburg-Lothringen: Unsere gemeinsame Theorie ist, dass, obwohl der eine glaubt und der andere nicht, Alexander und ich in unseren Grundprinzipien sehr nahe sind.

Frage: Woran glauben Sie denn?

Habsburg-Lothringen: Ich glaube, dass es einen Gott gibt, der nicht nur die ganze Welt, sondern auch mich erschaffen hat, der mich schrecklich gern hat und sehr gut kennt. Ich glaube also an eine persönliche Beziehung zu jemandem, mit dem man sein Leben verbringen kann. Das hat natürlich Konsequenzen für meinen Alltag und mein Verhalten, denn ich muss meinen Glauben leben, sodass es für andere spürbar ist. Ich versuche also, andere Menschen zu lieben, so gut ich kann, weil ich als Christ glaube, dass Gott das von mir möchte.

Alexander Waschkau: Ich habe mit dem Begriff „Glauben“ ein Problem und würde die Frage für mich umformulieren: Ich bin der Überzeugung, dass es keine höhere Macht gibt, die auf irgendeine Weise in einer Beziehung zu mir oder anderen Menschen steht. Zeitgleich bin ich der Überzeugung, dass die Menschheit insgesamt besser funktionieren würde, wenn wir alle humanistische Grundprinzipien annähmen. Wenn ich zu jedem Menschen, dem ich begegne, gut wäre, und er mir gegenüber auch gut wäre, hätten wir das Paradies auf Erden, um diesen religiösen Begriff zu entlehnen. Wenn alle Menschen humanistischen Grundprinzipien anhängen würden, bräuchten wir nicht unbedingt eine Religion. Es gibt Elemente der Religion, die dem Humanismus sehr nahe kommen, wie die Zehn Gebote. Weiter kondensiert wäre das der Kategorische Imperativ von Immanuel Kant, also nur nach der Maxime zu handeln, die jederzeit zugleich als Prinzip einer allgemeinen Gesetzgebung gelten könnte. Man muss also nicht gläubig sein, um die Zehn Gebote als gute Vorgaben zu sehen. Wenn sich alle an sie hielten, wären wir auch schon ein Stück weiter.

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