Orient-Experte: Es gibt keine „gemäßigte“ Opposition in Syrien

Bild: Chronicle Syria/Flickr
Prof. Winkler: Alle Fraktionen de facto islamistisch und nicht bereit, den Christen das gleiche Bürgerrecht zuzugestehen – Als gleichberechtigte Bürger könnten Christen derzeit praktisch nur unter Assad leben

kath.net

Die Christen im Nahen Osten hätten ein Recht darauf, als gleichberechtigte Bürger in ihrer Heimat zu leben. Das hat der Salzburger Orient-Experte Prof. Dietmar Winkler bei einer Informationsveranstaltung der Stiftung „Pro Oriente“ am Montagabend in Wien betont. Im Blick auf Syrien meinte Winkler, dass dies derzeit praktisch nur unter Präsident Assad möglich sei. Für die Christen und die Mitglieder anderer minoritärer Religionsgemeinschaften stelle sich die Frage, was es für Alternativen zu Assad geben könne. Die sogenannte demokratische Opposition, die 2011 noch anfänglich bemerkbar gewesen sei, gebe es nicht mehr; die im Westen als „gemäßigt“ deklarierten Fraktionen seien de facto alle islamistisch und nicht bereit, den Christen das gleiche Bürgerrecht zuzugestehen.

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Hartnäckige Fake News

„Wenn die Bienen verschwinden, hat der Mensch nur noch vier Jahre zu leben“ – stammt wohl doch nicht von Einstein. © fotolia/Jag_cz
Schwankenden Wahrheitsgehalt ortet Martin Rasper in seinem lehrreichen „Buch der falschen Zitate“.

Von Heiner Boberski | Wiener Zeitung

„No sports!“ Mit diesen Worten erklärte angeblich der legendäre britische Staatsmann Winston Churchill, warum er so lange politisch aktiv bleiben und ein hohes Alter erreichen konnte. Vor allem Zeitgenossen, die dem Alkohol und dem Nikotin zuneigen und wenig Interesse an körperlicher Anstrengung haben, verwenden gerne dieses Zitat, da es auch bei einem eher ungesunden Lebenswandel lange Rüstigkeit verheißt.

Dabei hat Churchill, wie der deutsche Journalist Martin Rasper schon im Titel seines neuen Buches festhält, diese Aussage nie gemacht. Sie ist auch in Großbritannien völlig unbekannt, dagegen aber – ungefähr seit den 1960er Jahren – in deutschen Landen verbreitet. Vor allem in jungen Jahren war Churchill sehr sportlich, insbesondere als Reiter, ein echtes Zitat von ihm lautet: „Keine Stunde Lebenszeit, die man im Sattel verbringt, ist vergeudet.“ In Raspers Klassifikation von Zitaten hat „No sports!“ einen Wahrheitsgehalt von null Prozent, wer Churchill als Erster diese Worte in den Mund gelegt hat, ist freilich unbekannt. Bei einem anderen angeblichen Churchill-Satz, „Traue keiner Statistik, die du nicht selbst gefälscht hast“, ist sehr wahrscheinlich, dass er auf Nazipropaganda zurückgeht. Auch dieses „Zitat“ hat laut Martin Rasper einen Wahrheitsgehalt von null Prozent.

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Mitteldeutsche Kirche bittet um Vergebung – „Versagen in DDR-Zeit“

CDU-Plakat, 1975
Die Evangelische Kirche in Mitteldeutschland (EKM) hat „Irrwege, Unrecht, Verrat und Versagen der Kirchen und ihrer Verantwortungsträger in der Zeit zwischen 1945 und 1989“ eingestanden.

evangelisch.de

„Wir bitten Gott und die Menschen, die durch die Kirchen und ihre Mitarbeitenden geschädigt wurden, um Vergebung“, heißt es in einer Erklärung des Landeskirchenrates, die am Mittwoch, dem Buß- und Bettag, während eines Gottesdienstes zu Beginn der Synode in der Erfurter Michaeliskirche verlesen wurde.

Zwar seien die Machthaber in der Sowjetischen Besatzungszone und später in der DDR damit gescheitert, den christlichen Glauben zu beseitigen oder das kirchliche Leben ihren Zielen vollständig zu unterwerfen. Auch hätten viele Christen widerstanden, sich nicht erpressen und locken lassen. In der Erklärung heißt es dann aber: „Wir haben staatlichem Druck zu oft nicht standgehalten.“ Auch sei Unrecht oft nicht deutlich genug widersprochen worden.

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»Human Roots Award« an den Evolutionsbiologen Richard Dawkins überreicht

Richard Dawkins, Screengrab
Am 10. November 2017 verlieh das Archäologische Forschungszentrum und Museum für menschliche Verhaltensevolution MONREPOS zum ersten Mal den »Human Roots Award« für herausragende wissenschaftliche Leistungen und ihren Einfluss auf die Archäologie der Menschwerdung. Mehr als 100 geladene Gäste aus dem In- und Ausland waren anwesend, als der mit 10.000 Euro dotierte Preis an den Evolutionsbiologen und Ethologen Professor Richard Dawkins übergeben wurde. Ausgezeichnet wurde er für die Bedeutung seiner Forschung auf das Verständnis der menschlichen Verhaltensevolution. Dawkins blieb über eine Woche zu Gast in Neuwied, um sich unter anderem mit den Wissenschaftlern in MONREPOS auszutauschen.
Christina Nitzsche Bildung und Kommunikation
Römisch-Germanisches Zentralmuseum (RGZM) – Leibniz-Forschungsinstitut für Archäologie

„Wir wollen mit dem Preis den interdisziplinären wissenschaftlichen Dialog fördern und das öffentliche Bewusstsein für die Relevanz der Erkenntnisse aus der Erforschung der Menschwerdung für die Zukunft der Menschheit schaffen“, so beschrieb Prof. Sabine Gaudzinski-Windheuser, Leiterin von MONREPOS, die Bedeutung des neu geschaffenen Preises. Mit dem Award solle aus der archäologischen Sicht auf die „Menschwerdung“ und dem Blick auf das „Menschsein“ heute eine Brücke zwischen zum „Menschbleiben“ in der Zukunft geschlagen werden. Denn nur mit einer solchen humanistischen Agenda lasse sich die Zukunft der Menschheit nachhaltig gestalten.

In Vertretung seines Vaters, Prof. Irenäus Eibl-Eibesfeldt, dem Begründer der Humanethologie sowie Schirmherren des Preises, richtete Dr. Bernolf Eibl-Eibesfeldt ein Grußwort an die Gäste. Er freue sich besonders darüber, dass ein derart renommierter Wissenschaftler wie Richard Dawkins mit dem ersten »Human Roots Award« ausgezeichnet wurde.

Die Laudatoren, Dr. Lutz Kindler und Dr. Olaf Jöris, beide MONREPOS, zeichneten das wissenschaftliche Wirken Dawkins‘ nach und betonten seinen Einfluss auf die Erforschung der Menschwerdung und auf die Vermittlung von Wissenschaft. „Niemand setzt sich so sehr für die Anerkennung der Evolution als Fakt ein wie Richard Dawkins“, trug Kindler vor, „nicht nur um die Natur zu begreifen, sondern auch, um unser menschliches Selbstbild zu verstehen“. Dies mache ihn zu einem führenden Denker unserer Zeit. Seine Sicht auf die natürliche Selektion reiche weit über die Grenzen der Evolutionstheorie hinaus und habe eine enorme Auswirkung auf die Art und Weise, wie die Archäologie die Evolution des menschlichen Verhaltens untersucht und zu erklären versucht. „So ist Richard Dawkins nicht nur einer der Gründungsväter der Soziobiologie […], er ist zudem richtungsweisend für alle Disziplinen, die an der Schnittstelle zwischen Geisteswissenschaften, Sozial- und Biowissenschaften arbeiten, ganz wie wir hier in Monrepos unsere Archäologie verstehen.“

Jöris brachte in seinem Beitrag Dawkins’ Sicht auf die Bedeutung von Wissenschaft für die Gesellschaft („Public understanding of Science“) auf den Punkt: „Wissenschaft ist bedeutungslos oder überflüssig, wenn sie keine Konsequenzen für unser Leben und für unsere Zukunft hat!“. So setze sich auch MONREPOS unter anderem mit seiner Dauerausstellung »MenschlICHes VERSTEHEN« dafür ein, seine Forschungsergebnisse einer breiten Öffentlichkeit zu präsentieren und dieser ihre Verantwortung für die Zukunft aufzuzeigen. Mit den Worten „Wie unsere zukünftige Welt aussehen wird, liegt in unseren Händen. Unser Menschbleiben hängt von der Summe der Erkenntnisse ab, die wir den Forschungen zum Menschsein heute entlocken, sowie den Einsichten aus unserer tiefen Vergangenheit, die im Pleistozän begann und in der sich unsere heutigen Verhaltensweisen formten und akkumulierten“, schloss Jöris seine Laudatio und leite zur Preisverleihung durch Eibl-Eibesfeldt über.

Dawkins zeigte sich gerührt von der Auszeichnung und widmete seinen Vortrag der Kernaussage all seiner wissenschaftlichen Arbeiten: der Bedeutung des Gens als zentraler Selektionseinheit der Evolution. Dass Wissenschaft keine trockene Materie ist, zeigte sich im Anschluss der Preisverleihung. Bis tief in die Nacht feierten die Gäste mit dem Preisträger.

Am nächsten Tag schloss eine Frühstücksdebatte zum Thema „Menschliche Universalien“ das Programm ab. 18 Teilnehmer – international renommierte Wissenschaftler aus den Bereichen Archäologie, Ethnologie, Sozialpsychologie, Physik, Philosophie, den Politik- und Wirtschaftswissenschaften – diskutierten über Ursachen und Formen innerartlicher Gewalt unter der Fragestellung „Ist der Mensch eine aggressive Spezies?“. Die Frage „Woher kommt unsere menschliche Historizität?“ leitete das zweite Thema der belebten Debatte ein. Bei beiden Fragen ging es wesentlich darum, sich einer Antwort zu nähern, die zu erkennen hilft, was den Menschen von Natur aus auszeichnet, und welches der Grad der kulturellen Überprägung oder Modulation seiner ist – ein Thema für weitere Debatten, das nur inter- bzw. transdisziplinär angegangen werden kann.

Die Verleihung des »Human Roots Award« lenke den Blick auf einen besonderen Forschungszweig des Römisch-Germanischen Zentralmuseums, sagte der rheinland-pfälzische Wissenschaftsminister Prof. Dr. Konrad Wolf in einer Stellungnahme. „Mit seiner Außenstelle MONREPOS vermittelt es anschaulich und innovativ, wie sich menschliches Verhalten in der Frühzeit entwickelt hat und welche Verhaltensweisen bis heute fortwirken. Die Qualität der Forschungsleistungen und die Besonderheit des Vermittlungsansatzes von MONREPOS sind weithin anerkannt und wurden erst im letzten Jahr durch eine wissenschaftlichen Begutachtung als besonders positiv herausgestellt.“

Möglich gemacht wurde die Preisverleihung durch das private Engagement von Prof. Dr. Max Otte, einem bekannten deutsch-amerikanischen Wirtschaftswissenschaftler, der das Preisgeld großzügig zur Verfügung stellte.

„Die positive Resonanz der Gäste und aller Beteiligten ist auch von Einfluss für künftige Aktivitäten in MONREPOS“, berichtet Sabine Gaudzinski-Windheuser kurz nach der Veranstaltung. Zur nächsten Preisverleihung käme Dawkins gerne wieder als Gast nach MONREPOS, so die Abschiedsworte des Preisträgers nach seinem einwöchigen Aufenthalt in Neuwied.

Koordination
Univ.-Prof. Dr. Sabine Gaudzinski-Windheuser, Dr. Olaf Jöris; Dr. Lutz Kindler

Kontakt
Dr. Olaf Jöris | Tel.: +49 (0) 2631 9772 14 | Mail: joeris@rgzm.de

Pressestelle des RGZM
Ebru Esmen M.A. | Tel.: +49 (0) 6131 9124 165 | Mail: esmen@rgzm.de

Ein neu gegründeter Verein unterstützt geflüchtete Ex-Muslime in Deutschland

Bild: hpd.de
„Ich hatte das Gefühl, Saudi-Arabien nie verlassen zu haben!“ Mit diesen Worten charakterisierte die Ex-Muslimin Rana Ahmad die Situation in dem Kölner Flüchtlingslager, in dem man sie nach ihrer Flucht aus Saudi-Arabien untergebracht hatte. Die besonderen Probleme von Ex-Muslimen, die vor dem politischen Islam nach Deutschland geflüchtet sind und in Flüchtlingslagern mit streng gläubigen Muslimen zusammenleben müssen, werden noch immer sträflich ignoriert. Um diesen Missstand zu beheben, wurde in Köln der Verein „Säkulare Flüchtlingshilfe“ gegründet, der am vergangenen Freitag beim internationalen Festakt „10 Jahre Ex-Muslime“ der Öffentlichkeit vorgestellt wurde.

hpd.de

Mit Unterstützung des Zentralrats der Ex-Muslime und der Giordano-Bruno-Stiftung hat der Verein eine Broschüre herausgebracht, die die „Herausforderungen und Ziele der Säkularen Flüchtlingshilfe“ (siehe Anlage) beschreibt. Die Broschüre zeigt die politischen Forderungen des Vereins auf, geht aber auch auf die Geschichte von Rana Ahmad ein, die in Köln feststellen musste, dass die Gefahr, vor der sie geflohen war, mit ihr gereist war, nämlich in Gestalt anderer Flüchtlinge. Rana wurde in Deutschland von streng gläubigen Muslimen bedroht – wie zuvor in Saudi-Arabien. Sie musste um ihr Leben fürchten – wie in Saudi-Arabien. In ihrer Verzweiflung nahm sie Kontakt zum Zentralrat der Ex-Muslime und zur gbs Köln auf und entschloss sich, mit ihrer Geschichte in die Öffentlichkeit zu gehen. Schon im Juni 2016 erschien ein erster großer Artikel in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, im September war sie gleich zwei Mal in der Sendung sternTV zu Gast.

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Erdoğans Kampf gegen die USA lässt die Lira stürzen

Mit dem Heranrücken eines brisanten Gerichtsverfahrens in New York verschärft Erdoğan die Gangart gegenüber den USA

Von Markus Bernath | derStandard.at

Als die türkische Zentralbank an den Schrauben dreht und das Kreditlimit ihres wichtigsten Leitzinssatzes auf null setzt, um den Sturz der Lira zu stoppen, da tritt Tayyip Erdoğan vor die Parlamentsabgeordneten seiner Regierungspartei und attackiert die USA. Und als Zentralbankchef Murat Çetinkaya erklärt, er wüsste, es gebe da ein großes Problem, aber er wüsste auch, was zu tun sei, da spricht Erdoğan von Verschwörungen in Washington gegen ihn und sein Land. Ein weiterer Tag zur Rettung der Lira versinkt am Dienstag in der Schlacht, die sich der türkische Staatspräsident mit Amerika und dem Westen liefert.

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Terroristen agieren von der Schweiz aus

Auch die extremistische Organisation al-Shabab hat Verbindungen zu al-Kaida. (Bild: Farah Abdi Warsameh / AP)
In der Schweiz leben mutmasslich mehrere al-Kaida-Mitglieder. Die Geheimdienste können ihr Wissen darüber wegen des Quellenschutzes aber nicht an die Strafverfolger weitergeben.

Von Marcel Gyr | Neue Zürcher Zeitung

Dass sich Terroristen aus aller Welt die Schweiz als Ruheraum aussuchten, ist nicht bloss ein seltsam anmutendes Relikt aus der Mottenkiste der Zeitgeschichte. Laut Angaben des Genfer Terrorexperten Jean-Paul Rouiller diente das Land Jihadisten bis 2012 als Basis für ihre terroristischen Aktivitäten. Das habe sich erst mit der Einführung des Bundesgesetzes über das Verbot der Gruppierungen «Al-Qaïda» und «Islamischer Staat» sowie verwandter Organisationen (IS-Gesetz) geändert. Dank der Gesetzesnovelle bestehe erstmals eine rechtliche Handhabe, gegen mutmassliche Terroristen auch dann vorzugehen, wenn sie sich im Gastland selber nichts zuschulden kommen liessen.

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Dodo Schavan: Papst überfordert nicht bei Migration, er ermutigt

Annette Schavan (Bild: Wikimedia Commons/Laurence Chaperon, CC-BY-SA 3.0)

„Der Papst ist kein Fantast. Er weiß, wie anspruchsvoll Integration in jeder Gesellschaft ist“, betont die deutsche Vatikanbotschafterin und Ex-Bildungsministerin

kath.net

Nach Ansicht der deutschen Vatikanbotschafterin Annette Schavan überfordert der Papst mit seinen Appellen zur Aufnahme von Migranten und Flüchtlingen die Menschen nicht, sondern ermutigt sie. In einem Interview mit der Nachrichtenagentur Kathpress sagte sie am Dienstag in Rom: „Der Papst ist kein Fantast, er macht sich keine Illusionen. Er weiß, wie anspruchsvoll Integration in jeder Gesellschaft ist.“

Allerdings erinnere er daran, dass Schwierigkeiten niemals als Ausrede dafür dienen dürften, sich aus der Verantwortung zu ziehen. Mit dem Schicksal der Flüchtlinge und dem Umgang mit ihnen sei der Kern der christlichen Botschaft angesprochen. Insgesamt erlebe sie die Amtsführung von Franziskus „als immer wiederkehrenden Aufruf zur Erneuerung“. Er führe der Welt vor: „Ihr habt mehr Potenzial, als ihr denkt“, so Schavan. Das gelte sowohl für die Kirche als auch für die Politik.

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Spanische Polizisten: „Hitler war ein guter Mann“

Bild: Krokodyl/CC BY-3.0
Madrider Polizisten wünschen ihrer Bürgermeisterin den langsamen Tod und meinen, die „Schornsteine“ sollten wieder rauchen

Von Ralf Streck | TELEPOLIS

Was so zum Teil in spanischen Polizeikreisen gedacht wird, hat die Zeitung eldiario.es nun der breiten Öffentlichkeit unter die Nase gerieben. Sie hat Nachrichten veröffentlicht, die sich Polizisten in Madrid per WhatsApp zugeschickt haben.

Viele der Nachrichten richten sich explizit gegen die „rote“ Bürgermeisterin Manuela Carmena, die mit der linken Bürgerkandidatur „Ahora Madrid“ (Jetzt Madrid) vor zweieinhalb Jahren die Wahlen gewonnen hat. Dass eine von der Linkspartei Podemos (Wir können es) gestützte Kandidatur die spanische Hauptstadt regiert, geht einigen Ordnungshütern offensichtlich massiv gegen den Strich. Einige Ordnungshüter gehen so weit und wünschen der „großen roten Scheiß-Hurentochter“ einen „langsamen Tod“. Die „alte Hure soll endlich verrecken“, schreibt ein anderer.

Bedauert wird, dass die frühere Anwältin beim Anschlag auf das Anwaltsbüro im Januar vor 40 Jahren überlebt hat. Ein Anlass, an dem der Ton so richtig hochgekocht ist, war, dass Carmena das brutale Vorgehen von Polizei und paramilitärischerGuardia Civil beim Unabhängigkeitsreferendum in Katalonien am 1. Oktober als „schlimmen Fehler“ bezeichnet hatte, was sie „sehr traurig“ mache. „Es ist ein Horror, dass sie nicht im Büro war, als ihre Kollegen in Atocha ermordet wurden“, schreibt ein Polizist.

Gemeint ist das Massaker an linken Anwälten in Madrid am 24. Januar 1977. Gehandelt wird der Anschlag als „spätfranquistischer Terrorismus“, von rechtsradikalen Anhängern der Diktatur verübt (Franco war am 20. November 1975 gestorben). Fünf Anwälte wurden dabei ermordet und vier Personen schwer verletzt. „Mich traf es nicht, weil ich ein Treffen an einen anderen Ort verlegt hatte“, erklärte die Bürgermeisterin.

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Hessen: Schwarz-Grün will Staatstrojaner

Was darf der Verfassungsschutz? Foto: Britta Pedersen (dpa-Zentralbild)
Die hessische Regierungskoalition hält an den neuen Befugnissen für den Verfassungsschutz fest – trotz des gegenteiligen Parteitags-Votums der Grünen vom Wochenende.

Von Pitt von Bebenburg | Frankfurter Rundschau

Die Opposition im Landtag hat die schwarz-grüne Koalition scharf wegen des geplanten Verfassungsschutzgesetzes angegriffen. „Das fällt zurück in die Zeiten des schwarzen Sheriffs Volker Bouffier“, sagte die SPD-Innenpolitikerin Nancy Faeser bei einer Debatte am Dienstagabend im Landtag in Wiesbaden.

Faeser und die Redner von Linken und FDP, Janine Wissler und Wolfgang Greilich, zeigten sich erstaunt, dass die Grünen im Landtag ein solches Gesetz mittragen. Die Oppositionsabgeordneten unterstützten das Votum des Grünen-Parteitags vom Wochenende, den Entwurf in dieser Form zurückzuziehen.

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Zuckerindustrie manipulierte Forschung

Zuviel Zucker ist ungesund – doch die Zuckerlobby will uns etwas anderes weismachen. © Pat Herman/ freeimages
Gezielte Manipulation: Die amerikanische Zuckerindustrie hat offenbar jahrzehntelang unbequeme Studienergebnisse unter Verschluss gehalten. Eine Auswertung interner Dokumente zeigt: Eine in den 1960er Jahren von der Branche selbst geförderte Untersuchung zu den gesundheitlichen Auswirkungen von Haushaltszucker wurde gestoppt, als erste Resultate einen Zusammenhang mit Herzleiden und Tumorerkrankungen nahelegten. Die Ergebnisse sind bis heute nicht veröffentlicht worden.

scinexx

Zucker schmeckt allen – egal ob in Getränken, Fast Food oder Süßigkeiten. Doch der süße Stoff ist alles andere als gesund. Zuviel davon erhöht das Risiko für Karies, Übergewicht, Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Um die Gesundheitskassen vor den Folgekosten zu bewahren, empfiehlt die Weltgesundheitsorganisation (WHO) Regierungen daher schon lange, spezielle Steuern auf zuckerhaltige Produkte zu erheben. Und tatsächlich führen immer mehr Länder und Städte zum Beispiel Lenkungssteuern auf Limonaden ein oder beschränken zulässige Bechergrößen.

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USA: Probleme mit der Wirklichkeit in Syrien

Das Rukban-Flüchtlingslager. Screenshot Video/YouTube
In der US-„Einflusszone“ im Südwesten droht 50.000 Personen im Flüchtlingslager Rukban eine humanitäre Katastrophe. Jordanien will nicht helfen. Wie es aussieht, ist man auf Damaskus angewiesen

Von Thomas Pany | TELEPOLIS

Der US-Journalist Sam Heller ist kein Freund von Baschar al-Assad oder Wladimir Putin. In einfache Lagerschablonen ist seine Kritik etwa am magischen Denken der Unterstützer der syrischen Opposition, welche die Dominanz der Dschihadisten völlig falsch einschätzten, nicht unterzubringen und damit abzutun.

Heller spricht stets vom „syrischen Regime“ und nur selten, wenn überhaupt von der syrischen Regierung, seine Sympathien liegen woanders. Seine Kritik am US-amerikanischen Vorgehen in Syrien ist auch nicht mit dem Etikett „Anti-Amerikanismus“ zu erledigen. Wo er präzise argumentiert, trifft er wunde Punkte.

In seinem aktuellen Bericht demonstriert er an einem Ausschnitt exemplarisch das große Problem, das die USA in Syrien haben: Es ist ein Problem mit der Wirklichkeit am Boden, die nicht kongruent ist mit den großen Schachbrett-Vorstellungen. Laut Heller kursieren in Washington Pläne, wonach die USA und ihre Verbündeten „das Assad-Regime“ wie auch Russland mit wirtschaftlichen Hebeln zu einem politischen Übergangsprozess in Syrien zwingen könnten, der letztlich Assad aus seinem Amt entfernt.

Dieser Grand Strategy, in der die USA die Führungsrolle spielen wollen und Institutionen wie die Weltbank für eine Blockade- und Isolationspolitik vereinnahmt werden sollen, stellt Heller ein desillusionierendes Scheitern schon in einem begrenzten Gelände gegenüber. Es geht um den Südosten Syriens, wo die USA in al-Tanf (auch al-Tanaf geschrieben) einen Posten haben.

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Falsche Freunde können Einbürgerung verhindern

Nichtig, die Einbürgerung © MiG
Wer mit Menschen verkehrt, die der Muslim-Bruderschaft nahestehen, hat keinen Anspruch auf Einbürgerung. Das entschied der Hessische Verwaltungsgerichtshof im Fall eines staatenlosen Palästinensers. Er hatte in erster Instanz noch Recht bekommen.

MiGAZIN

Wer mit Menschen verkehrt, die der verfassungsfeindlichen Muslim-Bruderschaft nahestehen, kann nicht die deutsche Staatsangehörigkeit erwerben. Mit diesem Urteil hob der Hessische Verwaltungsgerichtshof am Dienstag ein Urteil des Verwaltungsgerichts Gießen auf und wies damit die Klage eines staatenlosen Palästinensers auf Einbürgerung ab. (AZ: 5 A 2126/16)

Tatsächliche Anhaltspunkte rechtfertigten die Annahme, dass der Kläger Bestrebungen gegen die freiheitlich-demokratische Grundordnung unterstützte, hieß es in der Urteilsbegründung. Nach Auffassung der Richter steht der Kläger Personen nahe, die ihrerseits eine Nähe zur verfassungsfeindlichen Muslim-Bruderschaft aufweisen.

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Begehen Flüchtlinge mehr Sexualstraftaten?

Im Sog der Gruppe: Sexualstraftaten mit mehreren Tätern haben zugenommen. Auch in der Silvesternacht 2015 kam es zu solchen Übergriffen. ©DPA
15 Prozent der Tatverdächtigen sind Zuwanderer. Werden sie öfter angezeigt – oder ist ihr Anteil ähnlich hoch? Forscher füllen jetzt die Lücken in der Statistik. Ihre Hauptaufgabe: Genauer zu differenzieren als die Polizei.

Von Lydia Rosenfelder | Frankfurter Allgemeine

Als Frau muss man heute nicht mehr Angst vor sexuellen Übergriffen haben als noch vor ein paar Jahren. Die allgemeine Sicherheitslage in Deutschland hat sich nicht verschlechtert. Die Mehrzahl der sexuellen Übergriffe ereignet sich nach wie vor nicht im öffentlichen Raum, sondern im privaten Umfeld. Aber die Fälle, wo Frauen in der Öffentlichkeit sexuelle Gewalt erfahren, haben einen großen Effekt auf das Sicherheitsgefühl der Gesellschaft.

Wer erfahren will, ob Sexualstraftaten in den vergangenen Jahren in Deutschland zugenommen haben und ob Flüchtlinge daran in überproportional hohem Maße beteiligt sind, kann sich bisher nur an der polizeilichen Kriminalstatistik orientieren. Die gibt jedoch lediglich Auskunft über die Fälle, die den Behörden bekanntwurden. Sie ist ein Arbeitsnachweis der Polizei. Aber was sagt sie eigentlich aus?

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Philosoph Christoph Türcke: „Man braucht die Schulen eigentlich nicht mehr“

foto: imago / christian grube Christoph Türcke warnt vor einem neoliberalen Bildungssystem, in dem die Lehrer durch Maschinen und Programme ersetzt werden.

Christoph Türcke über die Ökonomisierung des Bildungsbetriebs, Lehrer, die zu Lernbegleitern mutieren, neue autoritäre Strukturen in der Schule und alte Effizienzfantasien, die in ihr Gegenteil kippen

Interview Lisa Nimmervoll | derStandard.at

STANDARD: Sie haben in einem Buch die „Lehrerdämmerung“ ausgerufen. Wer oder was bedroht denn die Spezies Lehrer?

Türcke: Ein neoliberales Bildungssystem, das unter dem Stichwort „Neue Lernkultur“ geführt wird, wo die Lehrer ihre ursprüngliche Rolle, nämlich das Zeigen von Sachverhalten, nicht mehr ausüben, sondern nur noch als Lernbegleiter fungieren sollen. Die Schüler lernen an vorgegebenen Lernmaterialien, die die Lernbegleiter bereitzustellen haben, möglichst für jeden individuell einen eigenen Arbeitsblattstapel. Das soll ganz wunderbar sein, weil dann jeder nach eigenem Wunsch, in eigener Reihenfolge, in eigenem Tempo voranschreiten kann und die Autonomie und Selbstständigkeit des Lernens die schönsten Blüten treibt. Keine autoritären Säcke mehr, die einer ganzen Klasse Inhalte vorgeben, wo doch jedes Individuum anders tickt und anders gestrickt ist. Statt Lehrern nur noch Ratgeber, die bei Bedarf zur Stelle sind, Tipps geben und spontanes Coaching durchführen.

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Bundestag berät über sieben Bundeswehreinsätze

Symbolbild.
In der ersten regulären Sitzungswoche in dieser Wahlperiode berät der Bundestag über sieben Einsätze der Bundeswehr.

evangelisch.de

„Deutschland steht für Verlässlichkeit“, sagte Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) am Dienstag vor den Parlamentariern. Sowohl die Partner im Ausland als auch die Soldaten bräuchten berechenbare Zusagen. Zudem bedankte sich die Ministerin bei den Einsatzkräften für ihre Arbeit.

Im Kern geht es um die Verlängerung der Mandate um drei Monate. Am Dienstag sollte über die Bundeswehreinsätze im Mittelmeer, in Afghanistan, in Darfur und im Südsudan, sowie über die Beteiligung im Kampf gegen die Terrororganisation „Islamischer Staat“ beraten werden. Am Mittwoch sollten Beratungen über die Einsätze in Mali und die Ausbildung irakischer Streitkräfte folgen. „Der Terror wartet nicht darauf, dass wir hier zu Potte kommen“, sagte von der Leyen. Sie forderte die Abgeordneten auf, der Verlängerung zuzustimmen.

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Afrikanische Migranten kommen jetzt per „All-inclusive-Angebot“

Bild: DIE WELT
Der Libyen-Deal hatte die Migration von Afrika nach Europa gestoppt. Aber es war wohl nur eine Ruhepause. Die Route hat sich verlagert. Auf einer altbekannten Route bilden sich neue Schleuser-Netze.

Von Alfred Hackensberger | DIE WELT

„Es ist wirklich unglaublich, so viele Flüchtlingsboote hat es schon lange nicht mehr gegeben “, sagt Patou Sedrick aufgebracht. „Sie fahren von allen Teilen der marokkanischen Küste ab.“ Der 32-jährige Mann aus Kamerun war selbst vor Jahren als Flüchtling durch die Sahara nach Marokko gekommen.

Aber er reiste nicht weiter, sondern blieb in der Hafenstadt Tanger und hilft seitdem als Menschenrechtsaktivist den Migranten aus Afrika. „Es müssen viele Hunderte sein, die jede Woche Spanien erreichen“, sagt Sedrick. „Erst vor kurzem wurden nur an einem einzigen Tag 600 Menschen gerettet.“

Die offiziellen Zahlen bestätigen sein Gefühl. Seit Jahresbeginn sind laut Internationaler Organisation für Migration (IOM) fast 18.000 Flüchtlinge per Boot nach Spanien gekommen. Im Vergleich zum Vorjahr hat sich die Zahl damit fast verdreifacht. Allein seit Mitte September überquerten 7000 Menschen die Meerenge von Gibraltar.

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34.000 Jahre alte Venus aus Elfenbein entdeckt

Projektion der Breitenbacher Elfenbeinfragmente auf die Oberschenkel und Brustpartie der Venus vom Hohle Fels und einer Venusfigur aus Elfenbein von der russischen Fundstelle Kostenki © J. Lipták/ MAE RAS
Sensationsfund: Archäologen haben in Sachsen-Anhalt altsteinzeitliche Fragmente einer Venus-Figur entdeckt. Die sorgfältig bearbeiteten Bruchstücke aus Elfenbein sind rund 34.000 Jahre alt und ähneln der berühmten Venus vom Hohe Fels. Damit sind sie eine echte Rarität. Denn figürliche Kunst aus dieser Zeit war bisher nur aus Höhlen der Schwäbischen Alb bekannt. Der neue Fund stellt nun die älteste bekannte Elfenbeinplastik außerhalb Süddeutschlands dar.

scinexx

Der altsteinzeitliche Fundplatz Breitenbach in der Nähe von Zeitz in Sachsen-Anhalt ist eine wahre Schatzkammer für Archäologen: Die Fundstelle gilt als eine der ältesten Elfenbeinwerkstätten der Welt. Hier verarbeiteten unsere Vorfahren schon vor rund 34.000 Jahren Mammutelfenbein und stellten daraus beispielsweise winzige Perlen her. Doch nicht nur das: Auch kunstvolle Plastiken gehörten damals offenbar bereits zum Repertoire der dort lebenden Künstler, wie ein einmaliger Fund nun zeigt.

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Pfälzische Landeskirche will Austausch von Nazi-Glocken finanzieren

Propaganda der „Deutschen Christen“ in Berlin (Bild: Bundesarchiv, Bild 183-1985-0109-502 / CC-BY-SA)
Die Evangelische Kirche der Pfalz stellt 150.000 Euro zur Verfügung, um Glocken mit nationalsozialistischen Inschriften auszutauschen.

evangelisch.de

Insgesamt seien der Landeskirche zehn Glocken bekannt, die während der Zeit des Nationalsozialismus aufgehängt worden seien und heute noch hingen, sagte Oberkirchenrat Michael Gärtner am Dienstag in Speyer. Fünf dieser Glocken hätten eine den Nationalsozialismus mehr oder weniger verherrlichende Inschrift.

Die Landeskirche empfehle den Kirchengemeinde, die Glocken mit Nazi-Inschrift auszutauschen, sofern sie ihr Eigentum seien, sagte Gärtner. Sie sollten danach öffentlich gezeigt und die Inschriften erläutert werden. Nach Gärtners Worten sollen die Glocken nicht in den Kirchengemeinden ausgestellt werden, um keine Pilgerstätten für Neonazis zu schaffen. Eine neue Glocke kostet nach Angaben des Oberkirchenrats je nach Größe zwischen 15.000 und 30.000 Euro. Wenn die zur Verfügung gestellten 150.000 Euro für den Austausch nicht ausreichten, werde die Landeskirche mehr Geld zur Verfügung stellen.

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Donald Trump’s Grandfather Was Likely a Climate Change Refugee

Elizabeth Christ Trump and Frederick Trump. Image: Wikimedia Commons
A new study charts how extreme weather events, like droughts and floods, drove a 19th century wave of German immigration to North America.

By Stephen Leahy | MOTHERBOARD

Climate was a major reason why people bearing some of Americaʼs most famous family names, including Trump, Pfizer, and Heinz, emigrated from southwest Germany in the 19th century, a new study reveals.

Over 5 million Germans moved to North America from 1816 to 1886, mainly to the US, which is why German-Americans are America’s largest single ethnic group today. The 19th century Germans, including Trump’s grandfather Frederick, left their homes after a number of chilly winters and cool summers, as well as other extreme weather events such as droughts and floods, said Rüdiger Glaser, a professor at the University of Freiburg and lead-author of the study published today in the journal Climate of the Past.

Although southwest Germany experienced a great deal of poverty, war, and revolutions in the 19th century, climatic factors explain almost one-third of the migration to North America based on a quantitative analysis, Glaser told Motherboard in an interview.

“Unfavourable weather conditions led to low crop yields, which led to higher food prices and resulted in emigration,” said Glaser.

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