Aufklärung und Kulturrelativismus vertragen sich nicht


Bassam Tibi, im Dezember 2016 bei den 44. Römerberggesprächen im Chagall-Saal in Frankfurt am Main. Bild: wikipedia.org/CC-BY-SA 4.0

Progressive spielen den Islamisten in die Hände, ohne es zu merken. Wer das behauptet, ist nicht islamophob. Ein Beitrag zur Debatte.

Von Bassam Tibi | Neue Zürcher Zeitung

In seinem Grundsatz-Essay «Die Barbaren, sie lauern überall» hat Feuilletonchef René Scheu das heute florierende geistig-hegemoniale Bündnis sogenannter «Progressiver» mit Dritte-Welt-Propheten einer rationalen Kritik unterzogen. Seine Hauptthese: Sie beide setzen durch einen Kulturrelativismus das Erbe von Vernunft und Aufklärung wider Willen aufs Spiel.

Der St. Galler Philosophieprofessor Dieter Thomä widersprach in einer geharnischten Replik, in der er Scheus Kritik an den «Progressiven» zurückweist. Dabei erhebt Thomä den Vorwurf, Scheu wolle die Aufklärung verteidigen, aber sein Beitrag unterbiete sie sogar entschieden, weil er nicht bedenke, dass auch die Aufklärer auf ihre Weise progressiv dachten. In beiden Texten geht es – direkt und indirekt – um den weissen Mann als Symbol des europäischen Denkens. Sind Aufklärung und Vernunft sein Verdienst und sein Privileg – oder sind sie seine Anmassung? Ich bin ein gelbhäutiger muslimischer Westasiate aus Damaskus und möchte in diesen Disput eingreifen.

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