Gülen-Anhänger fliehen verzweifelt vor Erdogans «Säuberungswelle»


Erdogan-kritische Demonstration in London: 668 Babys sind nach Angaben türkischer Aktivisten zurzeit mit ihren Müttern in Haft, weil den Müttern Verbindungen zur Gülen-Bewegung vorgeworfen werden. (Bild: Dinendra Haria)
Ein Leichenfund in der griechischen Ägäis gibt Rätsel auf. Es könnte sich um eine türkische Lehrerfamilie handeln, die der Gülen-Bewegung nahestand.

Von Marco Kauffmann Bossart | Neue Zürcher Zeitung

In der ersten Novemberhälfte sind an der Nordostküste von Lesbos innerhalb weniger Tage drei Kinderleichen angeschwemmt worden. Die Polizei auf der griechischen Ägäisinsel vermutete, dass die drei bei der Überfahrt aus der Türkei ertranken. Auf griechischen und türkischen Nachrichtenportalen sowie in den sozialen Netzwerken wird jetzt spekuliert, die Opfer gehörten zu einer türkischen Lehrerfamilie, die sich aus politischen Gründen zur Flucht gezwungen sah.

Hetzjagd gegen Hizmet-Bewegung

Auf ihrem Weg nach Europa starben in den vergangenen Jahren Hunderte von Migranten und Kriegsflüchtlingen aus Syrien, Afghanistan oder Iran zwischen dem türkischen Festland und den gegenüberliegenden Ägäisinseln. Nun muss aber befürchtet werden, dass die von Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan angeordnete «Säuberungswelle» im Bildungswesen einem siebenjährigen Mädchen sowie seinen zehn- und dreizehnjährigen Geschwistern das Leben gekostet hat. Klarheit dürfte erst die gerichtsmedizinische Untersuchung bringen, die allem Anschein nach noch nicht abgeschlossen ist.

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