Erdogan, die Paradise Papers und sein Korruptionssumpf

Bild: Magazin „The Economist“
Bei den Enthüllungen über internationale Korruption, Steuerhinterziehung und Geldwäsche tauchen regelmäßig der Erdogan-Clan und sein Umfeld auf

Von Elke Dangeleit | TELEPOLIS

Da wäre zum Beispiel die Familie des türkischen Ministerpräsidenten Binali Yildirim. Der Ministerpräsident Binali Yildirim hatte in den 90er Jahren unter dem damaligen Istanbuler Bürgermeister Erdogan Karriere in der Schiffsindustrie gemacht. Das daraus resultierende Familienvermögen beläuft sich auf über 140 Millionen Dollar. Korruptions- und Steuerhinterziehungsvorwürfe wurden immer wieder laut, zuletzt in den Enthüllungen der Malta Files im Frühjahr, wurden aber nie geahndet.

Während die Türkei die Verbrauchssteuern auf fast 40% erhöht hat, um die wirtschaftliche Talfahrt zu bremsen, umgehen seine Söhne Steuerzahlungen in der Türkei, berichtet Frank Nordhausen in der Frankfurter Rundschau. Die Söhne besitzen mehrere Schiffsfirmen auf der Mittelmeerinsel Malta, die Schiffe kaufen und verkaufen, sowie Waren transportieren.

Alles sei „offen und klar“ – ein globales Geschäft. Pech nur, dass die oppositionelle Zeitung Cumhuriyet ihre ominösen Verflechtungen und Falschaussagen offenlegte. So behauptete der Ministerpräsident, er hätte 2002 seine Schiffsfirmen seinen Söhnen Erkam und Bülent Yildirim übergeben, als er in die Politik wechselte. Und er hätte sie ermahnt, Privatgeschäfte von staatlichen Aufträgen zu trennen.

Erkam Yildirim scheint die Mahnung seines Vaters nicht sonderlich ernst genommen zu haben. Die Zeitung Cumhuriyet veröffentlichte Dokumente, aus denen hervorging, dass Erkam Yildirim über seine maltesische Offshore-Firma Nova Warrior Ltd. erst vor acht Monaten einen staatlichen Sieben-Millionen-Dollar-Auftrag erhalten hatte.

Die Yildirims verklagten die Zeitung wegen dieser Offenlegung und fordern 111.000 Euro Schmerzensgeld u.a. wegen „Verletzung der Persönlichkeitsrechte“. Die Brüder Yildirim besitzen noch weitere, auf Malta registrierte Firmen: die im April 2004 gegründete Hawke Bay Marine Co. Ltd. und den 2007 gegründeten direkten Nachfolger Black Eagle Marine Co. Ltd. Direktor und Mehrheitsbesitzer dieser Firmen ist Erkam Yildirim.

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Ärztin wegen Werbung für Abtreibung verurteilt

Justitia Skulptur (CC-by-nc-sa/3.0 by Luc Viatour)

Das Amtsgericht Gießen hat eine Ärztin wegen unerlaubter Werbung für Schwangerschaftsabbrüche zu einer Geldstrafe verurteilt. Die will dagegen vorgehen – notfalls bis vor das Bundesverfassungsgericht.

katholisch.de

Das Amtsgericht Gießen hat eine Gießener Ärztin wegen unerlaubter Werbung für Schwangerschaftsabbrüche zu einer Geldstrafe verurteilt. Das Gericht verhängte am Freitag eine Strafe von rund 6.000 Euro und entsprach damit den Forderungen der Staatsanwaltschaft. Die Ärztin Kristina Hänel kündigte an, sie werde in Berufung gehen und notfalls auch vor dem Bundesverfassungsgericht klagen. Die Deutsche Bischofskonferenz verteidigte das Verbot für die Werbung von Abtreibung als „folgerichtig“.

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Gauck: Christentum am stärksten verfolgte Religion

„Open Doors“ spricht von über 200 Millionen verfolgten Christen weltweit. Andere Hilfswerke setzen deutlich niedriger an. Altbundespräsident Joachim Gauck kritisiert das Fehlen exakter Zahlen.

katholisch.de

Altbundespräsident Joachim Gauck hat dazu aufgerufen, aufmerksamer zu registrieren, dass das Christentum weltweit die am stärksten verfolgte Religion sei. Er monierte, dass es darüber keine exakten Zahlen gebe. Das frühere Staatsoberhaupt betonte am Mittwochabend vor mehreren hundert Teilnehmern eines Gottesdienstes zum Buß- und Bettag in der Hauptkirche St. Katharinen in Hamburg, die 1948 formulierten Menschenrechte seien „nicht verhandelbar“ und sie beinhalteten sowohl das Recht, religiös als auch Atheist zu sein. Es gebe eine gemeinsame Verbindlichkeit von Glaubenden und nicht religiösen Menschen, die sie dazu befähige, dafür einzutreten, dass der „Mensch als Mitmensch gedacht“ sei, sagte Gauck.

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Klimawandel: Muscheln verlieren ihre Schale

Empfindliche Geschöpfe: Zwei Tage alte Miesmuschellarven unter dem Polarisationsmikroskop © F. Melzner/ GEOMAR
Schutzlos im Ozean: Die zunehmende Versauerung der Meere macht Miesmuschellarven echte Probleme. Denn unter diesen Bedingungen wird es für die Organismen immer schwieriger, ihre lebenswichtige Kalkschale aufzubauen. Im Extremfall löst sich der vor Fressfeinden und Umwelteinflüssen schützende Panzer sogar auf – und die Larven sterben. Den Miesmuscheln könnten mit dem Voranschreiten des Klimawandels daher schwere Zeiten bevorstehen.

scinexx

Miesmuscheln kommen in den turbulenten Gezeitenzonen der Meere vor – auch an unseren Küsten. Doch wie viele Lebewesen in den Ozeanen sind die Tiere durch die zunehmende Versauerung des Meerwassers gefährdet. Der Klimawandel führt dazu, dass immer mehr Kohlendioxid aus der Atmosphäre ins Wasser gelangt und dort gelöst wird. Als Folge sinkt der pH-Wert – und das bekommen die Muscheln deutlich zu spüren.

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Wenn #MeToo die Bibel trifft

Roy Moore ist kurz vor der Senatswahl in Alabama mit Vorwürfen sexueller Belästigung Minderjähriger konfrontiert worden (imago stock&people)
Der Evangelikale Roy Moore kandidiert für die Republikaner in Alabama. Ihm werden sexuelle Übergriffe vorgeworfen. Seine sittenstrengen Anhänger stört das nicht, nur wenige sind bereit, den betroffenen Frauen zuzuhören.

Von Jürgen Kalwa | Deutschlandfunk

Es hat in den über 200 Jahren der amerikanischen Geschichte schon einige Politiker gegeben, für die ihr Glaube strikte Richtschnur ihres Lebens und Denkens war, doch nur selten jemanden wie Roy Moore.

„Fighting for life, fighting against abortion, fighting for the acknowledgement of God. Most important: he is a Christian.“

Wenn ihn seine Frau Kayla bei Wahlkampfveranstaltungen anpreist, ist nichts wichtiger als Hinweise wie: Er ist Christ, fromm, sanft und liebenswürdig.

„He is the most gentle, most kind man that I have ever known in my entire life. He is godly. He is loving, and everybody in the community knows it …“

Hardcore im doppelten Sinn

Doch selbst für den Bible Belt ist Moore, der Kandidat der Republikanischen Partei in Alabama für den Senat in Washington, eine krasse Ausnahmeerscheinung. Als oberster Richter des Bundesstaates ließ er vor ein paar Jahren eine Skulptur mit den zehn Geboten in das Foyer des Gerichtsgebäudes stellen – obwohl die Verfassung der USA so etwas ausdrücklich zu verhindern trachtet und die Trennung von Staat und Kirche anmahnt.

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Grube Messel: Weltnaturerbe sollte Mülldeponie werden

Dieses versteinerte Skelett eines Urpferdchens, ein rund 47 Millionen Jahre altes Fossil, wurde bei Grabungen in der Grube Messel entdeckt worden. Foto: Boris Roessler (dpa)
Die Grube Messel, heute ein Unesco-Weltnaturerbe, sollte einst eine Mülldeponie werden. Der Kampf dagegen war ein Krimi bis zum Schluss.

Von Claudia Kabel | Frankfurter Rundschau

„In einer Diktatur wären wir für das, was wir getan haben, eingesperrt oder gehängt worden“, sagt Margit Oppermann, wenn sie heute auf ihren über 25 Jahre währenden Kampf für die Grube Messel zurückblickt. Gehängt wurden die 54 Privatpersonen nicht, die 1979 auf eigenes finanzielles Risiko gemeinsam mit der Gemeinde Messel gegen den Planfeststellungsbeschluss für eine Mülldeponie klagten. Doch besonders geehrt wurden sie auch nicht, als die Grube 1995 zum Unesco-Weltnaturerbe erklärt wurde. Vor kurzem haben Oppermann und ihre Mitstreiter – wiederum auf eigene Initiative – eine Gedenktafel mit den Namen der Kläger im Hof des Heimatmuseums aufstellen lassen. Ermöglicht wurde dies durch den Ludwig-Bergsträßer-Preis der Entega-Stiftung, mit dem die einstige Bürgerinitiative 2015 für besonderes bürgerschaftliches Engagement ausgezeichnet wurde.

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Luthers Judenhass und die Pogrome

Eröffnung der Nationalsynode in Wittenberg, 1933. Landesbischof Ludwig Müller (der spätere Reichsbischof) beim Hitlergruß © Bundesarchiv 183-H25547
Bis heute fällt es Protestanten schwer, den Reformator als den zu sehen, der er auch war: ein Hetzer gegen die Juden. Seine Schriften wirkten bis ins Deutschland der Nationalsozialisten. Ein Gastbeitrag.

Von Salomon Korn | Frankfurter Allgemeine

Feierstimmung wird durch Kritik schnell getrübt. Nur so erklärt sich die Reaktion des evangelischen Theologen Friedrich Schorlemmer angesichts zahlreicher Veröffentlichungen zum 500. Reformations-Jahrestag, die das gängige Bild von Martin Luther hinterfragen. Er sei, so Schorlemmer, „allergisch gegenüber Leuten, die nur daran interessiert sind, was es an Luther zu mäkeln gibt“. Angesprochen auf den Judenhass in Luthers Werk, entgegnet der vielfach für sein gesellschaftspolitisches Wirken ausgezeichnete ehemalige DDR-Bürgerrechtler: „Es gab zu dieser Zeit niemanden, der nicht auch antijudaistisch publiziert hätte.“

Abgesehen davon, dass es im Reformationszeitalter durchaus Zeitgenossen von Rang gab, die die Hetze Luthers nicht teilten, sondern mäßigend auftraten, spiegelt Friedrich Schorlemmers Sicht die aktuelle Mehrheitsmeinung in Deutschland wider. Der zufolge ist der Luthersche Antijudaismus unschön, doch im Grunde nachvollziehbar und verzeihlich, weil er dem damaligen Zeitgeist entsprach und sich ohnehin nur im Spätwerk Luthers findet.

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Es gibt keine kulturelle Identität

François Julliens „Es gibt keine kulturelle Identität“, Erschienen: 09.10.2017 im Suhrkamp Verlag, 96 Seiten © Suhrkamp Verlag, bearb. MiG
François Jullien (66) ist Philosoph und Sinologe. Er war unter anderem Direktor des Collège international de philosophie und Professor an der Universität Paris-Diderot. Für sein Werk wurde er vielfach ausgezeichnet, unter anderem 2010 mit dem Hannah-Arendt-Preis für politisches Denken.

Von Werner Felten | MiGAZIN

Mit der provokanten These, dass es keine kulturelle Identität gäbe, mischt sich Francois Jullien in die schier endlose Debatte um Migration, Integration und dem angeblichen Verlust der eigenen Identität, ein.

Der französische Philosoph Jullien bedient sich bei seiner Argumentation eines mächtigen Überbaus: der Erkenntnistheorie der griechischen Philosophie, die auf These und Antithese beruht und kein „Zwischen“ kennt.

Die Suche nach dem Jenseits von Gut und Böse ist anstrengend, schmerzhaft und zwingt zur eigenen Erkenntnis. Sich aus dem Schwarz und Weiß denken zu verabschieden scheint vielen nicht möglich. Oder religiös formuliert: Entweder man glaubt oder man glaubt nicht, ein bisschen Glauben gibt es nicht. Der Angst vor dem „Zwischen“, oder anders formuliert dem Fremden, wird die eigene kulturelle Identität entgegengesetzt.

Es kann aber keine eigene kulturelle Identität gben, weil Kultur immer dem Wandel unterzogen ist, sich jedes Individuum einer ständigen subjektiven Sozialisation unterworfen ist. Aus diesem Grund ist Kultur für den Autor Kultur eine Ressource, die immer wieder aktiviert werden muss, um die Gegenwart zu meistern und die Zukunft zu planen.

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Das ungesühnte SS-Massaker von Ascq

Der ehemalige Bundespräsident Joachim Gauck besuchte 2013 den französischen Ort Oradour-sur-Glane. Foto: rtr
Im April 1944 hat eine SS-Division in der nordfranzösischen Gemeinde Ascq zahlreiche Menschen ermordet. Mehr als 73 Jahre nach der Tat hoffen Hinterbliebene der Opfer auf einen Prozess gegen Verantwortliche in Deutschland.

Frankfurter Rundschau

Die Kirchenglocken blieben stumm an jenem Sonntag im April 1944. Der Pfarrer der nordfranzösischen Gemeinde Ascq bei Lille war tot, ebenso wie 85 andere Bewohner des Ortes. Brutal ermordet von einer SS-Division, als Vergeltung für einen Sabotageakt von Widerstandskämpfern. Mehr als 73 Jahre nach der Tat hoffen die Hinterbliebenen der Opfer auf einen Prozess gegen Verantwortliche in Deutschland.

„Die Vorstellung, dass die Mörder ein ruhiges Leben führen, kommt hier überhaupt nicht gut an“, sagt Alexandre Delezenne. Der 51-jährige Anwalt hat sich bereits vor vier Jahren an die Staatsanwaltschaft Dortmund gewandt, die für NS-Verbrechen zuständig ist. Sie hat das Dossier kürzlich an die Ermittler im niedersächsischen Celle weitergereicht. In der Region lebt einer der letzten überlebenden SS-Männer, er ist inzwischen 94 Jahre alt.

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Verfassungsschutz: Frauen werben für den Dschihad

Zum Teil mit Kopftüchern verschleierte Frauen verfolgen im Juni 2014 eine Kundgebung des radikalen Salafistenpredigers Pierre Vogel. In Internet-Foren und Netzwerken verbreiten sie ihre Ansichten. Foto: Boris Roessler/dpa
Junge muslimische Frauen bilden „Schwesternschaften“ im Internet. Sie suchen neue Anhängerinnen und verbreiten islamistische Ideale.

Von Christopher Onkelbach | WAZ

Im Jahr 2013 zählte der NRW-Verfassungsschutz noch rund 1500 extremistische Salafisten, drei Jahre später hat sich ihre Zahl nahezu verdoppelt. Die Islamisten finden in NRW offensichtlich weiterhin zahlreiche Anhänger und Mitläufer. Zugleich vollziehe sich die Radikalisierung immer schneller, berichtet der Verfassungsschutz.

Dabei erreiche die Propaganda zunehmend jüngere Menschen. „Der gewaltverherrlichende Salafismus“ sei mittlerweile als ein „Jugendszenephänomen“ anzusehen, heißt es im aktuellen Verfassungsschutzbericht des Landes NRW.

Das Internet und die sozialen Netzwerke sind dabei wichtige Werkzeuge zur Rekrutierung von Nachwuchs oder der Verbreitung extremistischen Gedankenguts. Nach Erkenntnissen des NRW-Verfassungsschutzes spielen Frauen dabei eine besondere Rolle. Während tatsächliche oder potenzielle Attentäter gezielt im Internet angesprochen werden, haben die weiblichen Netzwerke und Foren eine andere Aufgabe.

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Auch Blitze erzeugen Antimaterie

Blitze produzieren nicht nur nicht nur energiereiche Strahlung, sondern auch Antimaterie und neue Isotope. © Unsplash/ pixabay
Selbst Atomkerne zerfallen: Blitze produzieren nicht nur energiereiche Strahlung, sondern lösen sogar Kernreaktionen in der umgebenden Luft aus. Bei diesen Zerfallsreaktionen wird Antimaterie frei – es entstehen Positronen, wie Forscher jetzt erstmals nachgewiesen haben. Neu auch: Die Kernreaktionen erzeugen das Kohlenstoff- Isotop C-14 – eine für die Radiokarbondatierung entscheidende Atomvariante.

scinexx

Ein Gewitter mit Blitz und Donner ist ein dramatisches Naturschauspiel. Der durch Ladungsunterschiede in der Gewitterwolke entstehende Blitz kann eine Stromstärke von mehreren zehntausend Ampere erreichen und in Sekundenbruchteilen die umgebende Luft auf bis zu 30.000 Grad aufheizen. Ihre explosive Ausdehnung erzeugt dann den Donner.

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„Der Staat unterstellt Frauen, dass man sie kontrollieren muss“

Ungewollt schwanger – und jetzt? Redet erst einmal der Staat mit. (Foto: imago/Westend61; Bearbeitung SZ)
In Deutschland ist es Ärzten untersagt, für einen Schwangerschaftsabbruch zu werben – absurd, findet Christian Fiala. Im „Interview am Morgen“ erklärt der Gynäkologe, warum die Abtreibungsdebatte in Wahrheit ein Machtkampf ist.

Von Violetta Simon | Süddeutsche Zeitung

Kristina Hänel steht vor Gericht, weil sie im Leistungskatalog ihrer Website auch Schwangerschaftsabbrüche aufführt. Laut Anklage verstößt die Ärztin aus Gießen damit gegen den Paragrafen 219a, der Werbung für diesen Eingriff untersagt – ein Verbot, das einzigartig in Westeuropa ist.

Christian Fiala ist Mitglied diverser Verbände, die sich für das Recht auf Schwangerschaftsabbruch und Verhütung stark machen. Der Gynäkologe hat in Ländern gearbeitet, in denen Frauen an den Folgen eines Abbruchs sterben. Fiala engagiert sich international in den Bereichen Familienplanung, Müttersterblichkeit und die Betreuung von Frauen mit ungewollter Schwangerschaft.

SZ: Auf Ihrer – österreichischen – Webseite findet man eine Liste mit 1142 Ärzten aus Deutschland, die Abbrüche durchführen. In Deutschland würden sich Ärzte damit strafbar machen: Laut § 219a handelt rechtswidrig, wer darüber informiert, dass er solche Leistungen anbietet.

Christian Fiala: Das ist absurd, man muss das nur mal auf andere Berufe übertragen, etwa auf Rechtsanwälte oder Journalisten. Demnach dürfte niemand, der sich in seinem Bereich auskennt, eine Beratung oder Leistung anbieten. Zudem ist dieser Paragraf zynisch: Ärzte handeln unter einem staatlichen Monopol, nur sie dürfen solche Eingriffe vornehmen. Frauen sind darauf angewiesen, dass Ärzte diese Behandlung übernehmen. Aber darauf hinweisen sollen sie nicht. Mit anderen Worten: Diese Regelung gehört gestrichen – genau wie der Paragraf 218.

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Forscher sagen für 2018 große Zahl verheerender Erdbeben voraus

Erleben wir 2018 ein regelrechtes Erdbeben-Jahr? Forscher warnen davor Quelle: dpa/AP/Vahid Salemi
Die Zahl schwerer Erdbeben wird im kommenden Jahr zunehmen – das prognostizieren Wissenschaftler. Schuld daran sei die Erdrotation. Sie sehen vor allem für eine Region eine große Gefahr.

Von Cornelia Karin Hendrich | DIE WELT

Forscher rechnen für 2018 mit einem verheerenden Erdbebenjahr. Sie warnen, dass die Zahl schwerer Erdstöße stark zunehmen könnte. Grund sei die Verlangsamung der Erdrotation. Diese könnte, so warnen sie, zu stärkerer seismischer Aktivität führen. Auch wenn die Geschwindigkeitsänderung minimal ist – es geht um etwa eine Millisekunde mehr oder weniger am Tag – könnte sie womöglich riesige Mengen an unterirdischer Energie freisetzen. Noch ist das nur eine Vermutung, doch die Wissenschaftler können sie mit eigenen Zahlen untermauern.

Sie befürchten, dass die Erde im Jahr 2018 mehr als 20 starke Erdbeben erleben könnte. Zum Vergleich – in diesem Jahr gab es davon nur sechs. „Die Korrelation zwischen Erdrotation und Erdbebenaktivität ist stark und legt nahe, dass es einen Anstieg von verheerenden Erdbeben im nächsten Jahr geben wird“, sagt der Geologe Roger Bilham von der University of Colorado in Boulder dem „Observer“. Mit seiner Kollegin Rebecca Bendick von der University of Montana in Missoula stellte er eine Verbindung von Erdrotation und Erdbeben fest.

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„Eine Alternative zu Deutschland“ – Steht noch dahin

Clemens Henis Bestandaufnahme des Rechtsrucks
Nachdenken über „Eine Alternative ZU Deutschland“ fordert der Politologe Clemens Heni schon im Titel seines gleichnamigen Buches als Resümee. Daß dieses Nachdenken brennend nötig ist, belegt der Direktor des „Berlin International Center for the Study of Antisemitism“ mit jedem seiner 56 Aufsätze aus den vergangenen zehn Jahren. Heni bietet darin eine erschreckende Bestandsaufnahme wie aus rechten Infektionen immer weiter wuchernde Krankheitszustände geworden sind.

Von Wolfgang Brosche | DIE KOLUMNISTEN

Was die „Alternative FÜR Deutschland“, ihre Vor-, Nach- und Mitläufer bereits angerichtet haben, läßt sich verdeutlichen mit zwei Ereignissen der letzten Tage, die inzwischen – so abgebrüht sind wir schon – kaum „unter ferner liefen“ wahrgenommen werden, denn die Injektionen des rechten Rauschgifts kommen in immer höheren Dosen und stets kürzeren Abständen und die Menschenfeindlichkeit hat längst die dünne Grenze zwischen verbalem Marodieren und abgefeimter Tätlichkeit überschritten.

Vor ein paar Tagen wurde ein Post auf Facebook vom Netz genommen. Das war kein Akt der Zensur – wie die Berufsopfer von Rechts sofort krakeelen – sondern einer des mindesten Anstandes, denn der Post, dessen Urheber jetzt die Gerichte beschäftigen wird, ist ein perfides Zeugnis für den ungenierten Rechtsruck: die Photomontage eines Bildes von Anne Frank und einer Pizzapackung von Dr. Oetker mit der Aufschrift „Die Ofenfrische“.

Die Patrioten

Dieser Post kam von einer Facebookgruppe mit dem Bekenner-Titel „Die Patrioten“. Unter den 30.000 Mitgliedern fanden sich Dutzende Landtags- und Bundestagsabgeordnete der AfD; einige sind inzwischen ausgetreten.

Ähnlich abstoßend wie die Photomontage im Stürmer-Stil war der Shit-Storm den Carsten Härle, AfD-Stadtverordneter der hessischen Kleinstadt Heusenstamm, gegen eine fünfzehnjährige Schülerin in den asozialen Netzwerken anzettelte: die politisch wache Teenagerin aus Dresden hatte einen Preis für Zivilcourage gegen Antisemitismus und Rechtsradikalismus gewonnen. Sie hatte, da Diskussionen fruchtlos waren, einige ihrer Mitschüler wegen Volksverhetzung und Präsentieren des Hitlergrußes angezeigt.

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Rohingya sollen zurückkehren

Bangladesch und das Nachbarland treffen eine Absichtserklärung zu den Hunderttausenden Flüchtlingen, die sich vor dem Militär in ihrer Heimat in Sicherheit gebracht haben.

Süddeutsche Zeitung

Myanmar akzeptiert die Rückkehr der nach Bangladesch geflüchteten Rohingya. Die Regierungen beider Länder teilten mit, am Donnerstag sei eine entsprechende Absichtserklärung unterzeichnet worden. Sie sieht vor, dass Hunderttausende Angehörige der verfolgten muslimischen Minderheit in ihre Heimat zurückkehren dürfen. Die Rückführung soll in zwei Monaten beginnen.

In den Monaten seit Ende August sind etwa 620 000 Rohingya aus dem überwiegend buddhistisch geprägten Myanmar nach Bangladesch geflohen. Seit dem Aufstand von Rohingya-Extremisten in Myanmar am 25. August geht das Militär verstärkt gegen die Minderheit vor.

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Aslan-Studie: Uni Wien veröffentlicht Stellungnahmen nicht

Studienautor Ednan Aslan sprach sich gegen die Veröffentlichung der externen Stellungnahmen zur Kindergartenstudie aus. – (c) Die Presse (Clemens Fabry)
Der Islamforscher Ednan Aslan sei nun wegen einer gegen ihn eingereichten Klage gegen die Veröffentlichung der Expertise zu seiner umstrittenen Kindergartenstudie.

Die Presse.com

Die Universität Wien wird die bei der Österreichischen Agentur für wissenschaftliche Integrität (OeAWI) eingeholte Stellungnahme zur umstrittenen Kindergartenstudie des Islamforschers Ednan Aslan nicht veröffentlichen. Grund dafür ist, dass Aslan seine Zustimmung zur Veröffentlichung „bis auf weiteres zurückzieht“, teilte die Universität Wien Donnerstag Abend auf ihrer Webseite mit.

Die OeAWI wurde von der Uni Wien beauftragt, die umstrittene, vom Integrationsministerium in Auftrag gegebene und finanzierte „Pilotstudie“ zu islamischen Kindergärten und -gruppen zu prüfen. Der Grund waren Vorwürfe, die Studie entspreche nicht den „Standards der guten wissenschaftlichen Praxis“ und der Verdacht, dass die Studie im Integrationsministerium umgeschrieben bzw. inhaltlich zugespitzt wurde. Aslan hatte dies stets bestritten.

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Sklavenhandel in Libyen: Frankreich drängt auf UN-Sanktionen

Bild: Sea-eye.org
Ein CNN-Video über Migranten, die als Sklaven in Libyen verkauft werden, führt zu internationaler Empörung. In der Kritik stehen auch Italien und die EU

Von Thomas Pany | TELEPOLIS

Das CNN-Video über Migranten, die in Libyen in Auktionen als Arbeitssklaven verkauft werden, löst großen Wirbel aus. Der französische Präsident Macron spricht von einem „Verbrechen gegen die Menschheit“, die durch das Video enthüllt würden. Frankreich ersucht um eine dringende Sitzung des UN-Sicherheitsrats. Wahrscheinlich wird sie nächste Woche abgehalten.

Nach Informationen von Reuters drängt der Außenminister Frankreichs auf Eile und droht mit internationalen Sanktionen gegen die libysche Regierung. Die Unterstützungsmission der Vereinten Nationen in Libyen (Unsmil) zeigte sich in ihrem Bericht entsetzt über das CNN-Filmmaterial. Auch UN-Generalsekretär António Guterres äußerte sich am Montag vor der Presse und am Dienstag bei einer Videokonferenz zum CNN-Video.

Guterres sprach von erschreckenden Bildern afrikanischer Migranten, die als Waren verkauft werden, und betonte die Notwendigkeit den libyschen Behörden dabei zu helfen, „die Kapazitäten zum Schutz und der Versorgung hilfsbedürftiger Männer, Frauen und Kinder zu verstärken“. Anders als Frankreichs Regierung sprach er nicht von Sanktionen. (Die Empörung in Frankreich ist besonders groß, wie hier und hier zu sehen ist).

Wie Macron verlangte er, dass eine Untersuchung eingeleitet werden müsse. Damit ist ein im CNN-Video angesprochenes Ziel erreicht. Das Video enthält zugespieltes Film-Material unbekannter Herkunft, das zeigt wie junge Afrikaner für mehrere hundert Dollar als Arbeitssklaven versteigert werden. Eigene Recherchen des amerikanischen Senders trafen, wie das Video darlegt, auf Schweigen.

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Sozialverbände für nationalen Aktionsplan gegen Gewalt an Frauen

Kirchen und Sozialverbände haben an die Politik appelliert, den Schutz von Frauen vor Gewalt zu verbessern. Die Diakonie wies am Donnerstag in Berlin auf flächendeckend fehlende Plätze in Frauenhäusern hin. Das Deutsche Institut für Menschenrechte forderte eine konkrete politische Strategie zum Gewaltschutz. Terre des Femmes und die katholische Kirche prangerten die Praxis der Genitalverstümmelung an. Am Samstag (25. November) findet der Internationale Tag gegen Gewalt an Frauen statt.

evangelisch.de

Die Diakonie Deutschland warnte, in Ballungsgebieten sei die Suche nach einem freien Platz in einem Frauenhaus inzwischen fast aussichtslos. Aber auch auf dem Land habe sich die Versorgung drastisch verschlechtert, erklärte Diakonie-Vorstand Maria Loheide. Viele Häuser müssten Frauen abweisen. Steigende Mieten und der Mangel an bezahlbarem Wohnraum verschärften das Problem weiter.

Loheide rief den Bund auf, gemeinsam mit den Ländern und Kommunen auf einer bundesweit verbindlichen Rechtsgrundlage für eine ausreichende Zahl an Plätzen zu sorgen. Loheide forderte die Einführung eines Rechtsanspruchs auf Schutz und Hilfe bei Gewalt: „Frauen und Kinder, die von Gewalt betroffen sind, müssen jederzeit unbürokratisch Schutz und Hilfe in einem Frauenhaus erhalten.“

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Vergewaltigungsvorwürfe entzweien Frankreichs Linke

foto: afp / jean-sebastien evrard Die Affäre rund um die Vorwürfe der Vergewaltigung und des sexuellen Missbrauchs gegen den Schweizer Islamwissenschafter Tariq Ramadan zieht in Frankreich immer weitere Kreise.
Anschuldigungen wegen sexuellen Missbrauchs gegen Islamwissenschafter Tariq Ramadan

Von Stefan Brändle | derStandard.at

Wird die Affäre aufgebauscht, weil sie einen umstrittenen Islamforscher trifft? Oder wird selbiger im Gegenteil geschont, weil er sich der muslimischen Sache verschrieben hat? Tatsache ist, dass sich diese Woche eine zweite Frau mit einer Vergewaltigungsklage gegen Tariq Ramadan gemeldet hat. Die zum Islam übergetretene Französin schilderte im TV, wie Ramadan sie 2009 zu einer theologischen Diskussion in sein Hotelzimmer eingeladen, sich dort aber von hinten auf sie gestürzt habe. Über eine Stunde habe er sich an ihr vergangen. „Je mehr ich schrie, desto mehr schlug er zu.“

Danach habe Ramadan sie jahrelang verfolgt, um sie von einer Gerichtsklage abzuhalten, so die heute 34-Jährige. Ein Arztbericht habe Blutergüsse und Verletzungen in der Schamgegend festgehalten. Erst jetzt, im Zuge der Weinstein-Affäre und MeToo-Kampagne, fand die Frau den Mut, an die Öffentlichkeit zu treten. Im Oktober hatte schon eine ehemalige Salafistin einen ähnlichen Vorfall geschildert und Klage eingereicht. Die Pariser Staatsanwaltschaft ermittelt in beiden Fällen.

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Why Does the Muslim World Lag in Science?

Image: Church and State
By any index, the Muslim world produces a disproportionately small amount of scientific output, and much of it relatively low in quality.[1] In numerical terms, forty-one predominantly Muslim countries with about 20 percent of the world’s total population generate less than 5 percent of its science. This, for example, is the proportion of citations of articles published in internationally circulating science journals.[2] Other measures – annual expenditures on research and development, numbers of research scientists and engineers – confirm the disparity between populations and scientific research.

By Aaron Segal | Church and State

This situation leads to some hard questions: Is Islam an obstacle to modern science? If not, how does one explain the huge gap in scientific output between the Muslim world and the West or East Asia? And what must change so that science can flourish in Muslim countries?

While Islam has yet to reconcile faith and reason, other factors such as dictatorial regimes and unstable funding are more important obstacles to science and technology’s again flourishing in the Muslim world. Significant progress, in other words, depends on changes in values and institutions – no small order.

The Historical Record

We start with a brief history of science and technology in the Muslim world, the first place to search for clues to these questions. In a nutshell, the Muslim experience consists of a golden age in the tenth through thirteenth centuries, a subsequent collapse, a modest rebirth in the nineteenth century, and a history of frustration in the twentieth century. The deficiency in Muslim science and technology is particularly intriguing given that Muslims were world leaders in science and technology a millennium ago – something that distinguishes them from, say, the peoples of Latin America or sub-Saharan Africa.

Golden Age. The period 900-1200 A.D. represents the approximate apogee of Muslim science, which flourished in Baghdad, Damascus, Cairo, and Cordoba, among other cities. Significant progress was made in such areas as medicine, agronomy, botany, mathematics, chemistry, and optics. As Muslims vied with Chinese for intellectual and scientific leadership, Christian Europe lagged far behind both.[3]

This golden age was definitely Muslim in that it took place in predominantly Muslim societies, but was it Islamic, that is, connected to the religion of Islam? States were officially Islamic, and intellectual life took place within a self-consciously Islamic environment. Ahmad al-Hassan and Donald R. Hill, two historians of technology, see Islam as “the driving force behind the Muslim scientific revolution when the Muslim state reached its peak.”[4] But non-Muslims had a major role in this effort, and much of the era’s scientific achievements took place in a tolerant and cosmopolitan intellectual atmosphere quite independent of the religious authorities.

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