„Eine Alternative zu Deutschland“ – Steht noch dahin


Clemens Henis Bestandaufnahme des Rechtsrucks
Nachdenken über „Eine Alternative ZU Deutschland“ fordert der Politologe Clemens Heni schon im Titel seines gleichnamigen Buches als Resümee. Daß dieses Nachdenken brennend nötig ist, belegt der Direktor des „Berlin International Center for the Study of Antisemitism“ mit jedem seiner 56 Aufsätze aus den vergangenen zehn Jahren. Heni bietet darin eine erschreckende Bestandsaufnahme wie aus rechten Infektionen immer weiter wuchernde Krankheitszustände geworden sind.

Von Wolfgang Brosche | DIE KOLUMNISTEN

Was die „Alternative FÜR Deutschland“, ihre Vor-, Nach- und Mitläufer bereits angerichtet haben, läßt sich verdeutlichen mit zwei Ereignissen der letzten Tage, die inzwischen – so abgebrüht sind wir schon – kaum „unter ferner liefen“ wahrgenommen werden, denn die Injektionen des rechten Rauschgifts kommen in immer höheren Dosen und stets kürzeren Abständen und die Menschenfeindlichkeit hat längst die dünne Grenze zwischen verbalem Marodieren und abgefeimter Tätlichkeit überschritten.

Vor ein paar Tagen wurde ein Post auf Facebook vom Netz genommen. Das war kein Akt der Zensur – wie die Berufsopfer von Rechts sofort krakeelen – sondern einer des mindesten Anstandes, denn der Post, dessen Urheber jetzt die Gerichte beschäftigen wird, ist ein perfides Zeugnis für den ungenierten Rechtsruck: die Photomontage eines Bildes von Anne Frank und einer Pizzapackung von Dr. Oetker mit der Aufschrift „Die Ofenfrische“.

Die Patrioten

Dieser Post kam von einer Facebookgruppe mit dem Bekenner-Titel „Die Patrioten“. Unter den 30.000 Mitgliedern fanden sich Dutzende Landtags- und Bundestagsabgeordnete der AfD; einige sind inzwischen ausgetreten.

Ähnlich abstoßend wie die Photomontage im Stürmer-Stil war der Shit-Storm den Carsten Härle, AfD-Stadtverordneter der hessischen Kleinstadt Heusenstamm, gegen eine fünfzehnjährige Schülerin in den asozialen Netzwerken anzettelte: die politisch wache Teenagerin aus Dresden hatte einen Preis für Zivilcourage gegen Antisemitismus und Rechtsradikalismus gewonnen. Sie hatte, da Diskussionen fruchtlos waren, einige ihrer Mitschüler wegen Volksverhetzung und Präsentieren des Hitlergrußes angezeigt.

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