Luthers Judenhass und die Pogrome


Eröffnung der Nationalsynode in Wittenberg, 1933. Landesbischof Ludwig Müller (der spätere Reichsbischof) beim Hitlergruß © Bundesarchiv 183-H25547
Bis heute fällt es Protestanten schwer, den Reformator als den zu sehen, der er auch war: ein Hetzer gegen die Juden. Seine Schriften wirkten bis ins Deutschland der Nationalsozialisten. Ein Gastbeitrag.

Von Salomon Korn | Frankfurter Allgemeine

Feierstimmung wird durch Kritik schnell getrübt. Nur so erklärt sich die Reaktion des evangelischen Theologen Friedrich Schorlemmer angesichts zahlreicher Veröffentlichungen zum 500. Reformations-Jahrestag, die das gängige Bild von Martin Luther hinterfragen. Er sei, so Schorlemmer, „allergisch gegenüber Leuten, die nur daran interessiert sind, was es an Luther zu mäkeln gibt“. Angesprochen auf den Judenhass in Luthers Werk, entgegnet der vielfach für sein gesellschaftspolitisches Wirken ausgezeichnete ehemalige DDR-Bürgerrechtler: „Es gab zu dieser Zeit niemanden, der nicht auch antijudaistisch publiziert hätte.“

Abgesehen davon, dass es im Reformationszeitalter durchaus Zeitgenossen von Rang gab, die die Hetze Luthers nicht teilten, sondern mäßigend auftraten, spiegelt Friedrich Schorlemmers Sicht die aktuelle Mehrheitsmeinung in Deutschland wider. Der zufolge ist der Luthersche Antijudaismus unschön, doch im Grunde nachvollziehbar und verzeihlich, weil er dem damaligen Zeitgeist entsprach und sich ohnehin nur im Spätwerk Luthers findet.

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