Evangelische Kirche in Schweden macht Gott geschlechtsneutral – „ES“

Nach einem achttägigen Treffen hat die evangelisch-lutherische Kirche in Schweden entschieden, eine geschlechtsneutrale Sprache für Gott einzuführen. Die neuen Regeln für Gottesdienste sollen zu Pfingsten 2018 wirksam werden. Die Erzbischöfin Antje Jackelén sieht die Entscheidung als Modernisierung, doch von Kirchengelehrten kommt Kritik.

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„Theologisch gesehen ist Gott jenseits unserer Definitionen von Geschlecht, Gott ist kein Mensch“, sagte Jackelén der schwedischen Nachrichtenagentur TT, wie der britischen „Guardian“ berichtet. Laut der Erzbischöfin wurde die geschlechtsneutrale Sprache bereits im Jahr 1986 auf einer Konferenz diskutiert, doch es dauerte 30 Jahre länger, bis sie jetzt tatsächlich eingeführt wird.

Die Entscheidung sieht demnach vor, dass das Kirchenhandbuch dahingehen geändert wird, dass Gottesdienste, Gesänge und andere Aspekte der evangelischen Kirche in Schweden künftig einen neuen Gottesbegriff verwenden. So solle nicht mehr von „Herr“ und „Er“ die Rede sein, sondern nur noch der neutrale Begriff „Gott“ verwendet werden. Das „Vaterunser“ bleibe jedoch unverändert.

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Pädagogen fordern: Islamunterricht für Alle – Idiotie

Bild. br.de
Islamunterricht für alle Altersstufen und Schularten fordern Vertreter vom Lehrerinnen- und Lehrerverband, Professoren, Pädagogen und Studenten. Religiöse Bildung im Unterricht müsse eine Selbstverständlichkeit werden.

BR24

Vertreter vom Lehrerinnen- und Lehrerverband, Professoren, Pädagogen und Studenten haben in Nürnberg Islamunterricht für alle Altersstufen und Schularten gefordert. Religiöse Bildung im Unterricht müsse eine Selbstverständlichkeit werden, so der Bayerische Lehrer- und Lehrerinnenverband (BLLV). Über 15.000 Schülerinnen und Schüler in Bayern bekommen derzeit Islam-Unterricht. Aber die Zahl derer, die auf ein solches Religionsfach-Angebot warten, ist weitaus höher.

Wichtiger Beitrag zur Integration

Rund 90.000 Schüler können derzeit noch keinen solchen Unterricht besuchen, weil es die Möglichkeit für sie noch nicht gibt. In Bayern läuft seit neun Jahren ein Modellversuch an rund 330 Schulen, aber nur bis zum nächsten Jahr. Wie es danach weitergeht, ist noch unklar. Der BLLV will, dass der Islamunterricht danach fest in den Lehrplan aufgenommen wird. Das sei ein wichtiger Beitrag zur Integration.

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Großbritannien: Mutter fordert Dornröschen-Verbot

Bild: kurier.at
Grund dafür ist der „nicht-einvernehmliche Kuss“ des Prinzen für das schlafende Dornröschen

kath.net

Kein Scherz. Eine „besorgte Mutter“ aus Großbritannien möchte ernsthaft, dass das beliebte Märchen Dornröschen verboten werden soll. Sie möchte, dass die Geschichte nicht an der Schule ihre Kinder vorgelesen wird. Dies berichtet die Zeitung „Österreich“. Der Grund ist der „nicht-einvernehmliche Kuss“ des Prinzen für das schlafende Dornröschen, um es aufzuwecken. Für Sarah Hall sei dieses Verhalten falsch. Gegenüber der Sun meint sie: „Ich denke, in Dornröschen geht es auch um sexuelles Verhalten und Zustimmung. Diese Märchen sind bezeichnend dafür, wie tief verwurzelt dieses Verhalten in unserer Gesellschaft ist.“

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Bedford-Strohm: „Religionen müssen zusammenstehen“

Heinrich Bedford-Strohm (2011). Presseabteilung der Evang.-Luth. Kirche in Bayern. bearb. bb
Zu dem heutigen Anschlag auf eine Moschee in Ägypten nimmt der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm, wie folgt Stellung:

EKD

„Der Anschlag auf Gläubige in Ägypten erschüttert mich sehr. Vor wenigen Tagen habe ich die Christen dort besucht und mit Christen und Muslimen über Wege zu Toleranz und friedlichem Zusammenleben gesprochen. Nun hat ein neuer Anschlag so viele Menschen getötet und bei ihren Familien unermessliches Leid angerichtet. Diesmal hat es Muslime getroffen. Wie unsere Partner aus der Protestantischen Kirche in Ägypten in einer ersten Reaktion schreiben, ist dies ein Angriff auch auf den Zusammenhalt der ägyptischen Bevölkerung und eine friedliche Entwicklung des Landes. Die Religionen müssen jetzt zusammenstehen und alles in ihrer Macht Stehende tun, um dem Hass von fanatischen Fundamentalisten den festen Willen zum Frieden entgegenzusetzen. Ich bete für die Opfer und ihre Angehörigen und dafür, dass die Kräfte der Versöhnung stärker sein werden als die Gewalt.“

Iran: Empörung über Todesurteil für Mediziner

Themenbild.
Ein renommierter Mediziner ist in Iran wegen „Verdorbenheit auf Erden“ zum Tode verurteilt worden. Der Mann lebt eigentlich in Schweden, jetzt schaltet sich die EU ein.

SpON

Die Europäische Union hat sich einem Medienbericht zufolge in den Fall eines im Iran zum Tode verurteilten und international renommierten Mediziners eingeschaltet. Nach Informationen der „Heilbronner Stimme“ wurde bereits Ende Oktober in Teheran eine gemeinsame Protestnote der EU-Mitgliedstaaten übergeben, die sich gegen die Verurteilung aussprachen.

Ahmadreza Dschalalis, der eigentlich in Schweden lebt und in Italien und Belgien gearbeitet hat, war im April 2016 während eines Heimatbesuches verhaftet worden. Ihm wurde vorgeworfen, Informationen über das iranische Atomprogramm an Agenten des israelischen Geheimdienstes Mossad weitergegeben zu haben.

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Deutschland liegt bei Abschiebungen europaweit vorn

In den ersten neun Monaten dieses Jahresverließen knapp 39.000 abgelehnte Asylbewerber das Land Quelle: dpa/dpa-ZB
Die deutsche Abschiebepraxis erntet immer wieder Kritik. Nun gibt es neue Zahlen von der Bundesregierung: Demnach liegt Deutschland bei Rückführungen europaweit vorn. Allerdings mit einer Einschränkung.

DIE WELT

Es sind Daten, die die Debatte um die angeblich zu lasche Flüchtlingspolitik in Deutschland neu anfeuern könnten: Wie die „Neue Osnabrücker Zeitung“ am Samstag berichtete, ist die Zahl der abgelehnten Asylbewerber, die bis September ausreisten oder abgeschoben wurden, höher als die Zahl der Menschen, die eine Ausreiseaufforderung erhalten haben.

So verließen in den ersten neun Monaten dieses Jahres knapp 39.000 abgelehnte Asylbewerber das Land. Zugleich wurden aber nur rund 35.000 Ausreiseentscheidungen gegenüber abgelehnten Asylbewerbern rechtsgültig. Diese Zahlen gingen aus der Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der Linken-Fraktion hervor, die der Zeitung vorlag.

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Nächtliche Erde wird weiter heller

Aus dem All gut zu sehen: Nachts ist die Erde durch unser künstliches Licht hell erleuchtet. © Craig Mayhew, Robert Simmon/ NASA/GSFC
Die Lichtverschmutzung wird immer schlimmer: Sowohl die Helligkeit als auch die Ausdehnung der nachts beleuchteten Gebiete hat in den letzten fünf Jahren weiter zugenommen, wie Satellitendaten enthüllen. Helligkeit und Ausdehnung der Lichtverschmutzung wuchs jährlich um zwei Prozent. Besorgniserregend auch: Der Umstieg auf stromsparendere LED-Lampen scheint die Lichtverschmutzung eher noch zu verstärken, weil sie das Beleuchten noch billiger machen.

scinexx

Die künstliche Beleuchtung von Straßen, Gebäuden und Industrieanlagen vertreibt die natürliche Dunkelheit und hat längst zu einem weitreichenden Verlust der Nacht geführt. Rund 80 Prozent der Menschen weltweit sind inzwischen von dieser Lichtverschmutzung betroffen. Das Problem daran: Das nächtliche Kunstlicht stört die innere Uhr und beeinträchtigt dadurch Verhalten und Gesundheit von Tieren und Menschen.

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Autoritäre Einstellungen bei Schülern

Bild: RDF
Als eine der ersten empirischen deutschsprachigen Studien in diesem Bereich wurden im Rahmen einer Masterarbeit autoritäre Einstellungen von 668 SchülerInnen mit besonderer Berücksichtigung der Religionszugehörigkeit gemessen.

Von Felix Kruppa | Richard-Dawkins-Foundation

Der Fragebogen ermittelte Einstellungen zu den Themen Minderheitenfeindlichkeit, der Bedeutsamkeit der eigenen Weltanschauung, Einstellungen zur Erziehung, Demokratie sowie Rollenbildern und Sexualität. Während die Einstellungen von SchülerInnen christlichen Glaubens und jenen ohne Religionszugehörigkeit oft nur marginal voneinander abwichen, erwiesen sich die muslimischen SchülerInnen in fast allen Bereichen als autoritärer.

Der Text kann auch unter folgendem Link als PDF-Datei heruntergeladen werden: Felix Kruppa – Autoritäre Einstellungen bei Schülerinnen und Schülern mit besonderer Berücksichtigung der Religionszugehörigkeit (Diskussionspapier)

Die komplette Masterarbeit, die u.a. alle Studienergebnisse enthält, versende ich gerne auf Anfrage.

Einleitung

Die Studie zur „Autoritären Persönlichkeit“ von Adorno, Frenkel-Brunswik, Levinson & Sanford (1950) war der Beginn für die wissenschaftliche Suche nach den Erklärungsansätzen und Ursprüngen von faschistischen und antidemokratischen Einstellungen, sowie Vorurteilen und Diskriminierung. Grundlage dieser autoritären Persönlichkeit sind u.a. negative Intergruppeneinstellungen, die spätestens durch den starken Anstieg der Zuwanderung nach Deutschland seit dem Jahr 2015 wieder in Erscheinung treten. Die eigene Identität wird verstärkt ex negativo zu anderen (Gruppen-)Identitäten gebildet und findet in ihnen ihren vermeintlichen Konterpart. Bestrebungen zur Abgrenzung der eigenen Gruppenidentität und dem Versuch der Herausstellung ihrer Überlegenheit gegenüber anderen Gruppen bei gleichzeitiger Besinnung auf traditionelle, oft reaktionäre Wertegefüge, sind allerdings nicht nur einer nach rechts rückenden Mehrheitsgesellschaft zuzuschreiben.

Ein gewichtiger Faktor für die Begründung und Genese autoritärer Einstellungen scheint auch die Religion zu sein. Homophobie, Judenfeindlichkeit oder die Ablehnung der Gleichberechtigung von Mann und Frau finden oft auch religiöse Anleihen. In Bezug auf den Islam führt die Besinnung auf die eine konservative muslimische Identität in vielen Fällen dazu, dass Prinzipien wie der Säkularismus, Religionskritik, aber auch die Akzeptanz von Homosexualität und die Gleichberechtigung von Männern und Frauen nicht als Selbstverständlichkeit aufgefasst werden. Konservative bis fundamentalistische Auslegungen des Korans gewinnen an Zuspruch und der islamische Glaube gewinnt auch generell für immer mehr Muslime an subjektiver Bedeutung.[1] Aber auch die Kirche unterstützt seit ihrer Gründung traditionelle Rollenbilder und leistet u.a. einen erheblichen Beitrag zur Abwertung von homosexuellen Menschen, die sich im Katechismus, aber auch den Aussagen hoher christlicher Würdenträger wie des Papstes widerspiegeln. Der Katechismus der katholischen Kirche bezeichnet die Homosexualität als „schlimme Abirrung“ und „Prüfung“, und „keinesfalls zu billigen“, weil sie gegen das „natürliche Gesetz [verstößt]“. Deswegen sei Homosexuellen mit „Mitgefühl“ zu begegnen.[2]

Die beschriebenen gesellschaftlichen Entwicklungen, die sich teilweise in Zonen diskursiver Immunität befinden, zeichnen sich oft schon in den Schulen ab. Schulklassen und die Einstellungen der SchülerInnen[3] werden zunehmend heterogener. Teilweise konfligierende Werte und Lebensmodelle sind für LehrerInnen eine besondere Herausforderung, weil sie nicht nur als Vermittlungsinstanz für Schulwissen, sondern auch als Erziehende einen großen Beitrag für die Wertebildung im Sinne einer freiheitlich-demokratischen Gesellschaft leisten. Schulen müssen insofern nicht nur als Spiegel für die Gesellschaft, sondern auch als wichtige Instanz ihrer Konstitution gesehen werden. Gerade deshalb ist ihre integrative Funktion und die Vermittlung demokratischer und aufklärerischer Grundprinzipien auch in Zeiten der zunehmenden Diversifizierung eine Aufgabe, die neben ihrer Qualifikationsfunktion höchste Priorität hat.

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Wettrüsten bei Hyperschall-Raketen und -Fluggeräten

Boeing X-51A Waverider. Bild: USAF
Die Hyperschall-Technik eröffnet einen weltweiten Angriff in wenigen Minuten, was die Reaktionszeit drastisch verkürzt und die meisten Raketenabwehrsysteme aushebelt

Von Florian Rötzer | TELEPOLIS

Vermutlich haben die USA den Takt mit dem 2003 ausgegeben Plan eines Global Strike bzw. „Prompt Global Strike“ (CONPLAN 8022) vorgegeben und einen Rüstungswettlauf von Hyperschall-Drohnen oder -Raketen angeschoben.

Primäres Ziel ist es nicht, einen umfassenden Angriff auf ein Land etwa mit Atomraketen zu ermöglichen, sondern mit Interkontinentalraketen mit konventionellen oder nuklearen Sprengladungen, ballistischen Raketen oder Hyperschallgeschwindigkeits-Gleitfluggeräten ein beliebiges lokales Ziel irgendwo auf der Erde innerhalb einer Stunde zu treffen. Beispielsweise wird daran gedacht so die gegnerische Regierung oder militärische Führung ausschalten (decapitation) zu können (Globale Angriffs- und Zerstörungskapazität).

2011 führte das Pentagon den angeblich erfolgreichen ersten Test der Hyperschall-Rakete AHW (Advanced Hypersonic Weapon), nachdem 2010 ein Test mit der Weltraumdrohne Falcon Hypersonic Technology Vehicle 2 (HTV-2) gescheitert war, die mit der Hilfe einer Trägerrakete auf eine Höhe von 100 km gebracht werden und dann mit Mach 20 ein Ziel auf der Erde ansteuern sollte. Auch 2014 scheiterte ein weiterer Test. Ein Test mit dem Scramjet X-51A (WaveRider) soll jedoch erfolgreich verlaufen sein.

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Juden ist das Mitfliegen verboten

Schalter von Kuwait Airways am Flughafen Kuwait. (Foto: AP)
Ein deutsches Gericht billigt einen antisemitischen Boykott: Kuwait Airways sei es nicht zumutbar, einen Israeli zu befördern. Noch seltsamer als das Urteil ist seine Begründung.

Von Ronen Steinke | Süddeutsche Zeitung

Gegen den Muslim Ban sind die Gerichte demokratischer Staaten Sturm gelaufen. Gegen den Jew Ban auch – bisher.

Als Donald Trump pauschal den Menschen aus einigen mehrheitlich muslimischen Ländern die Einreise verbieten wollte, war die Empörung groß. Als einige Golfstaaten den Menschen aus dem einzigen mehrheitlich jüdischen Staat der Welt pauschal die Einreise verbieten wollten, auch. Richter in Amerika und Australien tippten sich an die Stirn: Golf-Airlines, die Israelis diskriminieren wollten, sollten woanders landen, nicht mehr bei ihnen.

Erst ein Gericht in Deutschland ist da jüngst ausgeschert, es hat diese Diskriminierung gebilligt, und schlimmer geht’s immer: Wer nun die 13-seitige Urteilsbegründung aus Frankfurt liest, mag dieses seltsame Urteil auch nicht mehr mit irgendwelchen Zwängen des deutschen Zivilrechts entschuldigen.

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Die neue Internationale der Halbgebildeten

Was denkt wohl die schweigende Mehrheit? Szene nach einer Wahlkampfveranstaltung Donald Trumps im Herbst 2016. (Bild: Andrew Kelly / Reuters)
Populisten, das sind stets die anderen. Doch der Vorwurf verfängt nicht mehr. Er zeugt von Ignoranz – und fällt auf die Intellektuellen zurück.

Von Hans Ulrich Gumbrecht | Neue Zürcher Zeitung

Vor einem Jahr, gleich nach der Wahl Donald Trumps zum Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika, explodierte der sonst auf intellektuelle Energieströme konzentrierte Campus der Stanford University. Das denkende Zentrum des Silicon Valley verfiel in eine ungewohnt hektische Betriebsamkeit – und dasselbe Szenario wiederholte sich einige Wochen später bei Trumps Amtsantritt. Zwischen Vorlesungen und Seminaren marschierten plötzlich Hunderte von Studenten zwischen den eher klösterlich anmutenden Gebäuden hin und her, um auf Spanisch, wie Enkel von Che Guevara, den für Stimmungen dieser Art so beliebten Reim «El pueblo unido / jamás será vencido» zu skandieren («Wenn das Volk vereinigt ist, kann es nie besiegt werden»).

Sie protestierten wie ihre Vorgänger während der studentenbewegten Jahre um 1968 in der naiven Überzeugung, Teil und sichtbare Repräsentation des «Volkes» zu sein, verstanden als die vermeintlich solidarische Masse aller «unterprivilegierten» Schichten und Gruppen. Dies wirkte unfreiwillig komisch. Denn dieser Identitätsanspruch kann nicht wirklich auf die Mitglieder einer zukünftigen Elite zutreffen, die als Höchstbegabte in Stanford zugelassen sind. Doch selbst die etwas freundlichere Deutung, wonach es hier um einen Aufruf zur politischen Konvergenz zwischen Unterprivilegierten der Gegenwart und Privilegierten der Zukunft ging, beruhte auf der anmassend optimistischen Prämisse, dass dem amerikanischen «Volk» an einem solchen Bündnis gelegen sei.

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„Kokain hemmt die Fortpflanzung der Miesmuschel“

Blick auf die Bucht von Santos. © Screenshot Google Maps
Der Biologe Camilo Seabra hat vor der brasilianischen Küste hohe Konzentrationen von Arzneimitteln und Drogen gemessen. Wie wirkt sich das auf die Unterwasserwelt aus?

Von David Klaubert | Frankfurter Allgemeine

Herr Seabra, Sie haben mit einem Team von Wissenschaftlern das Meerwasser in der Bucht von Santos untersucht. Was haben Sie gefunden?

Wir haben pharmazeutische Stoffe gefunden: Ibuprofen, Diclofenac, Paracetamol, Losartan. Wir haben Kokain gefunden und sein Stoffwechselprodukt, also das was im Urin des Konsumenten ist: Benzoylecgonin.

Wie viel Kokain haben Sie gefunden?

500 Nanogramm in einem Liter Wasser.

Ist das viel?

Diese Konzentration hat uns überrascht. Es ist die höchste, die auf der Welt in Küstenregionen gemessen worden ist. In Bächen oder Flüssen kommt das schon mal vor, aber fürs Meer ist die Konzentration sehr hoch.

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Sexuelle Übergriffe gab es auch beim Nobelpreis-Gremium

Wenn Männer zu sehr kungeln – die Nobelpreis-Medaille des britischen Physikers Cyril Norman Hinshelwood von 1956. (Bild Mike Nelson/epa)
Mehr Würde als die Schwedische Akademie, welche in Stockholm die Nobelpreise vergibt, kann man kaum ausstrahlen. Nun erweist es sich, dass hinter den Kulissen ein Frauenschänder sein Unwesen trieb – und nicht wenige davon wussten.

Von Aldo Keel | Neue Zürcher Zeitung

Die #metoo-Affäre hat nun die Schwedische Akademie erreicht, zu deren Aufgaben die Wahl der Literaturnobelpreisträger gehört. Sie hat die ehrwürdige Institution in die schwerste Krise ihrer Geschichte gestürzt, wie «Dagens Nyheter» schreibt.

Schon am Dienstag bezichtigten 18 Frauen einen Mann aus dem Umkreis des erlauchten Gremiums in «Dagens Nyheter» sexueller Übergriffe. Der Name des Mannes blieb geheim. «Die Polizei sagte, es handle sich um eine Vergewaltigung, ich wagte es aber nicht, Anzeige zu erstatten», heisst es da etwa. Am Donnerstag traf sich die Akademie zu einer Krisensitzung. Danach verlas die Vorsitzende Sara Danius mit versteinerter Miene eine Erklärung. «Mitglieder, Töchter von Mitgliedern, Ehefrauen von Mitgliedern und Personal der Kanzlei der Schwedischen Akademie waren unerwünschter Intimität vonseiten des Betreffenden ausgesetzt.» Zu Übergriffen soll es sogar in Räumen der Akademie und deren Wohnung in Paris gekommen sein.

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Wettlauf um die erste Kopftransplantation der Welt

Der Neurochirurg Canavero will einen Weltrekord aufstellen. – (c) REUTERS (Russell Cheyne)
Der Italiener Sergio Canavero will der erste sein, der einen Menschenkopf transplantiert. Und zwar in China. Fachkollegen sind wenig begeistert. Es fehlten wissenschaftliche Grundlagen.

Die Presse.com

Wie die weltweit erste Kopftransplantation ablaufen soll, hat Sergio Canavero genau vor Augen: In einem mindestens 200 Quadratmeter großen Operationssaal arbeiten Spezialisten an Spender und Empfänger, die fixiert in Metallgestellen sitzen. „100 Experten aus aller Welt werden diesen monumentalen Eingriff wagen“, schrieb der italienische Neurochirurg in seinem Buch „Medicus Magnus“ zum Prozedere.

Ursprünglich für 2017 angekündigt, solle nun im kommenden Frühjahr der Kopf eines schwerkranken Menschen auf den Körper eines hirntoten Spenders gesetzt werden. So zumindest kündigt es der Verlag mit Verweis auf Canavero an, der aus Turin stammt und dort als Neurochirurg gearbeitet hat. Im Internet gibt es Bücher von ihm über die Eroberung von Frauen zu kaufen. Auf Fotos zeigt er sich durchtrainiert und muskulös, Eitelkeit kann ihm nicht fremd sein.

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Polen und die „parteiische Kirche“

Trennung von Staat und Kirche? Wie in keinem anderen EU-Land beeinflusst die katholische Kirche die Politik in Polen: Verschärfung der Abtreibungsregeln, teilweise Rücknahme der verkaufsoffenen Sonntage und noch mehr. Eine gefährliche Verbindung von „Kirche, Polentum und Nation“.

Von Jens Mattern | evangelisch.de

„Die Bischöfe sind dabei, eine parteiische Kirche zu bilden“ dieser Vorwurf des emiritierten Weihbischofs Tadeusz Pieronek sorgte Anfang November in Polen für Unruhe. Der Geistliche glaubt, dass die katholische Kirche auf Seiten der regierenden Partei „Recht und Gerechtigkeit“ (PiS) unter Premierministerin Beata Szydlo agiere und diese Parteinahme sei „die wohl die größte Gefahr für die Kirche.“

Das Episkopat reagierte betont gelassen, dies sei eine individuelle Meinung, zudem wäre der der 84-jährige Amtsbruder bereits in die Jahre gekommen.

Doch die Vorhaltung Pieroneks ist nicht neu, vor allem der liberale Teil Polens erhebt sie, nach Umfragen glauben 48 Prozent der Befragten, dass das Verhältnis zwischen Kirche und Regierungspartei „zu nahe“ sei. Und das Thema ist von Interesse – schließlich bekennen sich über 90 Prozent der Bevölkerung Polens zum römisch-katholischen Glauben. Die Katholische Kirche spielte dort in den Achziger Jahren als moralischer Beistand der Solidarnosc-Bewegung, welche schließlich 1989 die ersten halbwegs freien Wahlem im Ostblock erzwingen konnte, eine wichtige Rolle.

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Kampfzone Sinai

Ein Terrorattentat vor der Rawda-Moschee auf dem Nordsinai forderte mehr als 200 Tote.Foto: AFP
Immer wieder gibt es auf der Halbinsel Terrorangriffe. Ägypten bekommt die Gewalt nicht in den Griff.

Von Christian Böhme | DER TAGESSPIEGEL

Auf dem Sinai kommt es immer wieder zu Anschlägen. Doch der jüngste Angriff auf eine Moschee gehört sicherlich zu den bisher verheerendsten. Mehr als 230 Menschen sind dabei ums Leben gekommen. Auf Bildern, die direkt nach dem Anschlag in den sozialen Netzwerken geteilt wurden, sind viele behelfsmäßig mit Tüchern und Kleidungsstücken bedeckte Körper zu sehen, die im Innern des Gotteshauses auf dem Boden liegen. Der grüne Teppichboden ist voller Blutflecken. Auf anderen Fotos werden Verletzte in Krankenwagen und auf den Ladeflächen von Autos weggefahren.

Den Behörden in Kairo zufolge legten die Angreifer mehrere Sprengsätze rund um die Al-Rawdah-Moschee in der Nähe der im Norden der Halbinsel gelegenen Provinzhauptstadt Al Arisch und zündeten sie, als die Gläubigen nach dem traditionellen Freitagsgebet herauskamen.

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Wie Ordnungshüter während der NS-Zeit zu Massenmördern wurden

Aufmarsch vor barocker Kulisse: Knapp 1700 Polizeioffiziere absolvierten während der NS-Herrschaft ihre Ausbildung in der Polizeischule von Fürstenfeldbruck, die SS-Führer Heinrich Himmler unterstand. (Foto: Archiv Sven Deppisch)
Eine neue Studie enthüllt die zentrale Rolle der Polizeischule in Fürstenfeldbruck für die deutschen Verbrechen im Zweiten Weltkrieg.

Von Peter Bierl | Süddeutsche Zeitung

Offiziere aus der Polizeischule in Fürstenfeldbruck waren für unzählige Verbrechen während des Zweiten Weltkrieges verantwortlich. Das ist das Ergebnis einer umfangreichen neuen Studie des Historikers Sven Deppisch. „Die Schule war ein zentraler Täterort des Dritten Reiches und ein Knotenpunkt im Koordinatensystem des Holocaust“, lautet sein Fazit.

So waren Polizeioffiziere beteiligt an der Ermordung der jüdischen Bevölkerung etwa in Babij Jar oder an der Deportation von Zehntausenden in die Vernichtungslager sowie an der Niederschlagung des Warschauer Aufstandes.

Ähnlich wie bei der Wehrmacht pflegten die Deutschen auch bei der Polizei lange die Legende, sie sei während der NS-Zeit „sauber“ geblieben. Spätestens nach den Studien von Christopher Browning (1992) und Daniel Jonah Goldhagen (1996) ließ sich das nicht mehr halten. Sie wiesen nach, dass ganz normale deutsche Ordnungshüter eine Blutspur durch Europa gezogen hatten. Deppisch hat nun recherchiert, woher die Offiziere dieser Einheiten stammten: Ein großer Teil von ihnen kam von der Polizeischule in Fürstenfeldbruck. Während der NS-Zeit absolvierten dort fast 1700 Polizeioffiziere ihre Ausbildung.

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Goldenes Brett für den „König von Deutschland“

Peter Fitzek ist eine Führungsperson der „Reichsbürgerbewegung“. Außerdem ist er „König von Deutschland“ und glaubt an feinstoffliche Welten. Foto: APA/AFP/dpa/HENDRIK SCHMIDT
Schmähpreis für den „größten antiwissenschaftlichen Unfug des Jahres“ geht an einen Vertreter der „Reichsbürgerbewegung“

Von Thomas Bergmayr | derStandard.de

In den vergangenen sechs Jahren – so lange nämlich gibt es diese „Auszeichnung“ in Österreich schon – entstammten die Preisträger des Goldenen Bretts vorm Kopf hauptsächlich den inneren Zirkeln einer wachsenden Esoterikszene. Zwischen 2011 und 2016 waren es vor allem Unterstützer der Lichtdiät, vermeintlich heilkundige Scharlatane, Homöopathen und Aids-Leugner, die mit dem Satirepreis der Gesellschaft zur Wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften (GWUP) für den „größten antiwissenschaftlichen Unfug des Jahres“ bedacht wurden.

Einzige Ausnahme war der Sieger von 2014: Der deutsche R-’n’B-Sänger  Xavier Naidoo gilt als Sympathisant demokratiefeindlicher Ideen und war mehrfach durch verschwörungstheoretische Aussagen aufgefallen.

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Geschiedener Mann verzweifelt an seiner Kirche: „Seelisch vergewaltigt“ – Parallelwelt Kirche

Hier ist noch alles rosarot. Aber kommt es zur Scheidung und zu einer neuen Hochzeit, lebt man laut katholischer Kirche im Zustand der Sünde. Foto: Blickwinkel, imago (Symbolbild)
Sein Privatleben kann ihn seinen Job bei der katholischen Kirche kosten. Deshalb zieht der geschiedene Mann vor ein Kirchengericht. Er ahnt nicht, worauf er sich da einlässt.

Von Daniel Wirsching | Augsburger Allgemeine

Dies ist die Geschichte eines Mannes, der trotz allem noch an Gott glaubt. Gelegentlich geht er sogar in die Kirche, um zu beten. Mit der Institution Kirche hat er dagegen abgeschlossen. Er lernte sie von ihrer unbarmherzigen Seite kennen. Er sagt: „Die Kirche hat mich seelisch vergewaltigt.“

Dennoch arbeitet er nach wie vor in einer Einrichtung der katholischen Kirche. Und nach wie vor hat er Angst, seinen Job zu verlieren. Die Angst begleitet ihn seit Jahren. Deshalb will er auch nicht seinen Namen in der Zeitung lesen; nicht, wo er wohnt; nicht, wo er arbeitet. Der Mann ist Vater, muss Kredite zurückzahlen. Er wurde zur Verschwiegenheit verpflichtet. Der Mann will Menschen darauf aufmerksam machen, worauf sie sich bei einem kirchlichen Gerichtsverfahren einlassen. Er ist einer der wenigen, die über ihre Erlebnisse mit den Richtern Gottes sprechen.

Richter Gottes. So hieß vor zwei Jahren eine TV-Doku der Journalistin Eva Müller über die „geheimen Prozesse der Kirche“. Anfang 2016 erschien ihr gleichnamiges Buch. Ihr gelang erstmals ein tieferer Einblick in die verschlossene Welt deutscher Kirchengerichte.

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