Polen und die „parteiische Kirche“


Trennung von Staat und Kirche? Wie in keinem anderen EU-Land beeinflusst die katholische Kirche die Politik in Polen: Verschärfung der Abtreibungsregeln, teilweise Rücknahme der verkaufsoffenen Sonntage und noch mehr. Eine gefährliche Verbindung von „Kirche, Polentum und Nation“.

Von Jens Mattern | evangelisch.de

„Die Bischöfe sind dabei, eine parteiische Kirche zu bilden“ dieser Vorwurf des emiritierten Weihbischofs Tadeusz Pieronek sorgte Anfang November in Polen für Unruhe. Der Geistliche glaubt, dass die katholische Kirche auf Seiten der regierenden Partei „Recht und Gerechtigkeit“ (PiS) unter Premierministerin Beata Szydlo agiere und diese Parteinahme sei „die wohl die größte Gefahr für die Kirche.“

Das Episkopat reagierte betont gelassen, dies sei eine individuelle Meinung, zudem wäre der der 84-jährige Amtsbruder bereits in die Jahre gekommen.

Doch die Vorhaltung Pieroneks ist nicht neu, vor allem der liberale Teil Polens erhebt sie, nach Umfragen glauben 48 Prozent der Befragten, dass das Verhältnis zwischen Kirche und Regierungspartei „zu nahe“ sei. Und das Thema ist von Interesse – schließlich bekennen sich über 90 Prozent der Bevölkerung Polens zum römisch-katholischen Glauben. Die Katholische Kirche spielte dort in den Achziger Jahren als moralischer Beistand der Solidarnosc-Bewegung, welche schließlich 1989 die ersten halbwegs freien Wahlem im Ostblock erzwingen konnte, eine wichtige Rolle.

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