Sexuelle Übergriffe gab es auch beim Nobelpreis-Gremium


Wenn Männer zu sehr kungeln – die Nobelpreis-Medaille des britischen Physikers Cyril Norman Hinshelwood von 1956. (Bild Mike Nelson/epa)
Mehr Würde als die Schwedische Akademie, welche in Stockholm die Nobelpreise vergibt, kann man kaum ausstrahlen. Nun erweist es sich, dass hinter den Kulissen ein Frauenschänder sein Unwesen trieb – und nicht wenige davon wussten.

Von Aldo Keel | Neue Zürcher Zeitung

Die #metoo-Affäre hat nun die Schwedische Akademie erreicht, zu deren Aufgaben die Wahl der Literaturnobelpreisträger gehört. Sie hat die ehrwürdige Institution in die schwerste Krise ihrer Geschichte gestürzt, wie «Dagens Nyheter» schreibt.

Schon am Dienstag bezichtigten 18 Frauen einen Mann aus dem Umkreis des erlauchten Gremiums in «Dagens Nyheter» sexueller Übergriffe. Der Name des Mannes blieb geheim. «Die Polizei sagte, es handle sich um eine Vergewaltigung, ich wagte es aber nicht, Anzeige zu erstatten», heisst es da etwa. Am Donnerstag traf sich die Akademie zu einer Krisensitzung. Danach verlas die Vorsitzende Sara Danius mit versteinerter Miene eine Erklärung. «Mitglieder, Töchter von Mitgliedern, Ehefrauen von Mitgliedern und Personal der Kanzlei der Schwedischen Akademie waren unerwünschter Intimität vonseiten des Betreffenden ausgesetzt.» Zu Übergriffen soll es sogar in Räumen der Akademie und deren Wohnung in Paris gekommen sein.

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