Wie Ordnungshüter während der NS-Zeit zu Massenmördern wurden


Aufmarsch vor barocker Kulisse: Knapp 1700 Polizeioffiziere absolvierten während der NS-Herrschaft ihre Ausbildung in der Polizeischule von Fürstenfeldbruck, die SS-Führer Heinrich Himmler unterstand. (Foto: Archiv Sven Deppisch)
Eine neue Studie enthüllt die zentrale Rolle der Polizeischule in Fürstenfeldbruck für die deutschen Verbrechen im Zweiten Weltkrieg.

Von Peter Bierl | Süddeutsche Zeitung

Offiziere aus der Polizeischule in Fürstenfeldbruck waren für unzählige Verbrechen während des Zweiten Weltkrieges verantwortlich. Das ist das Ergebnis einer umfangreichen neuen Studie des Historikers Sven Deppisch. „Die Schule war ein zentraler Täterort des Dritten Reiches und ein Knotenpunkt im Koordinatensystem des Holocaust“, lautet sein Fazit.

So waren Polizeioffiziere beteiligt an der Ermordung der jüdischen Bevölkerung etwa in Babij Jar oder an der Deportation von Zehntausenden in die Vernichtungslager sowie an der Niederschlagung des Warschauer Aufstandes.

Ähnlich wie bei der Wehrmacht pflegten die Deutschen auch bei der Polizei lange die Legende, sie sei während der NS-Zeit „sauber“ geblieben. Spätestens nach den Studien von Christopher Browning (1992) und Daniel Jonah Goldhagen (1996) ließ sich das nicht mehr halten. Sie wiesen nach, dass ganz normale deutsche Ordnungshüter eine Blutspur durch Europa gezogen hatten. Deppisch hat nun recherchiert, woher die Offiziere dieser Einheiten stammten: Ein großer Teil von ihnen kam von der Polizeischule in Fürstenfeldbruck. Während der NS-Zeit absolvierten dort fast 1700 Polizeioffiziere ihre Ausbildung.

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