Kirche und Politik: Die Krise der Moralproduzenten

Im Gespräch: Der EKD-Ratsvorsitzende Heinrich Bedford-Strohm (l-r), Ilse Junkermann, Landesbischöfin der Evangelischen Kirche in…Foto: Hendrik Schmidt/dpa
Die Kirchen sind nur noch Kulissen für Wertdebatten – prägen können sie sie nicht mehr, schreibt unsere Kolumnistin.

Von Ursula Weidenfeld | DER TAGESSPIEGEL

In dieser Woche geht das Kirchenjahr zu Ende. Es war für die beiden großen Kirchen kein gutes, trotz Luther und freundlichen Jubiläumsterminen. Selten war der Graben zwischen Politik und Kirchen so tief. Die Kirchen sind noch eine schöne Kulisse für Wertedebatten. Prägen können sie sie nicht mehr.

Zuerst eskalierte der Ärger über die Einmischung der Kirchen in der Flüchtlingsfrage. Vor einem Jahr forderte der bayerische Finanzminister Markus Söder sie auf, sich gefälligst aus der Politik herauszuhalten und sich um ihren eigenen Kram – die Seelsorge – zu kümmern. Die Unionspolitiker hatten genug von der moralischen Dimension der Flüchtlingsfrage, die Kirchen liefen mit ihrem Rigorismus vor die Wand. Dann kam die „Ehe für alle“. Verständnislos schüttelten Politiker aller Parteien den Kopf, als die katholische Kirche die Begeisterung über die Gleichstellung nicht teilen wollte. Die Gedankenwelt der Kirche wurde mit Spott betrachtet.

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Josef Schuster fordert bei Ratsversammlung faire Israel-Berichterstattung in den Medien

»Antisemitismus darf nie auf Gleichgültigkeit stoßen«: Zentralratspräsident Josef Schuster © Thomas Lohnes/ZR
Der Zentralrat der Juden in Deutschland ruft die Medien zu einer fairen Israel-Berichterstattung auf.

Jüdische Allgemeine

Angesichts der gestiegenen Israel-Feindlichkeit in Deutschland trügen auch die Medien Verantwortung dafür, dass Deutschland seiner historischen Verpflichtung gegenüber dem jüdischen Staat nachkomme, erklärte Zentralratspräsident Josef Schuster bei der Ratsversammlung am Sonntag in Frankfurt am Main.

Schuster zeigte sich besorgt darüber, dass in vielen Medien an Israel doppelte Standards angelegt würden, aber der Israel-bezogene Antisemitismus nicht ausreichend wahrgenommen werde. »In vielen Medien werden Antisemitismus und die zunehmende Israel-Feindlichkeit leider zu wenig thematisiert und mitunter durch einseitige Berichterstattung sogar befördert«, kritisierte er. »Antisemitismus darf nie auf Gleichgültigkeit stoßen«, fügte er hinzu.

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Wie Stress auf das Immunsystem wirkt

Nicht nur die Prüfungssituation selbst, auch die Zeit davor und danach ist für Studierende oft sehr belastend. © Antonio Diaz/ thinkstock
Voll im Stress: Belastende Prüfungsphasen wirken sich merklich auf das Immunsystem von Studierenden aus. Durch die stressige Situation sinkt die Zahl wichtiger Akteure für die frühe Immunantwort gegen Infektionen, wie eine Studie zeigt. Gleichzeitig wappnet sich der Körper jedoch durch eine Umverteilung reifer Abwehrzellen vom Blut ins Gewebe. Frappierend dabei: Bei psychisch bereits vorbelasteten Personen scheint das Immunsystem nicht mehr auf diese Weise reagieren zu können.

scinexx

Stress gehört für die meisten von uns längst zum Alltag: Zeitdruck, Überforderung und ständige Informations-Überflutung sorgen dafür, dass viele Menschen kaum mehr zur Ruhe kommen. Doch das hat Folgen: Stress macht auf Dauer vergesslich, sabotiert unsere Selbstkontrolle und beeinträchtigt unsere Sinneswahrnehmung. Auch unsere Gesundheit leidet unter dieser Belastung. So kann Stress langfristig Übergewicht fördern und ähnliche gesundheitliche Folgen haben wie ungesundes Essen. Bekannt ist zudem, dass Stress unser Immunsystem beeinflusst.

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Religiotie: Nora Illi vergleicht Burka-Verbot mit Holocaust

Sorgt auf Twitter für einen Eklat: Nora Illi vergleicht auf Twitter das Burka-Verbot mit dem Holocaust. Bild: Basler Zeitung
Die Schweizer Konvertitin bringt auf Twitter das Burkaverbot mit dem Holocaust in Verbindung. Sie wolle damit auf die steigende Islamfeindlichkeit hinweisen.

Basler Zeitung

Erst gerade ist Nora Illi, die Frauenbeauftragte des Islamischen Zentralrats der Schweiz (IZRS), vollverschleidert durch die Wiener Innenstadt geschlendert. In Österreich gilt seit dem Oktober das Burka-Verbot. Jetzt sorgt die zum Islam konventierte Schweizerin für den nächsten Eklat.

Auf Twitter postete die 33-Jährige einen Bild-Beitrag: Eine vollverschleierte Frau – daneben die Gittertür eines Konzentrationslagers mit der Aufschrift «Arbeit macht frei». Dazu schreibt Illi: «‹Wenn Unrecht zu Recht wird, wird Widerstand zur Pflicht.› Nicht erst wenn es soweit ist.» Hashtags wie #Dachau und #Neveragain verweisen auf den Holocaust.

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Bundesinstituts-Präsident wehrt sich gegen Plagiatsvorwurf bei Glyphosat-Bewertung

Glyphosat ist nicht der einzige Inhaltsstoff in Pflanzenschutzmitteln, der bedenklich ist. (Foto: Flickr/ Roundup, Monsanto by Mike Mozart CC BY 2.0)
Der Präsident des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR), Andreas Hensel, wehrt sich gegen den Vorwurf, seine Mitarbeiter hätten bei der Bewertung des Unkrautvernichters Glyphosat Informationen

stern.de

Der Präsident des Bundesinstituts für Risikobewertung ( BfR), Andreas Hensel, wehrt sich gegen den Vorwurf, seine Mitarbeiter hätten bei der Bewertung des Unkrautvernichters Glyphosat Informationen der Anbieter abgeschrieben. „Der Plagiatsvorwurf ist erfunden und haltlos“, sagte Hensel dem „Tagesspiegel“ (Montagsausgabe). In der Wissenschaft sei die Sache „glasklar: Glyphosat ist nicht krebserregend“.

Das BfR könne „doch nicht einen Stoff für gesundheitlich problematisch erklären, der in Wirklichkeit unbedenklich ist, nur, weil das bestimmten Kreisen in den Kram passt“, sagte Hensel weiter. Er warnte vor einer Diskreditierung der Wissenschaft. „Wir merken, dass sobald wir eine Bewertung veröffentlichen, die nicht auf die politische Agenda passt, wir öffentlich der Unfähigkeit bezeichnet werden.“

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Schönborn: Niemand kann alle Not der Welt lösen – sein Gott auch nicht #fail

Geben ist seliger denn nehmen.

Wie umgehen mit Fremden, Flüchtlingen, Heimatlosen und Obdachlosen? Dieser Frage widmete sich Kardinal Christoph Schönborn in seiner Freitags-Kolumne für die Gratiszeitung „Heute“.

kath.net

Das Sonntags-Evangelium und der Satz Jesu „Ich war ein Fremder und ihr habt mich aufgenommen“ würden Europa und Österreich noch immer betreffen. Diese Situation könne beunruhigen. Aber „niemand erwartet, dass ich alle Not der Welt löse“. Wichtig wäre jedoch, dass man ein „Herz für die Not der anderen“ habe.

Bereits Jesus habe eine Reihe von Nöten und Problemen genannt, die es auch heute noch gäbe. Als Beispiel nannte Schönborn die Hungernden und Dürstenden, die Fremden und Armen, die Kranken und Gefangenen.

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Identitäre Bewegung: 15 Festnahmen in Paris wegen Waffenbesitzes

Symbol der Identitären Bewegung Deutschland.
Bild: wikimedia.org/CC-BY-SA 4.0

Nach dem Verbot einer Demonstration der Identitären Bewegung in Paris sind 15 Anhänger der rechtsextremen Gruppierung wegen Waffenbesitzes festgenommen worden.

derStandard.at

Bei den Festgenommenen seien verbotene Waffen gefunden worden, teilte die Polizei am Samstag mit. In 18 weiteren Fällen habe es Personenkontrollen gegeben.

Der Pariser Polizeipräfekt Michel Delpuech hatte am Freitag eine für Samstagnachmittag geplante Demonstration der Identitären Bewegung sowie Gegendemonstrationen von linken Gruppierungen verboten, „um gewaltsame Auseinandersetzungen und Störungen der öffentlichen Ordnung zu verhindern“.

Die Identitäre Bewegung wurde in Frankreich gegründet und ist mittlerweile auch in Österreich und Deutschland aktiv, wo sie unter Beobachtung der Verfassungsschützer steht.

Was Bienen, Schmetterlinge und Vögel wissen sollten – vom KGE-Dodo erklärt

Proteste in Islamabad drohen zu eskalieren

Demonstranten in Islamabad betonen ihre Liebe zum Propheten Mohammed. ©AFP
Tausende Demonstranten legen seit mehr als zwei Wochen Pakistans Hauptstadt lahm. Obwohl es bereits Tote gab, will die Regierung den religiösen Protest nun wohl auflösen – auch mit Hilfe des Militärs.

Frankfurter Allgemeine

Nach blutigen Zusammenstößen mit religiösen Demonstranten in der pakistanischen Hauptstadt Islamabad stehen Polizei und Militär bereit, um die auf mindestens 2000 Menschen geschätzte Gruppe aufzulösen. Am Samstag waren bei ersten Versuchen, den schon mehr als zwei Wochen lang andauernden Protest zu beenden, bereits sechs Menschen getötet und mehr als 200 verletzt worden. Auch die Armee ist im Einsatz, wie das Innenministerium erklärte.

Seit dem 8. November hatten etwa 1500 Mitglieder der Bewegung Tehreek Labaik Ya Rasool Allah mit der Blockade der wichtigsten Ausfallstraße von Islamabad versucht, die Amtsenthebung von Justizminister Zahid Hamid zu erreichen. Sie werfen ihm Gotteslästerung vor: Er hatte den Text des Eides, den Parlamentarier ablegen müssen, ihrer Meinung zugunsten einer umstrittenen religiösen Minderheit – der Ahmadi – abgeändert. Ahmadis sind eine Ahmadis, die in Pakistan nicht als Muslime anerkannt werden. Die Änderung der Eidesformel war schnell wieder zurückgezogen worden. Das stoppte die Demonstranten allerdings nicht. Seit 18 Tagen legen sie die Hauptstadt lahm.

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Katholische Aufklärung: Die betenden Rebellen

Das katholische Spanien war nicht nur finster, antiaufklärerisch: „Sitzung des Inquisitionsgerichtes“ (um 1812/19) von Francisco de Goya. – (c) imago/United Archives International
Sie forderten mehr Experimentalphysik und ein Ende der Sklaverei: Ein Buch erzählt die vergessene Geschichte der katholischen Aufklärung.

Von Anne-Catherine Simon | Die Presse.com

Er war so berühmt wie Cervantes – der Benediktinermönch Benito Feijoo, der 1726 in Spanien die „Verteidigung der Frauen“ schrieb. Dass Frauen keinen komplexen Gedankengängen folgen könnten, sei das Hirngespinst der schreibenden Männer, liest man darin. Man könne ja wohl nicht von ihnen erwarten, Gelehrte zu sein, wenn man sie nicht studieren lasse und ihnen nur Hausarbeit zutraue. Und würden die Frauen schreiben, würden wohl sie die Männer als das „schwache Geschlecht“ bezeichnen . . . Feijoo war ein Vorkämpfer der Frauenemanzipation, Jahrzehnte bevor die ersten Aufklärer wie Jeremy Bentham auf ähnliche Ideen kamen. Und das ausgerechnet in Spanien, jenem Land, das von allen europäischen vielleicht am meisten mit finsterem, antiaufklärerischem Katholizismus verbunden wird.

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«Flat Earth»-Anhänger muss Flug mit selbstgebastelter Rakete verschieben

Auf der Suche nach Erkenntnis: Mike Hughes mit seiner aus Altteilen zusammengebauten und mit Dampf betriebenen Rakete. (Bild: Waldo Stakes / Handout / Courtesy of Mad Mike Hughes via AP)
Die Erde ist eine Scheibe: Das will ein amerikanischer Tüftler mit einem Flug in seiner selbstgebauten Rakete beweisen. Doch Mike Hughes hat Probleme mit der Startgenehmigung – und der Technik.

Neue Zürcher Zeitung

Der Amerikaner Mike Hughes hat seinen für dieses Wochenende geplanten Flug in einer selbstgebauten Rakete auf kommende Woche verschieben müssen. Er habe von der zuständigen Behörde keine Genehmigung für den Start auf einem staatlichen Grundstück in der Mojave-Wüste bekommen, zitierte die «Washington Post» am Freitag den 61-Jährigen. Zudem gebe es technische Schwierigkeiten. Hughes will mit seinem Flug über die Wüste nachweisen, dass die Erde eine Scheibe ist, wie er auf seiner Facebook-Seite schreibt.

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„Eine solche Dürre habe ich noch nie erlebt“

Stausee in Yesa. Der Ort Tiermas befindet sich wie ein Mahnmal über den Quellen am See. Die Einwohner mussten weichen, da ihre Weide- und Anbauflächen wie das Thermalbad geflutet würden. Bild: R. Streck
Eine extreme Trockenheit hat die Iberische Halbinsel im Griff, die Stauseen sind sogar in Nordspanien leer

Von Ralf Streck | TELEPOLIS

Es will nicht regnen in Spanien und Portugal. Nur der äußerste Nordwesten kann nun etwas aufatmen, da eine Atlantikfront etwas Regen bringt. Das ändert aber in weiten Teilen beider Länder nichts daran, dass die Lage so besorgniserregend ist, dass vor allem in Portugal schon stark über Wasserrationierungen nachgedacht wird. In Portugal, das wegen der Dürre schon einen schrecklichen Brandsommer mit mehr als 100 Toten erlebt hat, sind schon 94% des Landes von einer „extremen Dürre“ betroffen, erklärt der Staatssekretär für Umwelt Carlos Martins.

Klimaveränderungen zeigen sich mit voller Wucht und sie wirken sich auch auf die Stromproduktion aus. Nur noch 29 % des gesamten Stroms wurden im Oktober in Portugal über erneuerbare Quellen erzeugt, weil die Stauseen leer sind. Von Januar bis Oktober waren es noch 40 %, obwohl das Land in einigen Jahren schon über 60% kam und sich zum Teil schon über mehrere Tage komplett mit erneuerbarem Strom versorgen kann. Das fehlende Wasser führt dazu, dass nun auch in Portugal verstärkt fossile Brennstoffe benutzt werden müssen, womit der Ausstoß klimaschädlicher Treibhausgase zunimmt, der aber dringend reduziert werden müsste, um die für die iberischen Halbinsel fatalen Klimaveränderungen zu stoppen. Klimaforscher sagen voraus, dass es dort 2050 nur noch in wenigen Regionen Olivenbäume, Orangenbäume und Weinanbau geben wird.

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Darwins Jahrhundertwerk

Bild: Theiss-Verlag

Ja, das ist das Buch, von dem alle gehört, das aber wohl nur wenige wirklich gelesen haben: Charles Darwins „Über die Entstehung der Arten“ (On the Origin of Species).

Von Frank Schubert | Spektrum.de

Es liegt jetzt neu aufbereitet in adaptierter deutscher Übersetzung vor – illustriert mit wunderbaren Fotos und Abbildungen aus Darwins Werken, mit Gemälden und historischen Karikaturen. Auszüge aus seiner Autobiografie, seinen Reisebeschreibungen und Briefen gesellen sich hinzu. Heraus kommt ein mächtiger Band, der seine Leser fordert, aber großartige Lektüre bietet.

Ein wenig erstaunt es, dass der Verlag die Übersetzung Heinrich Georg Bronns von 1860 herangezogen hat (und leicht modifizierte, um sie an heutige Sprachgewohnheiten anzupassen). Sie ist verschiedentlich kritisiert worden, da sie sich inhaltliche Veränderungen herausnahm. Als Standardübersetzung dient meist die von Julius Victor Carus (1876).

Der lange Weg zur publizierten Theorie

In einer schönen Einführung umreißt Wissenschaftsautor David Quammen die Geschichte hinter dem berühmten Buch. Als 16-Jähriger beginnt Darwin ein Medizinstudium. Da es ihn langweilt, bricht er nach zwei Jahren ab und wechselt zur Theologie. 1831 macht er sein Examen darin und geht als Naturforscher an Bord des Vermessungsschiffs „Beagle“. Während der folgenden mehrjährigen Reise reift er zu einem akribischen Wissenschaftler. Die Beobachtungen, die er weltweit macht, lassen ihn schon bald vermuten, dass die Arten veränderlich sind.

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«Wenn wir die Phantasie kontrollieren, wird es gefährlich»

Eine Teilnehmerin eines Protestmarsches in Hollywood trägt die Namen all jener Männer auf dem T-Shirt, die sie angeblich sexuell belästigt haben. (Bild: Lucy Nicholson / Reuters)
Der Psychoanalytiker und Schriftsteller Jürg Acklin warnt vor den Folgen der derzeitigen Sexismus-Debatte: Wir würden unsere eigene Widersprüchlichkeit nicht mehr ertragen.

Von Birgit Schmid | Neue Zürcher Zeitung

Herr Acklin, Wochen später dreht der Weinstein-Skandal noch immer. Schauspieler, Politiker, Trainer werden der sexuellen Belästigung bezichtigt und von der Öffentlichkeit angeprangert. Medien berichteten im Nachrichten-Ticker –vor ein paar Tagen live von der Klimakonferenz in Bonn, wo Vorwürfe gegen Abgeordnete erhoben wurden. Was passiert da gerade?

Zuerst einmal: Dass Fälle von realer, sexueller Gewalt an den Tag kommen, ist gut und wichtig, gerade da, wo ein Abhängigkeitsverhältnis ausgenutzt wird. Das muss aufhören, die «gruusigen» Typen müssen gestoppt werden, und dafür braucht es ein Regulativ. Aber es artet aus. Am Anfang ist es eine Aufklärung, die erhellend und notwendig ist. Doch dann wird es so hell, dass es fast wahnhaft wird. Es gibt eine Art Inquisitionsfuror, man riecht Blut wie ein Jäger und wähnt sich dabei auf der richtigen Seite. Wenn aber jeder Fall skandalisiert wird, dann leistet man den Betroffenen, die tatsächlich leidvolle Erfahrungen gemacht haben, einen Bärendienst.

Wo ziehen Sie denn die Grenze?

Eine Vergewaltigung ist absolut unentschuldbar, da geht es um eine kriminelle Energie. Ein Betatschen ist ebenfalls voll daneben, aber man kann es nicht mit sexueller Gewalt gleichsetzen. Diese würde dadurch relativiert. Früher gab man solch alten «Glüschtlern» eins auf die Finger oder eine Ohrfeige. Was mir zu denken gibt, sind die Folgen der jetzigen Sexismus-Debatte: Heute darf man einer Frau nicht einmal mehr sagen, dass sie gut aussieht, ohne dass das als sexistisch empfunden wird.

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Saïda Keller-Messahli und Ahmad Mansour über Islamismus und Radikalisierung: „Opfermentalität befördert Radikalisierung“

ÖIF-Diskussion mit Islamismus-Experten über Gründe der Radikalisierung von Jugendlichen, die Rolle islamischer Vereine sowie nötige Maßnahmen zur Prävention.

Pressemitteilung | ots.at

Am 23. November diskutierten Saïda Keller-Messahli, Preisträgerin des Schweizer Menschenrechtspreises sowie Präsidentin des Forums für fortschrittlichen Islam, und Islamismus-Experte Ahmad Mansour auf Einladung des Österreichischen Integrationsfonds (ÖIF) an der Universität Wien über den fehlenden innerislamischen Dialog zu Herausforderungen der Radikalisierung von Jugendlichen, Schulen als Brennpunkte und islamische Opfermentalität als Basis für Radikalisierung.

Kritische Auseinandersetzung mit Islam nötig

Ahmad Mansour, der in unterschiedlichen Projekten für Deradikalisierung und Islamismusprävention in Berlin tätig ist, betonte im Rahmen der Veranstaltung: „Bei der Radikalisierung von Jugendlichen geht es am Anfang um die Suche nach Sinn, einem Neuanfang und der Befreiung aus persönlichen Krisen. Sie suchen nach sichtbarer Identität, nach sozialer Verankerung und auch nach Regeln.“ Islamisten hätten gelernt, diesen Jugendlichen das passende Angebot zu bieten. „Sie haben diese Krise erkannt, sie sind die besten Sozialarbeiter.“

Die in Tunesien geborene und in der Schweiz aufgewachsene Saïda Keller-Messahli stimmte zu: „Viele Jugendliche finden zu Hause keine Gesprächskultur vor, viele für sie brennende Fragen zum Islam sind tabuisiert.“ In den Moscheen und im islamischen Religionsunterricht sei Widerspruch nicht erwünscht: „Bereits im Kindergarten lernen viele Kinder den Koran auswendig, ohne zu verstehen, was sie da lernen, ohne sich kritisch mit den Inhalten auseinandersetzen zu können.“

Opfermentalität befördert Radikalisierung

Keller-Messahli sowie Mansour betonten die Notwendigkeit der Entwicklung einer neuen Diskussionskultur und einer innerislamischen Auseinandersetzung mit dem Phänomen der Radikalisierung: „Islamismus kann man nicht ohne Islam erklären oder verstehen. Besonders die im Mainstream-Islamverständnis stark verankerte Opfermentalität befördert die Radikalisierung von Jugendlichen,“ so Mansour. Es brauche deshalb eine Diskussion über das in Europa geltende Islamverständnis: „Der Islam muss Jugendlichen Angebote machen, Muslim zu sein ohne im Widerspruch zu den in Europa geltenden Regeln und Werten zu leben.“

„Intoleranz mit Toleranz begegnen ist Rassismus“

Gefragt seien aber auch Mehrheitsgesellschaft und Politik, erklärte Mansour und betonte, dass die Gesellschaft im Umgang mit Muslim/innen an Selbstbewusstsein gewinnen müsse: „Muslime werden oft wie Kuscheltiere behandelt: Man darf sie nicht kritisieren, denn sonst ist man ja ein Rassist bzw. islamophob.“ Die Gesellschaft müsse aber an Sicherheit gewinnen und klar Regeln kommunizieren: „Wir müssen für unsere Werte einstehen. Denn Intoleranz unter dem Deckmantel der Religionsfreiheit mit Toleranz zu begegnen, das ist Rassismus.“

Wertevermittlung in Schulen fördern

Insbesondere Schulen und Lehrer/innen müssten besser in ihrer Arbeit unterstützt werden, so Mansour. „Schulen wurden für die Arbeit mit homogenen Gruppen konzipiert. Lehrer sind heute häufig nicht gut ausgebildet, um auf die vielfältigen Fragen und Problemstellungen der Schüler reagieren zu können.“ Wenn Lehrer aber keine Antworten liefern könnten, würden die betroffenen Jugendlichen ins Internet abwandern. „Wir brauchen deshalb mehr Gesprächskultur und auch mehr Wertevermittlung in Schulen.“

Schweigende Mehrheit der Muslime mobilisieren

Keller-Messahli erklärte, dass ein Großteil der Muslime in der Schweiz wie auch in Deutschland oder Österreich nicht organisiert sei: „Sie geben ihrer Religion keine politische Dimension und identifizieren sich nicht mit den Forderungen der vom Ausland gesteuerten Islamverbände. Diese schweigende Mehrheit müssen wir mobilisieren, ihnen eine Stimme geben.“ Problematisch sei, so Keller-Messahli, dass Islamverbände sich zunehmend als Ansprechpartner für die Politik positioniert hätten. „So spricht eine erzkonservative, vom Ausland abhängige Minderheit für die Mehrheit.“

Rückfragen & Kontakt:

Österreichischer Integrationsfonds
MMag. Franziska Micheler
+43 1 7101203 333
franziska.micheler@integrationsfonds.at

Warum Juristen im Islam eine so hohe Stellung haben

Bild: Dlf
Der Islam gilt wie das Judentum als eine Gesetzesreligion. Gebote, Verbote und sonstige rechtliche Regelungen haben für Gläubige eine hohe Bedeutung. Damit einher geht eine große Wertschätzung für Gelehrte des religiösen Rechts. Aber warum ist das so?

Von Dr. Devin Stewart | Deutschlandfunk

„Die Gläubigen dürfen nicht alle auf einmal zum Kampf hinausziehen. Warum zieht nicht aus jeder Gruppe nur eine Abteilung hinaus, damit (die Zurückbleibenden) Wissen in der Religion erlangen? Sie könnten ihre Leute dann nach der Rückkehr belehren, damit sie sich vor dem Bösen in acht nähmen.“

Dieser Vers gehört zu einer Koranpassage, in der militärische Kampfeinsätze diskutiert werden. Ihm folgen verschiedene Verse, in denen Menschen in Medina und Beduinen aus der Umgebung gerügt werden, weil sie sich weigern, Mohammeds Ruf zu den Waffen zu folgen.

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Haremsromantik ist was für Märchen

Wenn die Männer eine neue Frau heiraten, wird die Vorgängerin meist in ein abgelegenes Zelt verband und muss die gemeinsamen Kinder alleine großziehen. Foto: rtr
Die Vielehe ist unter Beduinen im Negev verbreitet. Die Männer verteidigen sie mit Verweis auf Tradition, aber die Polygamie geht zu Lasten der Frauen.

Von Inge Günther | Frankfurter Rundschau

Es war keine glückliche Heirat, als Fatwa, damals kaum 18 Jahre alt, die Zweitfrau ihres Cousins wurde. Die Familie hatte sie zu der Ehe gezwungen. Die ersten beiden Jahre fügte sie sich, gebar zwei Kinder und nahm ihr Schicksal hin, das sie mit vielen Beduinenfrauen im Negev teilt. Doch dann begann ihr Mann sie immer öfter zu schlagen. „Und wenn die häusliche Gewalt zunimmt“, sagt Fatwa im Rückblick, „weißt du, dass dein Mann begonnen hat, sich nach einer neuen Ehefrau umzusehen“ – in ihrem Fall einer dritten.

Polygamie ist unter den traditionell lebenden Beduinen noch immer verbreitet, weit mehr als in der besser ausgebildeten arabisch-israelischen Minderheit in Jaffa, Haifa und den Dörfern im nördlichen Galiläa. Der Islam erlaubt bis zu vier Ehefrauen und geschätzt wird, dass etwa ein Drittel der beduinischen Männer diesem Brauch frönen. In Israel ist zwar die Vielehe seit 1977 unter Androhung von Gefängnisstrafe verboten, aber höchst selten wird jemandem wegen Polygamie der Prozess gemacht.

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Anfragen nach Kirchenasyl nehmen zu

Justitia Skulptur (CC-by-nc-sa/3.0 by Luc Viatour)

Von Abschiebung bedrohte Flüchtlinge suchen zunehmend Schutz bei Kirchen. Doch die Gemeinden, die eine zeitlang Asyl bieten, sehen sich mehr und mehr unter Druck. Und die Anerkennung von Härtefällen ist schwieriger geworden.

evangelisch.de

Nach der Ablehnung ihres Asylantrags hoffen Flüchtlinge zunehmend auf Kirchenasyl. „Wir haben wesentlich mehr Anfragen als Plätze zur Verfügung stehen“, sagte Dietlind Jochims, Vorsitzende der ökumenischen Bundesarbeitsgemeinschaft „Asyl in der Kirche“, am Wochenende in Augsburg. In ganz Deutschland gibt es derzeit laut der Arbeitsgemeinschaft knapp 350 Kirchenasyle, in denen sich rund 530 Personen befinden.

Die Hilfegesuche kämen von Unterstützervereinen, aber zunehmend auch von Anwälten, Ärzten, Mitarbeitern in Flüchtlingsunterkünften und von Flüchtlingen selbst, erklärte Jochims, die auch Flüchtlingsbeauftragte der evangelischen Nordkirche ist. In Augsburg hält die Arbeitsgemeinschaft „Asyl in der Kirche“ bis Sonntag ihre Jahrestagung ab.

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Wozu nutzen Geschlechtsidentitäten überhaupt?

Grafik: TP
Über das Gender-Urteil des Bundesverfassungsgerichts zur Verfassungswidrigkeit der heutigen Geschlechtsangaben nachgedacht

Von Stephan Schleim | TELEPOLIS

Das Urteil des Bundesverfassungsgerichts zur Verfassungswidrigkeit der heutigen Geschlechtsangaben hat in den Diskussionsforen viel Unverständnis oder gar Verachtung auf sich gezogen: Zuhauf hagelte es Unterstellungen, das Gericht sei befangen gewesen, von Gendertheorikern unterwandert oder habe einen Vorschlag schlicht „abgenickt“, ohne sich der Folgen bewusst zu sein.

Ich habe das Urteil gelesen, kommentiert und halte es für in sich schlüssig und nachvollziehbar, zudem in Übereinstimmung mit neueren ärztlichen und wissenschaftlichen Befunden (Abschied vom binären Geschlechtsmodell). Die wiederholt kolportierte Behauptung, damit gebe es jetzt ein „drittes Geschlecht“, ist aber falsch.

Es geht schlicht um Geschlechtsangaben im amtlichen Register und der Gesetzgeber hat bis 31. Dezember 2018 auch die Möglichkeit, diese für alle Personen gänzlich abzuschaffen. Gerichte, Staatsanwaltschaften und Polizeibehörden sind im Übrigen die wichtigsten Pfeiler unseres freien, demokratischen Rechtsstaats, wo Regierungen und Parlamente versagen; daher sollte man sie nicht einfach so verunglimpfen.

Das Abendland wird jedenfalls nicht daran zugrunde gehen, dass bald in einigen Urkunden und Pässen die Geschlechtsangabe „anderes“ oder „intersexuell“ steht – oder dass solche Angaben gänzlich aus den Dokumenten verschwinden. Dass sich die Betroffenen damit bei Auslandsreisen nicht immer einen Gefallen tun dürften, wurde auch schon angemerkt, ist aber deren persönliches Problem.

Davon abgesehen würde es ja nie eine Veränderung geben, wenn nicht irgendjemand den ersten, oft unangenehmen Schritt machen würde. Dabei wäre Deutschland noch nicht einmal das erste Land mit einer dritten Geschlechtsangabe, nach unter anderem Australien, Indien, Neuseeland und einigen US-Bundesstaaten.

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Frankreich: Kirche gegen Eintrittsgeld für Kirche

Notre Dame, Paris – AFP
Alte Kirchengebäude sind schön… und teuer. In Frankreich, wo seit der strikten Trennung von Staat und Kirche die staatlichen Behörden für den Unterhalt der Kirchengebäude zuständig sind, plant nun die Regierung, Eintrittsgelder zu den Kirchen einzuführen, um die Zuwendungen gegenfinanzieren zu können.

Radio Vatikan

Da macht man aber die Rechnung ohne den Wirt: Die Bischöfe in Frankreich sind nämlich gegen die Einführung solcher Eintrittsgelder in die Kirchen. „Die Kathedralen sind Orte des Friedens und der Besinnung, die die Begegnung mit Gott ermöglichen sollen“, schreiben die Bischöfe in einer Mitteilung.

Die Verantwortliche für sakrale Kunst bei der französischen Bischofskonferenz, Maud de Beauchesne-Cassenet, argumentiert im Gespräch mit Radio Vatikan, dass die Idee der französischen Regierung gar keine Vorteile bringe.

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