Haremsromantik ist was für Märchen


Wenn die Männer eine neue Frau heiraten, wird die Vorgängerin meist in ein abgelegenes Zelt verband und muss die gemeinsamen Kinder alleine großziehen. Foto: rtr
Die Vielehe ist unter Beduinen im Negev verbreitet. Die Männer verteidigen sie mit Verweis auf Tradition, aber die Polygamie geht zu Lasten der Frauen.

Von Inge Günther | Frankfurter Rundschau

Es war keine glückliche Heirat, als Fatwa, damals kaum 18 Jahre alt, die Zweitfrau ihres Cousins wurde. Die Familie hatte sie zu der Ehe gezwungen. Die ersten beiden Jahre fügte sie sich, gebar zwei Kinder und nahm ihr Schicksal hin, das sie mit vielen Beduinenfrauen im Negev teilt. Doch dann begann ihr Mann sie immer öfter zu schlagen. „Und wenn die häusliche Gewalt zunimmt“, sagt Fatwa im Rückblick, „weißt du, dass dein Mann begonnen hat, sich nach einer neuen Ehefrau umzusehen“ – in ihrem Fall einer dritten.

Polygamie ist unter den traditionell lebenden Beduinen noch immer verbreitet, weit mehr als in der besser ausgebildeten arabisch-israelischen Minderheit in Jaffa, Haifa und den Dörfern im nördlichen Galiläa. Der Islam erlaubt bis zu vier Ehefrauen und geschätzt wird, dass etwa ein Drittel der beduinischen Männer diesem Brauch frönen. In Israel ist zwar die Vielehe seit 1977 unter Androhung von Gefängnisstrafe verboten, aber höchst selten wird jemandem wegen Polygamie der Prozess gemacht.

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