Kirche und Politik: Die Krise der Moralproduzenten


Im Gespräch: Der EKD-Ratsvorsitzende Heinrich Bedford-Strohm (l-r), Ilse Junkermann, Landesbischöfin der Evangelischen Kirche in…Foto: Hendrik Schmidt/dpa
Die Kirchen sind nur noch Kulissen für Wertdebatten – prägen können sie sie nicht mehr, schreibt unsere Kolumnistin.

Von Ursula Weidenfeld | DER TAGESSPIEGEL

In dieser Woche geht das Kirchenjahr zu Ende. Es war für die beiden großen Kirchen kein gutes, trotz Luther und freundlichen Jubiläumsterminen. Selten war der Graben zwischen Politik und Kirchen so tief. Die Kirchen sind noch eine schöne Kulisse für Wertedebatten. Prägen können sie sie nicht mehr.

Zuerst eskalierte der Ärger über die Einmischung der Kirchen in der Flüchtlingsfrage. Vor einem Jahr forderte der bayerische Finanzminister Markus Söder sie auf, sich gefälligst aus der Politik herauszuhalten und sich um ihren eigenen Kram – die Seelsorge – zu kümmern. Die Unionspolitiker hatten genug von der moralischen Dimension der Flüchtlingsfrage, die Kirchen liefen mit ihrem Rigorismus vor die Wand. Dann kam die „Ehe für alle“. Verständnislos schüttelten Politiker aller Parteien den Kopf, als die katholische Kirche die Begeisterung über die Gleichstellung nicht teilen wollte. Die Gedankenwelt der Kirche wurde mit Spott betrachtet.

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