Wozu nutzen Geschlechtsidentitäten überhaupt?


Grafik: TP
Über das Gender-Urteil des Bundesverfassungsgerichts zur Verfassungswidrigkeit der heutigen Geschlechtsangaben nachgedacht

Von Stephan Schleim | TELEPOLIS

Das Urteil des Bundesverfassungsgerichts zur Verfassungswidrigkeit der heutigen Geschlechtsangaben hat in den Diskussionsforen viel Unverständnis oder gar Verachtung auf sich gezogen: Zuhauf hagelte es Unterstellungen, das Gericht sei befangen gewesen, von Gendertheorikern unterwandert oder habe einen Vorschlag schlicht „abgenickt“, ohne sich der Folgen bewusst zu sein.

Ich habe das Urteil gelesen, kommentiert und halte es für in sich schlüssig und nachvollziehbar, zudem in Übereinstimmung mit neueren ärztlichen und wissenschaftlichen Befunden (Abschied vom binären Geschlechtsmodell). Die wiederholt kolportierte Behauptung, damit gebe es jetzt ein „drittes Geschlecht“, ist aber falsch.

Es geht schlicht um Geschlechtsangaben im amtlichen Register und der Gesetzgeber hat bis 31. Dezember 2018 auch die Möglichkeit, diese für alle Personen gänzlich abzuschaffen. Gerichte, Staatsanwaltschaften und Polizeibehörden sind im Übrigen die wichtigsten Pfeiler unseres freien, demokratischen Rechtsstaats, wo Regierungen und Parlamente versagen; daher sollte man sie nicht einfach so verunglimpfen.

Das Abendland wird jedenfalls nicht daran zugrunde gehen, dass bald in einigen Urkunden und Pässen die Geschlechtsangabe „anderes“ oder „intersexuell“ steht – oder dass solche Angaben gänzlich aus den Dokumenten verschwinden. Dass sich die Betroffenen damit bei Auslandsreisen nicht immer einen Gefallen tun dürften, wurde auch schon angemerkt, ist aber deren persönliches Problem.

Davon abgesehen würde es ja nie eine Veränderung geben, wenn nicht irgendjemand den ersten, oft unangenehmen Schritt machen würde. Dabei wäre Deutschland noch nicht einmal das erste Land mit einer dritten Geschlechtsangabe, nach unter anderem Australien, Indien, Neuseeland und einigen US-Bundesstaaten.

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