Der Feudalismus lebt – in den Parteien


FILE PHOTO: Bavarian Prime Minister and head of the Christian Social Union (CSU) Horst Seehofer listens to Bavarian Finance…Foto: REUTERS
Der Machtkampf in der CSU zeigt: Es gibt ihn noch, den Feudalismus. Mit ihren vormodernen Strukturen ist die CSU aber nicht allein. Ein Kommentar.

Von Anna Sauerbrey | DER TAGESSPIEGEL

Am Ende verlegte sich der alte Fürst auf eine Finte. „Heute Abend wird alles klar sein“, verkündete Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer am vergangenen Donnerstag vor der Vorstandssitzung der CSU, setzte sich rein, sprach über die Parteifinanzen und reiste grinsend wieder ab, ohne die Frage seiner politischen Zukunft tatsächlich zu stellen. Der junge Thronanwärter, Markus Söder, war düpiert.

Wie keine andere Partei in Deutschland ist die CSU weiterhin durchdrungen von feudalen Strukturen. Bestimmt wird der Aufstieg an die Macht von einem hierarchischen System von Treueschwüren, bei dem letztlich alle Macht vom Fürsten ausgeht. Er verleiht sie an seine Vasallen, die ihn im Gegenzug stützen. Wankt der Fürst – wie nun Seehofer nach dem schlechten Abschneiden bei der Bundestagswahl –, wechseln manche seiner Vasallen den Herrn und bringen das Machtgefüge ins Wanken. In der CSU versagte Anfang November das Jungvolk dem alten Fürsten die Gefolgschaft. Es folgte ein vernehmbares Aufbegehren des Münchner Bezirksverbands, schon lange in der Hand der Söder-Anhänger, die nun, da der alte Fürst einen Hieb einstecken musste, den Zeitpunkt für den Schritt ins Offene gekommen sahen. Person, Land und Macht bilden in Bayern eine politische Einheit. Es scheint sich seit Strauß wenig verändert zu haben, der gern mit dem Satz zitiert wird: „Ich bin die CSU, die CSU ist der Staat, also bin ich der Staat.“

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