Frankreich: „30 bis 40 neue EPR-Reaktoren bis 2050!“


EPR in Olkiluoto, Finnland. Fotomontage. Bild: Teollisuuden Voima Oy / CC BY-SA 3.0
Der Ausstieg aus dem Atomausstieg beflügelt den Chef der EDF. Umweltminister Hulot steht indessen in der Kritik

Von Bernard Schmid | TELEPOLIS

Kaum erhielt die französische Atomindustrie jüngst – de facto – ihre Bestandsgarantie aus der Politik, scheint man in ihren Reihen dem Größenwahn zu verfallen. „30, 35 oder 40 neue Atomreaktoren vom Modell EPR“ will der Chef des französischen Energieversorgungsunternehmen EDF, Jean-Bernard Lévy, bis zum Jahr 2050 errichten lassen. Also mindestens einen neuen Atomreaktor pro Jahr.

Diese vollmundige Forderung des Chefs der EDF (Électricité de France), der Betreiberfirma der kommerziell genutzten Atomanlagen in Frankreich – als Reaktorbauer firmiert das Unternehmen AREVA, das erst kürzlich durch die Lieferung defekter Nuklearbrennstäbe in die Schweiz in ein paar Schlagzeilen geriet – , wurde nur zehn Tage nach der Veröffentlichung eines Forscherberichts laut.

Letzterem zufolge wäre es möglich, in Frankreich bis im Jahr 2050 sowohl auf Nuklearenergie als auch auf klimaschädliche fossile Kraftwerke zu verzichten und das Land ausschließlich aus erneuerbaren Energiequellen (kombiniert mit Energieeinsparungen) zu versorgen.

Der amtierende französische Umweltminister Nicolas Hulot hatte vor seiner Ernennung durch Emmanuel Macron im Mai 2017 als „Umweltaktivist“ gegolten. In Wirklichkeit war Hulot in der Vergangenheit erst als Dokumentarfilmer und danach vor allem als Unternehmer und Geschäftsmann – mit dem Verkauf als umweltverträglich angepriesener Produkte – in Erscheinung getreten.

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