Gottes Mühlen mahlen langsam


Die Geschichte des Erzbistums Vaduz ist eng mit der Person des umstrittenen Bischofs Wolfgang Haas verbunden. (Bild: Ennio Leanza / Keystone)
Vor zwanzig Jahren wurde Liechtenstein zum Erzbistum Vaduz ernannt. Der umstrittene Bischof von Chur, Wolfgang Haas, wurde Erzbischof. Seine Ernennung leitete im Fürstentum die Trennung von Staat und Kirche ein. Aber noch heute feilschen das Erzbistum und der Staat um den kirchlichen Besitz.

Von Günther Meier | Neue Zürcher Zeitung

Die katholische Kirche hat in Liechtenstein den Status der Landeskirche und «geniesst» gemäss Verfassung «den vollen Schutz des Staates». Als Rom ohne vorherige Konsultationen der Behörden Liechtenstein vom Bistum Chur abspaltete und das Fürstentum gegen deren Willen zum eigenständigen Erzbistum erhob, erschallte aus politischen und kirchlichen Kreisen der Ruf nach Trennung von Kirche und Staat. Denn der eingesetzte Erzbischof, Wolfgang Haas, war im Bistum Chur, wo er zuvor gewirkt hatte, höchst umstritten.

Dass die Trennung allerdings nicht so einfach zu bewerkstelligen war, wurde der Regierung und dem Parlament schon bald nach einem ersten Protest gegen das Vorgehen des Heiligen Stuhls klar. Aber dass die anschliessend gewählte, etwas mildere Form der wirtschaftlichen Entflechtung nach zwanzig Jahren Verhandlungen immer noch nicht zu Ende wäre, hätte damals niemand vorauszusagen gewagt. Fast ein Jahrzehnt hatte es gedauert, bis die Regierung dem Parlament ein Paket für die Neuregelung des Verhältnisses von Staat und Kirche vorlegen konnte. Umgesetzt ist es bis heute nicht.

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