Über das „Othering“ von Tieren


Ein sattsam bekannter Mechanismus: Über das Schmerzempfinden von Nutztieren geht der Mensch oft hinweg. (imago stock&people)
Tiere haben Gefühle! Was Bauern wie Hundehaltern seit jeher klar ist, will das britische Unterhaus nicht anerkennen. Das heißt aber nicht, dass die Abgeordneten wirklich daran zweifeln: Sie entschieden aus politisch-strategischem Kalkül.

Von Catherine Newmark | Deutschlandfunk Kultur

Zunächst mal: Anders als viele britische Medien entrüstet berichten, hat die konservative Mehrheit der Abgeordneten im britischen Unterhaus nicht dekretiert, dass Tiere keine Gefühle oder kein Schmerzempfinden hätten. Sie hat lediglich – schlimm genug – sich dagegen entschieden, diese kaum bestreitbare Tatsache in Gesetzesform zu gießen. Schlimm ist das, weil es reale und praktische Konsequenzen für den Tierschutz und insbesondere die Haltung von Nutztieren haben kann.

Denn ein Erkenntnisproblem besteht hier nicht. Dass Tiere Schmerz empfinden können, ist dem Menschen nicht nur in seinem Alltag mit Nutz- und Haustieren seit jeher evident, sondern wird auch in der Geschichte des Denkens von kaum jemandem bestritten. Zwar dominiert über Jahrhunderte die religiöse Vorstellung von der Sonderstellung des Menschen, die ihn zur instrumentellen Nutzung von Tieren berechtigt. Ganz wie es schon im ersten Buch der Bibel heißt:

„Seid fruchtbar und mehret euch und füllet die Erde und machet sie euch untertan und herrschet über die Fische im Meer und über die Vögel unter dem Himmel und über alles Getier, das auf Erden kriecht.“

Und ja, René Descartes ließ sich im 17. Jahrhundert zu der These verleiten, dass Tiere nichts anderes als Maschinen seien, was aber auch damals schon kaum jemandem plausibel erschien.

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